US-Midterms: Demokraten können Trumps Kongressmehrheit brechen
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 09:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen für Kongress und Regierung
- Die Demokraten könnten im Repräsentantenhaus Untersuchungen gegen Trump und Mitglieder seiner Regierung einleiten.
- Für eine Senatsmehrheit bräuchten die Demokraten bei diesen Wahlen unter dem Strich vier zusätzliche Sitze.
- Ein Impeachment würde im Senat eine Zweidrittelmehrheit von 67 Stimmen zur Verurteilung erfordern.
US-Midterms stellen Trumps Kongressmehrheit auf die Probe
Donald Trump wirbt in zahlreichen Bundesstaaten persönlich für die Republikaner, obwohl sein Name bei den Kongresswahlen am kommenden Dienstag nicht auf dem Stimmzettel steht. Sollten die Demokraten das Repräsentantenhaus oder den Senat gewinnen, würde sich der politische Handlungsspielraum des US-Präsidenten deutlich verändern.
Demokraten könnten Untersuchungen ausweiten
Im Repräsentantenhaus könnten die Demokraten weitreichende Untersuchungen gegen Trump einleiten. Im Blick stehen unter anderem der Iran-Krieg, das teils tödliche Vorgehen von US-Beamten bei Razzien gegen Migranten sowie die geschäftlichen Aktivitäten der Trump-Familie.
Eine Mehrheit der Demokraten könnte außerdem republikanische Gesetzesvorhaben blockieren. Da Haushaltsgesetze in beiden Kammern beschlossen werden müssen, wären neue Auseinandersetzungen über die Finanzierung der Regierung und mögliche Stillstände der Staatsgeschäfte denkbar.
Senat entscheidet über wichtige Personalien
Der Senat ist für die Bestätigung von Ministern, Bundesrichterinnen und Bundesrichtern sowie Botschaftern zuständig. Gewännen die Demokraten diese Kammer, müsste Trump bei solchen Personalentscheidungen mit ihnen zusammenarbeiten.
Für eine Mehrheit bräuchten die Demokraten bei den Senatswahlen unter dem Strich vier zusätzliche Sitze. Das gilt als schwierig, doch aktuelle Umfragen lassen auch die Republikaner nicht unbesorgt in die Abstimmung gehen.
Doppelniederlage hätte politische Signalwirkung
Übernähmen die Demokraten beide Kammern, wäre dies nach Angaben der dpa der erste Kontrollwechsel in beiden Häusern seit 20 Jahren. Für Trump wäre das Ergebnis kaum als Erfolg darzustellen und könnte die Loyalität republikanischer Abgeordneter auf die Probe stellen.
Die Demokraten könnten im Repräsentantenhaus außerdem ein weiteres Amtsenthebungsverfahren gegen Trump einleiten. In seiner ersten Amtszeit wurden bereits zwei Impeachment-Verfahren gegen ihn angestrengt; der Senat sprach ihn in beiden Fällen frei.
Hohe Hürde für eine Verurteilung
Für eine Verurteilung im Senat wären mindestens 67 der 100 Senatorinnen und Senatoren erforderlich. Selbst bei einer knappen demokratischen Mehrheit wären die Demokraten daher auf republikanische Stimmen angewiesen.
Ein Verfahren könnte dennoch politischen Schaden verursachen. Zugleich birgt es für die Demokraten Risiken, weil es das Trump-Lager bei einem Eindruck parteipolitischer Motive zusätzlich mobilisieren könnte.
Neben dem Präsidenten könnten auch Mitglieder seines Kabinetts ins Visier eines Amtsenthebungsverfahrens geraten. Als besonders exponiert gilt Verteidigungsminister Pete Hegseth, unter anderem wegen des Iran-Kriegs.
Die US-Kongresswahlen am 3. November 2026 sind ein zentraler Stimmungstest für die zweite Amtszeit Donald Trumps. Bei den Midterms wird nicht über das Präsidentenamt abgestimmt, aber die Mehrheiten im Kongress entscheiden maßgeblich darüber, wie weit die Regierung ihre Vorhaben umsetzen kann.
Das Repräsentantenhaus spielt dabei eine besondere Rolle. Eine demokratische Mehrheit könnte Gesetzesvorhaben der Republikaner blockieren und parlamentarische Untersuchungen zu Themen wie Trumps Außenpolitik, dem Vorgehen gegen Migranten oder den Geschäften seiner Familie vorantreiben. Auch bei der Finanzierung der Regierung könnten sich neue Konflikte ergeben.
Mehrheit im Senat als entscheidender Hebel
Ein Machtwechsel im Senat hätte zusätzliche Folgen für die Besetzung wichtiger Ämter. Minister, Bundesrichter und Botschafter benötigen die Zustimmung der Kammer. Nach den jüngsten Prognosen stehen die Republikaner dort ebenfalls unter Druck, während der Ausgang einzelner Rennen offen bleibt.
Ein Impeachment könnte das politische Klima weiter verschärfen, würde Trump aber nicht automatisch aus dem Amt entfernen. Für eine Verurteilung wären 67 Stimmen im 100-köpfigen Senat nötig. Selbst bei einer demokratischen Mehrheit müssten daher zahlreiche Republikaner zustimmen.
Wahl entscheidet über Trumps Spielraum
Für die kommenden zwei Jahre wäre deshalb vor allem der politische Handlungsspielraum des Präsidenten betroffen. Eine Niederlage in einer Kammer würde Verhandlungen erzwingen; ein Verlust beider Kammern könnte zudem die Geschlossenheit der Republikaner und ihre Loyalität zu Trump auf die Probe stellen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Frankfurter Rundschau: „Erste Trend-Prognosen: Alle aktuellen Umfragen zur Senatswahl der Midterms 2026“ (29.10.2026)
Der Beitrag ordne die Umfragen vor allem mit Blick auf den Senat ein. Er komme zu dem Ergebnis, dass die Demokraten dort in mehreren umkämpften Staaten vorn lägen, der Ausgang aber von einzelnen offenen Rennen abhänge.
ntv: „Verliert Trump seine Mehrheit im Kongress? - Das sagen die Prognosen“ (28.10.2026)
Der Artikel stelle den möglichen Machtwechsel in beiden Kammern anhand von Prognosen und umkämpften Wahlkreisen dar. Anders als der erste Beitrag lege er einen breiteren Schwerpunkt auf das Repräsentantenhaus und die Folgen für Untersuchungen, Gesetzgebung und Trumps Personalentscheidungen.
Beide Beiträge erwarteten einen schwierigen Wahlabend für die Republikaner. Offen bleibe insbesondere, ob die Demokraten neben dem Repräsentantenhaus auch den Senat übernehmen könnten und wie deutlich die Mehrheitsverhältnisse ausfielen.
