US-Midterms: Demokraten gewinnen Mehrheit in beiden Kammern
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 06:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNeue Kräfteverhältnisse im US-Kongress
- Die Demokraten gewinnen laut Hochrechnungen Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat.
- In Texas gewinnt James Talarico erstmals seit fast 40 Jahren einen demokratischen Senatssitz.
- 75 Prozent der Befragten bewerten den Zustand der US-Wirtschaft als schlecht.
Demokraten übernehmen Kongressmehrheiten
Die Demokraten gewinnen laut Hochrechnungen die Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat der USA. Für Präsident Donald Trump ist der Ausgang der Midterms eine schwere Niederlage, nachdem er die Wahl ausdrücklich zu einer Abstimmung über seine eigene Politik gemacht hatte.
Trump weist Verantwortung zurück
Trump hatte seine Anhänger aufgefordert, so zu wählen, als stünde er selbst auf dem Stimmzettel. Nach den ersten Erfolgen der Demokraten erklärte er jedoch auf Truth Social: „Ich stand nicht auf dem Stimmzettel. Und wenn ich darauf gestanden hätte, hätten wir ERDRUTSCHARTIG gewonnen!“
Als die Republikaner auch den Gouverneursposten in Texas verlieren, äußert sich Trump abwertend über den unterlegenen Greg Abbott. Damit steht für die Partei die Frage im Raum, ob sie an der dominierenden Trump-Bewegung Maga festhält oder einen Richtungswechsel einleitet.
Demokraten gewinnen in Republikaner-Staaten
In Texas gewinnt der Demokrat James Talarico gegen den von Trump unterstützten Republikaner Ken Paxton einen Senatssitz. Erstmals seit fast 40 Jahren stellen die Demokraten damit wieder einen Senator aus dem traditionell konservativen Bundesstaat.
Auch South Carolina verliert einen demokratisch besetzten Senatssitz an die Demokraten. Besonders symbolträchtig ist der Erfolg in Ohio: Der frühere Senatssitz von Vizepräsident JD Vance geht an die Demokraten.
Mehr Kontrolle über Trumps Regierung
Mit der Mehrheit im Repräsentantenhaus können die Demokraten Gesetzesvorhaben der Regierung blockieren und ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten anstoßen. Im Senat können sie Personalvorschläge für wichtige Spitzenpositionen verhindern.
Trump kann weiterhin Dekrete erlassen und verfügt als Präsident über weitreichende Befugnisse. In seiner zweiten Amtszeit waren es bislang vor allem Gerichte, die Maßnahmen stoppten. Sein Vorgehen im Iran-Krieg ohne Zustimmung des Parlaments ist umstritten.
Wirtschaft belastet Republikaner
Eine Wählerbefragung zeigt, dass wirtschaftliche Sorgen den Ausgang mitprägten. 75 Prozent der Befragten bezeichneten den Zustand der US-Wirtschaft als schlecht, 38 Prozent erklärten, sie seien darüber wütend.
65 Prozent waren der Ansicht, Trumps Politik habe die wirtschaftliche Lage verschlechtert. Für etwa die Hälfte der Wähler spielten die Lebenshaltungskosten eine große Rolle bei der Wahlentscheidung.
Demokraten gewinnen an Sichtbarkeit
Die Demokraten haben sich nach der Niederlage von Kamala Harris bei der Präsidentschaftswahl 2024 zurückgekämpft. Der Erfolg im Kongress verbessert ihre Ausgangslage für den absehbaren Präsidentschaftswahlkampf.
Trump erklärte der New York Times, er werde die Wahlergebnisse akzeptieren, sofern sie ehrlich seien, und stellte eine Zusammenarbeit mit den Demokraten in Aussicht. Zugleich zeigen die Ergebnisse, dass seine politische Marke den Republikanern bei dieser Wahl keine Mehrheiten sichern konnte.
Die Midterm-Wahlen markieren für Donald Trump einen erheblichen politischen Rückschlag, weil die Demokraten nun beide Kammern des Kongresses kontrollieren. Damit verlieren die Republikaner die Möglichkeit, die Gesetzgebung und zentrale Personalentscheidungen ohne demokratische Zustimmung zu steuern.
Im Repräsentantenhaus können die Demokraten Vorhaben der Regierung blockieren, Untersuchungen anstoßen und politische Kontrollen verschärfen. Im Senat betrifft die neue Lage insbesondere die Bestätigung von Spitzenpersonal, darunter Richter und Mitglieder wichtiger Behörden. Der Präsident behält zwar weitreichende Befugnisse durch Dekrete, doch deren Umsetzung kann durch Gerichte, Haushaltsentscheidungen und parlamentarische Kontrolle erschwert werden.
Folgen für Trumps Partei
Besonders schwer wiegt, dass demokratische Kandidaten auch in traditionell republikanischen Bundesstaaten wie Texas und South Carolina Erfolge erzielen. Das deutet auf eine breitere Unzufriedenheit hin, die über einzelne umkämpfte Wahlkreise hinausreicht. Wirtschaftliche Sorgen, hohe Lebenshaltungskosten und die Bewertung von Trumps Amtsführung prägten die Wahlentscheidung.
Für die Republikaner stellt sich damit die strategische Frage, ob die enge Bindung an Trump weiterhin Stimmen mobilisiert oder künftig zusätzliche Wählergruppen abschreckt. Der Machtwechsel im Kongress verschafft den Demokraten zudem frühzeitig bessere Voraussetzungen für die Vorbereitung des nächsten Präsidentschaftswahlkampfs.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
taz: „Midterms in den USA: Pizza für die blaue Welle“ (04.11.2026)
Der Livebericht habe den Verlust der republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus beschrieben und demokratische Zugewinne im Senat verfolgt. Anders als die dpa-Auswertung habe er den Wahlabend mit Zwischenständen und regionalen Entwicklungen begleitet; offen geblieben seien zunächst einzelne endgültige Mehrheitsverhältnisse.
n-tv: „US-Midterms 2026 im Liveticker: +++ 06:10 Erstmals Indigene in den Senat gewählt +++“ (04.11.2026)
Der Liveticker habe neben der demokratischen Mehrheit im Repräsentantenhaus weitere Erfolge wie Texas, Ohio und South Carolina aufgeführt. Einen anderen Schwerpunkt habe der Bericht auf mögliche personelle Folgen im Kongress und Trumps angekündigte Bereitschaft zur Zusammenarbeit gelegt.
Beide Beiträge bestätigten den starken demokratischen Wahlabend, setzten aber unterschiedliche Akzente: Die taz habe den Verlauf und regionale Dynamik begleitet, während n-tv stärker einzelne Siege und institutionelle Folgen herausgestellt habe.
