Russland, Ungarn

Putin empfĂ€ngt Orban fĂŒr GesprĂ€che ĂŒber Energie und Krieg

28.11.2025 - 11:27:40

Ungarns MinisterprÀsident bringt sich im Ukraine-Krieg gern als Vermittler ins GesprÀch. Nun ist er wieder nach Moskau gereist. Putin sieht in dem Rechtspopulisten allerdings eher einen Bittsteller.

Der ungarische MinisterprĂ€sident Viktor Orban spricht heute in Moskau mit dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin im Kreml ĂŒber Energielieferungen und den Krieg gegen die Ukraine. Das kĂŒndigte der Rechtspopulist vor dem Abflug aus Budapest nach Moskau an. Russische Staatsmedien zeigten gegen Mittag seine Ankunft im Kreml.

Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte zuvor bestĂ€tigt, dass das Treffen mit Putin geplant sei. Putin und Orban haben auch wĂ€hrend des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine immer wieder direkte GesprĂ€che gefĂŒhrt, was in der EU stets Kritik auslöste. Der Kremlchef hingegen sieht es als Erfolg seiner Politik, dass der Vertreter eines EU- und Nato-Mitgliedsstaates als Bittsteller nach Moskau kommt.

Vor dem Abflug erinnerte Orban daran, dass ihm US-PrĂ€sident Donald Trump eine Ausnahme von den Sanktionen gegen russische Energieunternehmen genehmigt hatte. «Das ist uns gelungen, was großartig ist. Jetzt brauchen wir nur noch Gas und Öl, und die können wir von den Russen kaufen. Deshalb reise ich dorthin, um sicherzustellen, dass Ungarns Energieversorgung fĂŒr den Winter und das kommende Jahr zu einem erschwinglichen Preis gesichert ist», sagte Orban.

GesprĂ€che auch ĂŒber Trumps Friedensplan

Bei den GesprĂ€chen soll es auch um die aktuellen Verhandlungen fĂŒr eine Beendigung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine gehen. Orban hatte ein 28-Punkte-Papier von Trump fĂŒr einen Friedensplan unterstĂŒtzt. Am vergangenen Sonntag hatte es dazu auch GesprĂ€che ukrainischer UnterhĂ€ndler mit Vertretern der USA und der EU in Genf gegeben. NĂ€chste Woche sollen die Ergebnisse mit US-Vertretern in Moskau besprochen werden, wie Kremlsprecher Peskow sagte.

Bereits seit Tagen hatte es Spekulationen ĂŒber einen Orban-Besuch in Moskau gegeben. Putin selbst sagte am Donnerstag, dass Moskau sich immer freue, wenn Einladungen angenommen wĂŒrden. Er wolle mit Orban auch ĂŒber die wichtige Frage des Kernbrennstoffs fĂŒr das von Russland gebaute Atomkraftwerk Paks sprechen. Russland habe nichts dagegen, dass seine AKW US-Brennstoff verwenden - wie in der Ukraine -, es gehe aber um Sicherheitsfragen, sagte er.

Nicht die erste Reise nach Moskau 

Orban hatte Putin zuletzt im Juli 2024 im Kreml besucht - wenige Tage nach seiner ersten Reise nach Kiew seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Den Aufenthalt in Russland inszenierte er als Friedensmission. Budapest hatte damals turnusgemĂ€ĂŸ die EU-RatsprĂ€sidentschaft inne. Die EU betonte jedoch, dass Orban nicht in ihrem Namen spreche. Der ungarische MinisterprĂ€sident verfolgt eine feindselige Politik gegenĂŒber der Ukraine, die an sein Land grenzt. In mehreren Äußerungen bestritt er, dass die Ukraine ein souverĂ€ner Staat sei. 

US-PrĂ€sident Donald Trump hatte im Oktober in einem TelefongesprĂ€ch mit Putin die ungarische Hauptstadt Budapest als Ort eines Gipfeltreffens der beiden Staatschefs vorgeschlagen. Wegen Moskaus fehlender Verhandlungsbereitschaft zeigte Trump sich aber enttĂ€uscht, sagte den Gipfel wieder ab und verhĂ€ngte schmerzhafte Sanktionen gegen die großen russischen Ölexporteure Rosneft und Lukoil. 

Orban, der bei der Parlamentswahl im April in Ungarn wieder gewinnen will, dĂŒrfte einmal mehr auch dafĂŒr werben, dass Budapest Gastgeber eines möglichen kĂŒnftigen Gipfels von Putin und Trump wird.

Gute Beziehungen zum Kreml

Orban pflegt seit etwa zehn Jahren gute Kontakte zu Kremlchef Putin. Diese hielt er auch nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine aufrecht. In den vergangenen Jahren verhinderte er immer wieder neue EU-Sanktionen gegen Russland - etwa ein vollstĂ€ndiges Öl-Embargo oder geplante Strafmaßnahmen gegen den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill. 

Ungarn ist neben der Slowakei das einzige EU-Land, das noch Rohöl aus Russland bezieht. Anders als die anderen EU-LĂ€nder, mit Ausnahme der Slowakei, ist Ungarn in hohem Maße von russischen Erdgaslieferungen abhĂ€ngig.

@ dpa.de