US-Kongresswahl: Demokraten führen bei 60 Sitzen
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 04:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWahlkampf als Wirtschaftsvotum
- Die Demokraten führten nach ersten Trends bei rund 60 republikanischen Sitzen im Repräsentantenhaus.
- Roy Cooper gewann in North Carolina den ersten Senatssitz für die Demokraten.
- Bei der Wahl standen 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 Senatssitze zur Entscheidung.
US-Kongresswahl wird zur Abstimmung über Trump
Für Donald Trumps Republikaner zeichnet sich bei der US-Parlamentswahl eine schwere Niederlage ab. Die Demokraten haben nach ersten Trends gute Chancen, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückzugewinnen und im Senat die republikanische Kontrolle anzugreifen.
Demokraten führen in vielen Bezirken
Während die Auszählung noch lief, lagen demokratische Kandidaten nach CNN-Berechnungen bei rund 60 Sitzen vorn, die derzeit von Republikanern gehalten werden. Republikanische Bewerber führten dagegen nur bei vier Sitzen der Demokraten. Für die Mehrheit im Repräsentantenhaus sind 218 Mandate nötig; die Demokraten halten derzeit 214.
Senat bleibt umkämpft
Im Senat verfügen die Republikaner derzeit über 53 Sitze. Die Demokraten müssten netto vier Mandate gewinnen, um die Kammer zu kontrollieren. In North Carolina gelang dem früheren demokratischen Gouverneur Roy Cooper der erste Wechsel, zudem führten Demokraten bei sechs weiteren republikanischen Senatssitzen.
In Georgia verteidigte der Demokrat Jon Ossoff seinen Sitz nach den ersten Ergebnissen deutlich. Insgesamt wurden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Senatssitze neu bestimmt.
Preise belasten Trumps Partei
Die Wähler gingen mit großer Unzufriedenheit über die Wirtschaftslage zur Abstimmung. In einer Befragung machten 62 Prozent Trumps Politik für steigende Preise verantwortlich; 39 Prozent nannten die Wirtschaft als wichtigstes Thema. 37 Prozent waren mit der Lage unzufrieden, 38 Prozent äußerten sogar Wut.
Besonders stark stiegen die Spritpreise nach Angaben der Befragung infolge des von Trump begonnenen Iran-Kriegs, regional teilweise um mehr als 70 Prozent. Fast zwei Drittel der Befragten sagten, Trumps Importzölle hätten der Wirtschaft geschadet. 43 Prozent trauten den Demokraten eher zu, die Wirtschaft anzukurbeln, gegenüber 38 Prozent für die Republikaner.
Auszählung kann Tage dauern
Rund 100.000 Wähler wurden für die Erhebung befragt. Einbezogen wurden auch Früh- und Briefwähler, die seit dem 19. Oktober online oder telefonisch befragt worden waren. Fast 61 Millionen Menschen hatten laut Election Lab der University of Florida vor dem Wahltag abgestimmt; bei den Midterms 2022 waren es knapp 46 Millionen.
Die endgültigen Mehrheiten könnten auf sich warten lassen. In Bundesstaaten wie Kalifornien kann die Auszählung mehrere Tage dauern, zudem sind Stichwahlen möglich.
Kontrolle über Trumps Regierung
Eine demokratische Mehrheit im Kongress würde den politischen Druck auf das Weiße Haus erhöhen. Die Mehrheitspartei bestimmt die Ausschussvorsitzenden und kann Untersuchungen einleiten sowie Regierungsbeamte unter Eid vorladen.
Das Repräsentantenhaus kann außerdem ein Amtsenthebungsverfahren einleiten. Für eine tatsächliche Amtsenthebung wäre im Senat jedoch eine Zweidrittelmehrheit nötig. Trump sagte am Wahltag dem Sender Fox News, die Ergebnisse würden besser ausfallen, als manche dächten, und verfolgte die Auszählung im Weißen Haus.
Die Zwischenwahlen entscheiden nicht über das Präsidentenamt, können aber Trumps politischen Handlungsspielraum erheblich verändern. Nach der dpa-Meldung steht dabei besonders die wirtschaftliche Lage im Mittelpunkt: Hohe Preise, teurer Treibstoff und die Folgen des Iran-Kriegs prägen die Stimmung vieler Wähler. Dass fast zwei Drittel der Befragten Trumps Importzölle als Belastung für die Wirtschaft bewerten, macht die Wahl zu einer Abstimmung über zentrale Elemente seiner Politik.
Mehrheiten als politischer Hebel
Eine demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus würde der Opposition die Kontrolle über wichtige Ausschüsse geben. Damit könnten Untersuchungen intensiviert, Regierungsvertreter vorgeladen und Gesetzesvorhaben der Regierung blockiert oder verzögert werden. Ein Impeachment wäre zwar verfassungsrechtlich möglich, eine tatsächliche Amtsenthebung bliebe wegen der nötigen Zweidrittelmehrheit im Senat eine hohe Hürde.
Der Senat ist für die Machtverteilung besonders entscheidend, weil dort unter anderem wichtige Personalentscheidungen bestätigt werden. Die Demokraten benötigen laut dpa netto vier zusätzliche Sitze. Der Erfolg von Roy Cooper in North Carolina und die demokratischen Führungen in mehreren weiteren Senatsrennen zeigen, dass ein Wechsel möglich ist, die endgültige Kontrolle aber erst nach Abschluss der Auszählung feststeht.
Auszählung und politische Folgen
Die große Zahl an Brief- und Frühwählern sowie unterschiedliche Regeln in den Bundesstaaten können die Feststellung der Mehrheiten verzögern. Für die Bürger ist deshalb zunächst vor allem relevant, ob die neue Kongressmehrheit Entscheidungen zu Preisen, Zöllen, Energie und Außenpolitik kontrollieren kann. Trumps Umgang mit einem möglichen Machtverlust dürfte zugleich die politische Auseinandersetzung über die Anerkennung von Wahlergebnissen erneut verschärfen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Ergebnisse der US-Midterms 2026: Live-Updates in Karten und Grafiken“ (03.11.2026)
Der Beitrag habe die laufende Abstimmung und die Auszählung der 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie 35 Senatssitze begleitet. Sein Schwerpunkt liege auf Echtzeitdaten und Karten, während die dpa-Meldung zusätzlich die wirtschaftlichen Motive der Wähler und die möglichen politischen Folgen herausstelle.
Frankfurter Rundschau: „Republikanern droht enormer Machtverlust: Die Midterms-Ergebnisse in Live-Grafiken“ (04.11.2026)
Der Artikel habe den möglichen Verlust der republikanischen Mehrheiten und die unterschiedlichen Ausgangslagen in beiden Kongresskammern betont. Übereinstimmend werde die Kontrolle des Senats als engeres Rennen beschrieben; offen bleibe, wann die endgültigen Mehrheiten feststünden.
Beide Beiträge hätten den Machtkampf um den Kongress und die laufende Auszählung in den Mittelpunkt gestellt. Die dpa-Meldung ergänze dazu konkrete Wählerdaten, die Rolle der Preisentwicklung und mögliche Kontrollinstrumente einer demokratischen Mehrheit.
