Ungarn-Aufstand 1956, 70. Jahrestag

Ungarn-Aufstand: Magyar feiert 70 Jahre Revolution in Budapest

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Ungarn erinnert an den Aufstand gegen die kommunistische Herrschaft und die sowjetische Besatzung. Die Gedenkveranstaltungen stehen zugleich im Zeichen des politischen Wechsels nach dem Ende der 16-jährigen Regierungszeit Viktor Orbáns.

Folgen der Revolution für Ungarn

  • Am 4. November 1956 schlugen sowjetische Truppen den Aufstand in blutigen Straßenkämpfen nieder.
  • Mehr als 200 Revolutionsteilnehmer wurden hingerichtet, rund 22.000 Menschen kamen ins Gefängnis.
  • 1989 wurde Imre Nagy neu bestattet, während Viktor Orbans politische Laufbahn öffentlich begann.
  • Mit großen Feierlichkeiten erinnert Ungarn an den Ausbruch der Revolution vor 70 Jahren. (Archivbild) - Bild: Marton Monus/dpa
  • Sowjetische Panzer in den Straßen von Budapest. (Archivbild) - Bild: DB/dpa
  • Bei der Parlamentswahl im April erteilten die Ungarn dem autoritären Kurs von Viktor Orban eine Abfuhr - auch der Freiheitsgeist von 1956 lebte darin wohl fort. (Archivbild) - Bild: Darko Bandic/AP/dpa
  • Am Ende waren die ungarischen Freiheitskämpfer der militärischen Übermacht der Sowjetunion unterlegen. (Archivbild) - Bild: dpa
Mit großen Feierlichkeiten erinnert Ungarn an den Ausbruch der Revolution vor 70 Jahren. (Archivbild)  - Bild: Marton Monus/dpa Sowjetische Panzer in den Straßen von Budapest. (Archivbild) - Bild: DB/dpa Bei der Parlamentswahl im April erteilten die Ungarn dem autoritären Kurs von Viktor Orban eine Abfuhr - auch der Freiheitsgeist von 1956 lebte darin wohl fort. (Archivbild) - Bild: Darko Bandic/AP/dpa Am Ende waren die ungarischen Freiheitskämpfer der militärischen Übermacht der Sowjetunion unterlegen. (Archivbild) - Bild: dpa

Ungarn erinnert an Aufstand von 1956

Mit Gästen aus ganz Europa begeht Ungarns Regierung am 23. Oktober den 70. Jahrestag des Aufstands gegen die kommunistische Herrschaft. Vor 70 Jahren begann die Revolution in Budapest, bevor sowjetische Truppen den Aufstand am 4. November blutig niederschlugen.

Feierstunde im Parlament

Am frühen Nachmittag soll EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Parlament sprechen. Zwei Stunden später will Ministerpräsident Peter Magyar auf dem Kossuth-Platz vor dem Parlament zu den Bürgern reden.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) lässt sich bei den Feierlichkeiten durch Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) vertreten. Die Veranstaltungen verbinden das historische Gedenken mit dem politischen Neubeginn nach der Abwahl Viktor Orbáns im Frühjahr.

Protest gegen die kommunistische Diktatur

Ungarn war nach dem Zweiten Weltkrieg in den sowjetischen Machtbereich geraten. Unter sowjetischer Besatzung entstand eine harte kommunistische Diktatur; Parteien wurden verboten, Kritiker verfolgt und Angehörige der besitzenden Schichten enteignet.

Am 23. Oktober 1956 demonstrierten rund 200.000 Menschen vor dem Parlament in Budapest. Ein Teil der Menge stürzte am Dózsa-Boulevard eine zehn Meter hohe Stalin-Statue vom Sockel.

Nagy kündigt demokratische Reformen an

Nach Schüssen der Staatssicherheit auf friedliche Demonstranten bewaffneten sich Aufständische. Die ungarische Armee stellte sich weitgehend auf die Seite der Revolution, während Imre Nagy die Regierung übernahm.

Nagys Regierung kündigte Presse-, Versammlungs- und Religionsfreiheit sowie legale politische Parteien an. Am 1. November erklärte Nagy den Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt.

Sowjetische Truppen schlagen Aufstand nieder

Die Sowjetunion verstärkte ihre Truppen und griff am 4. November ein. In blutigen Straßenkämpfen setzte sie der Revolution ein Ende; der Westen griff im Kalten Krieg nicht militärisch ein.

Für die Wiederherstellung der kommunistischen Herrschaft setzten die Sowjets János Kádár ein. Mehr als 200 Revolutionsteilnehmer wurden nach standgerichtlichen Prozessen hingerichtet, rund 22.000 Menschen kamen ins Gefängnis und etwa 200.000 Ungarn flohen über Österreich in den Westen.

Erinnerung blieb lange tabu

Unter Kádár lockerte sich die Diktatur zwar allmählich, doch über die Ereignisse von 1956 durfte weiterhin nicht gesprochen werden. Erst in den Wendejahren änderte sich der Umgang mit der Revolution.

Am 16. Juni 1989 wurden Imre Nagy und seine Mitstreiter neu bestattet. Bei dem Gedenkakt auf dem Budapester Heldenplatz trat Viktor Orbán als junger Studentenführer auf und wurde landesweit bekannt.

Politischer Wechsel verändert Gedenken

Orbán regierte zunächst von 1998 bis 2002 und anschließend von 2010 bis zu seiner Abwahl in diesem Frühjahr. Die bürgerliche Tisza-Partei von Peter Magyar beendete bei der Parlamentswahl im April seine 16-jährige Herrschaft.

Der 70. Jahrestag erinnert damit nicht nur an den Widerstand gegen eine sowjetisch gestützte Diktatur. Er fällt auch in eine Phase, in der Ungarn seinen politischen Kurs nach Jahren unter Orbán neu bestimmt.

Der 70. Jahrestag des Ungarn-Aufstands fällt mit einem politischen Machtwechsel zusammen. Die Revolution von 1956 begann als Massenprotest gegen die kommunistische Herrschaft und die sowjetische Kontrolle, entwickelte sich binnen weniger Tage zu einem bewaffneten Aufstand und endete am 4. November mit dem Eingreifen sowjetischer Truppen.

Für Ungarn besitzt der 23. Oktober eine doppelte Bedeutung: Er erinnert an den Beginn der Revolution von 1956 und an die Ausrufung der Republik im Jahr 1989. Damit verbindet der Feiertag den Kampf gegen die kommunistische Diktatur mit dem Übergang zur parlamentarischen Demokratie.

Historische Erfahrung und politische Gegenwart

Die Niederschlagung hinterließ tiefe Spuren. Mehr als 200.000 Menschen flohen, tausende wurden inhaftiert oder hingerichtet. Über die Ereignisse durfte unter János Kádár lange nicht öffentlich gesprochen werden; erst 1989 wurde Imre Nagy rehabilitiert und neu bestattet.

Die aktuelle Gedenkfeier erhält durch das Ende der 16-jährigen Amtszeit Viktor Orbáns eine zusätzliche politische Dimension. Die neue Regierung kann den Freiheitsbegriff von 1956 mit dem demokratischen Neubeginn verbinden. Zugleich bleibt die Erinnerung umkämpft, weil sie sowohl nationalen Unabhängigkeitswillen als auch die Abwehr autoritärer Herrschaft symbolisiert.

Europäische Bedeutung

Mit Ursula von der Leyen nimmt eine zentrale Vertreterin der Europäischen Union an der Feierstunde teil. Das verweist auf die europäische Dimension des Aufstands: Ungarns Ringen um Souveränität und politische Freiheit war 1956 Teil des Kalten Krieges, wird heute aber vor allem als Beitrag zur gemeinsamen demokratischen Erinnerung Europas verstanden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Ungarischer Volksaufstand: Dreizehn Tage, die die Welt erschütterten“ (22.10.2026)

Der Beitrag ordnet den Aufstand als dreizehntägigen Kampf um Freiheitsrechte, Parlamentarismus und nationale Unabhängigkeit ein. Anders als die dpa-Meldung legt er einen Schwerpunkt auf die internationale Einbettung in die Machtordnung von Jalta und auf die Bedeutung spontaner Bürgerräte.

Beide Darstellungen betonen den Beginn am 23. Oktober, die Regierung Imre Nagys, den Austritt aus dem Warschauer Pakt und die sowjetische Niederschlagung. Offen bleibt in der aktuellen politischen Betrachtung, wie stark die Erinnerung an 1956 künftig die demokratische Selbstbeschreibung Ungarns prägen wird.

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