US-Demokraten gewinnen Mehrheit und ringen um Kurs fĂŒr 2028
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMehrheiten und Kandidaten der Demokraten
- Die Demokraten gewinnen bei den US-Parlamentswahlen gegen PrÀsident Donald Trump und die Republikaner.
- In Wisconsin setzt sich der moderatere David Crowley durch, in Michigan gewinnt der linke Abdul El-Sayed.
- Als mögliche PrÀsidentschaftsanwÀrter gelten unter anderem Jon Ossoff, Alexandria Ocasio-Cortez und Wes Moore.
Demokraten stehen vor Richtungsentscheidung
Die Demokraten feiern bei den US-Parlamentswahlen einen deutlichen Erfolg gegen die Republikaner von PrĂ€sident Donald Trump. Mit den neuen Mehrheiten in Senat und ReprĂ€sentantenhaus wĂ€chst zugleich der Druck, bis zur PrĂ€sidentschaftswahl 2028 eine gemeinsame Linie und eine ĂŒberzeugende FĂŒhrung zu finden.
Wie viel linke Politik soll es sein
Schon im Wahlkampf prÀgte die Frage die parteiinternen Vorwahlen, wie links demokratische Politik sein darf. In Wisconsin setzte sich der moderatere Kandidat David Crowley durch, wÀhrend in Michigan der Parteilinke Abdul El-Sayed gewann.
Die Parlamentswahlen hĂ€tten gezeigt, dass ein linkes Profil kein Hindernis fĂŒr Wahlerfolge sei, sagt Laura von Daniels von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Die Demokraten bilden ebenso wie die Republikaner ein breites BĂŒndnis mit unterschiedlichen Strömungen.
FlĂŒgelkampf und Generationenwechsel
Gouverneure wie Gretchen Whitmer und Andy Beshear stehen fĂŒr einen gemĂ€Ăigteren Kurs. Der linke FlĂŒgel um Alexandria Ocasio-Cortez und El-Sayed fordert dagegen umfassende Sozialreformen, eine allgemeine gesetzliche Krankenversicherung und stĂ€rkere Investitionen in den Klimaschutz.
Die Politologin Cathryn ClĂŒver Ashbrook warnt, FlĂŒgelkĂ€mpfe könnten mit Blick auf 2028 zum Problem werden. Die Democratic Socialists of America seien zwar weiterhin eine Minderheit, zugleich mĂŒsse die Partei einen Generationenwechsel bewĂ€ltigen.
Der USA-Experte Josef Braml beschreibt die DSA als âBereicherung und Belastungâ: Sie mobilisierten jĂŒngere WĂ€hler und stĂ€rkten soziale Themen, böten den Republikanern aber eine AngriffsflĂ€che. Auch das VerhĂ€ltnis zu Israel und die Haltung zu US-Waffenlieferungen dĂŒrften die Partei weiter beschĂ€ftigen.
Mögliche Namen fĂŒr 2028
Zu den gehandelten Kandidaten zÀhlt Jon Ossoff, der als eher moderater Senator aus Georgia wiederholt als HoffnungstrÀger der Demokraten genannt wurde. Ebenfalls im GesprÀch ist Alexandria Ocasio-Cortez, die eine Bewerbung um das PrÀsidentenamt zuletzt nicht ausgeschlossen hat.
Wes Moore, Gouverneur von Maryland, verbindet einen pragmatischen und sozial orientierten Kurs mit einem Fokus auf Unternehmen. Der neue Senator von Texas, James Talarico, mĂŒsse sich auf Bundesebene dagegen erst bewĂ€hren; El-Sayed könnte wegen seiner linken Positionierung Schwierigkeiten haben, landesweit UnterstĂŒtzung zu gewinnen.
Trump bleibt zentraler Faktor
FĂŒr die Ausgangslage der PrĂ€sidentschaftswahl dĂŒrfte auch Donald Trump entscheidend bleiben. Seine Zollpolitik und der Iran-Krieg trieben die Lebenshaltungskosten in die Höhe; die Unzufriedenheit mit seinem Regierungsstil trug dazu bei, dass Republikaner auch in Rennen mit schlechteren Ausgangschancen unterlagen.
Ob Trump in den kommenden zwei Jahren mit dem Kongress zusammenarbeitet oder an ihm vorbeiregiert, dĂŒrfte die politische Dynamik maĂgeblich bestimmen. Die Demokraten können ihre neuen Mehrheiten jedoch erst ab Anfang Januar nutzen.
Mehrheit mit begrenztem Spielraum
Die neue Legislaturperiode beginnt Anfang Januar. Die prekÀre Finanzlage der USA begrenzt den politischen Spielraum, zudem kann Trump Gesetzesvorhaben mit einem Veto blockieren.
Die Demokraten verfĂŒgen damit ĂŒber wichtige parlamentarische Hebel, können ihre Agenda aber nicht automatisch durchsetzen. Der Wahlerfolg verschĂ€rft deshalb zugleich die Erwartung an die Partei, aus ihrer Mehrheit ein tragfĂ€higes Programm fĂŒr 2028 zu entwickeln.
Der Wahlerfolg verschafft den Demokraten erstmals seit Beginn der neuen Legislaturperiode die Möglichkeit, die politische Agenda in beiden Kongresskammern zu prĂ€gen. Diese Mehrheit ersetzt jedoch keine eigene bundesweite ErzĂ€hlung. FĂŒr die PrĂ€sidentschaftswahl 2028 mĂŒssen die Demokraten zugleich WĂ€hler in urbanen Zentren, VorstĂ€dten und konservativeren Bundesstaaten ansprechen.
Die innerparteiliche Spannung verlĂ€uft dabei nicht nur zwischen âlinksâ und âmoderatâ. Es geht auch um Generationenwechsel, soziale Themen, die Haltung zu Israel und die Frage, wie stark die Partei Donald Trump persönlich zum Mittelpunkt ihrer Strategie machen will. Ein linkeres Profil kann jĂŒngere WĂ€hler mobilisieren, bietet Republikanern aber zugleich AngriffsflĂ€chen. Moderatere Kandidaten könnten in umkĂ€mpften Regionen anschlussfĂ€higer sein, riskieren jedoch, Teile der progressiven Basis zu enttĂ€uschen.
Mehrheit mit begrenzter Durchsetzungskraft
Die neue Kongressmehrheit beginnt ihre Arbeit erst mit der neuen Legislaturperiode Anfang Januar. Finanzielle Belastungen und ein mögliches Veto des PrĂ€sidenten begrenzen den Spielraum fĂŒr groĂe Gesetzesvorhaben. Praktisch dĂŒrfte die Kontrolle des Kongresses deshalb zunĂ€chst vor allem fĂŒr Untersuchungen, Haushaltsverhandlungen und die öffentliche Auseinandersetzung mit der Regierung relevant sein.
FĂŒr die WĂ€hler bedeutet der Erfolg nicht automatisch sinkende Preise oder schnelle Reformen. Entscheidend wird sein, ob die Demokraten aus der Proteststimmung gegen Trumps Regierungsstil ein dauerhaftes Programm formen und bis 2028 eine ĂŒberzeugende FĂŒhrungsfigur prĂ€sentieren.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âDie Ergebnisse der Midterms in den USA in Zahlen und Faktenâ (04.11.2026)
Der Beitrag habe den Zugewinn der Demokraten und ihre Mehrheit im ReprÀsentantenhaus anhand konkreter Wahlergebnisse eingeordnet. Der Schwerpunkt liege auf Zahlen und regionalen Erfolgen, wÀhrend die dpa-Meldung stÀrker die innerparteiliche Richtungsentscheidung bis 2028 betone.
Deutschlandfunk: âMidterms - US-Demokraten erzielen Mehrheit in beiden Parlamentskammernâ (04.11.2026)
Der Bericht habe die Mehrheiten in Senat und ReprÀsentantenhaus sowie die Sitzverteilung hervorgehoben. Damit bestÀtige er den Wahlerfolg, setze den Akzent aber auf die institutionelle Machtverschiebung statt auf die Kandidatenfrage der Demokraten.
Ăbereinstimmung bestehe beim klaren Erfolg der Demokraten; Unterschiede ergĂ€ben sich vor allem beim Blick auf Zahlen, Kongresskontrolle und die strategische Zukunft der Partei.
