US-Demokraten gewinnen Kongress und ringen um Kurs fĂŒr 2028
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 08:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDemokratische Mehrheiten und offene Machtfragen
- Die Demokraten errangen bei den US-Parlamentswahlen Mehrheiten im Senat und im ReprÀsentantenhaus.
- Die neue Legislaturperiode beginnt erst Anfang Januar.
- Jon Ossoff ist 39 Jahre alt und gilt als möglicher PrÀsidentschaftsbewerber.
Demokraten gewinnen Kongress und streiten ĂŒber den Kurs
Die Demokraten feiern einen deutlichen Erfolg gegen die Republikaner von PrĂ€sident Donald Trump bei den US-Parlamentswahlen. Ihre neuen Mehrheiten im Senat und im ReprĂ€sentantenhaus geben ihnen RĂŒckenwind, zugleich verschĂ€rft der Wahlsieg die Debatte ĂŒber den Kurs bis zur PrĂ€sidentschaftswahl 2028.
Linke und moderate KrÀfte ringen um Einfluss
Im Wahlkampf prÀgte die Frage die parteiinternen Vorwahlen, wie links demokratische Politik sein darf. In Wisconsin setzte sich der moderatere Kandidat David Crowley durch, wÀhrend in Michigan der Parteilinke Abdul El-Sayed gewann.
Die Demokraten bilden wie die Republikaner ein breites BĂŒndnis verschiedener Strömungen. Gretchen Whitmer und Andy Beshear stehen fĂŒr einen gemĂ€Ăigteren Kurs, Alexandria Ocasio-Cortez und El-Sayed fĂŒr umfassende Sozialreformen wie eine allgemeine gesetzliche Krankenversicherung und stĂ€rkere Investitionen in den Klimaschutz.
FlĂŒgelkĂ€mpfe belasten den Blick auf 2028
Die innerparteiliche Auseinandersetzung dĂŒrfte nach EinschĂ€tzung der im Artikel genannten Experten bis zur nĂ€chsten PrĂ€sidentschaftswahl zunehmen. Die Democratic Socialists of America mobilisieren vor allem jĂŒngere WĂ€hler und geben sozialen Themen Nachdruck, bieten den Republikanern aber zugleich AngriffsflĂ€chen.
Auch das VerhĂ€ltnis zu Israel wird die Demokraten weiter beschĂ€ftigen. Im linken FlĂŒgel gibt es scharfe Kritik an der Regierung von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu und an US-Waffenlieferungen.
Mögliche Kandidaten fĂŒr die Demokraten
Als mögliche PrĂ€sidentschaftsanwĂ€rter gelten der 39-jĂ€hrige Senator Jon Ossoff aus Georgia und die New Yorker Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez. Ocasio-Cortez schlieĂt eine Kandidatur nach eigener Aussage nicht aus.
Auch Wes Moore, Gouverneur von Maryland, wird wegen seiner landesweiten Bekanntheit und seines pragmatisch-sozialen Kurses genannt. James Talarico mĂŒsse sich auf Bundesebene dagegen erst bewĂ€hren, wĂ€hrend El-Sayed wegen seiner linken Positionen Schwierigkeiten haben könnte, landesweit AnhĂ€nger zu gewinnen.
Trump prÀgt die Ausgangslage
FĂŒr die Chancen der Demokraten spielt auch Trumps Politik eine wichtige Rolle. Seine aggressive Zollpolitik und der unbeliebte Iran-Krieg trieben die Lebenshaltungskosten in die Höhe und belasteten die Republikaner bei den Wahlen.
Wie Trump in den kommenden zwei Jahren mit dem Kongress umgeht, wird die politische Ausgangslage fĂŒr 2028 mitbestimmen. Die Demokraten können ihre neue Mehrheit erst ab Anfang Januar nutzen, mĂŒssen sich dabei aber mit der angespannten Finanzlage und dem prĂ€sidentiellen Vetorecht auseinandersetzen.
Der Erfolg bei den Zwischenwahlen verschafft den Demokraten zunĂ€chst politischen RĂŒckenwind. Mit Mehrheiten im Senat und im ReprĂ€sentantenhaus können sie die Gesetzgebung stĂ€rker prĂ€gen, allerdings beginnt die neue Legislaturperiode erst Anfang Januar. Bis dahin bleiben die republikanische Mehrheit im PrĂ€sidentenamt und die Möglichkeit eines Vetos zentrale Machtfaktoren.
Mehrheit mit begrenzter Durchsetzungskraft
Die Wahlergebnisse zeigen zugleich, dass die Demokraten in unterschiedlichen Regionen und mit verschiedenen politischen Profilen erfolgreich sein können. Ein linker Kurs kann in urbanen Zentren und einzelnen Bundesstaaten mobilisieren, wĂ€hrend moderatere Politiker fĂŒr andere WĂ€hlergruppen anschlussfĂ€higer bleiben. Diese Spannbreite macht die Partei breit aufgestellt, verschĂ€rft aber die Frage nach einer gemeinsamen Botschaft.
FĂŒr die PrĂ€sidentschaftswahl 2028 dĂŒrfte deshalb nicht allein die Bilanz der neuen Kongressmehrheiten entscheidend sein. Die Demokraten mĂŒssen klĂ€ren, wie sie soziale Reformen, Klimaschutz und die Israel-Politik verbinden und zugleich in umkĂ€mpften Bundesstaaten Mehrheiten gewinnen wollen. Hinzu kommt der Generationenwechsel: Mehrere Gouverneure und jĂŒngere Abgeordnete gelten als mögliche FĂŒhrungstalente, doch eine parteiweit akzeptierte Spitzenfigur zeichnet sich noch nicht ab.
Trump bleibt zentraler Gegenspieler
Die politische Ausgangslage hĂ€ngt stark davon ab, wie sich die Lebenshaltungskosten, die AuĂenpolitik und das VerhĂ€ltnis zwischen PrĂ€sident und Kongress entwickeln. Ein konfrontativer Kurs Trumps könnte den Demokraten weiteren Zulauf verschaffen, wĂ€hrend sichtbare gesetzgeberische Erfolge der neuen Mehrheit ihre eigene Position stĂ€rken wĂŒrden. Gleichzeitig begrenzen die angespannte Finanzlage und das prĂ€sidentielle Vetorecht den Spielraum.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: âErgebnisse der US-Midterms 2026: Live-Updates in Karten und Grafikenâ (03.11.2026)
Der Beitrag ordnet die Verteilung der 435 Sitze im ReprÀsentantenhaus und der 35 zur Wahl stehenden Senatssitze ein. Im Mittelpunkt stehen die laufenden Ergebnisse und die Frage, welche Partei den Kongress kontrolliert.
Frankfurter Rundschau: âSenat-Ergebnisse bei Midterms 2026: Live-Grafik zeigt Verteilungâ (04.11.2026)
Der Artikel berichtet ĂŒber den erwarteten Wechsel der Senatsmehrheit zu den Demokraten. Anders als der Euronews-Beitrag legt er den Schwerpunkt auf den Senat und die daraus entstehende Machtverschiebung.
Beide BeitrÀge bestÀtigen den demokratischen Erfolg bei den Kongresswahlen; der eine stellt die Gesamtkonstellation dar, der andere die Senatsmehrheit. Offen bleibt, wie weit die neue Mehrheit ihre Vorhaben angesichts des PrÀsidentenamts und möglicher Vetos umsetzen kann.
