US-Midterms: Demokraten nehmen Trump beide Kongresskammern ab
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 09:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMehrheiten wechseln zum Jahresbeginn
- Die Demokraten lagen bei den Senatssitzen bereits bei 54 Mandaten und konnten auf weitere Zugewinne hoffen.
- Über alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie 35 Senatssitze wurde bei den Midterms entschieden.
- Hakeem Jeffries war auf Kurs, erster schwarzer Sprecher des Repräsentantenhauses zu werden.
Demokraten übernehmen Kongressmehrheit
Die US-Wähler haben Donald Trumps Republikanern bei der Kongresswahl eine schwere Niederlage zugefügt und den Demokraten die Kontrolle über Repräsentantenhaus und Senat übertragen. Damit steht Trump in den letzten zwei Jahren seiner Amtszeit vor deutlich härteren politischen Bedingungen.
Senat kippt zugunsten der Demokraten
Bei der Wahl am 3. November wurde über alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Senatssitze entschieden. Die Republikaner waren mit 53 Senatssitzen gestartet, während die Demokraten laut Hochrechnungen bereits 54 Sitze erreichten und auf weitere Zugewinne hoffen konnten.
In Kansas gewann Adam Hamilton den ersten demokratischen Senatssitz seit 1932. James Talarico holte in Texas den ersten demokratischen Sitz seit fast 40 Jahren, Sherrod Brown gewann in Ohio den Sitz, den bis vor zwei Jahren Vizepräsident JD Vance gehalten hatte, und Abdul El-Sayed wurde in Michigan zum ersten Muslim im Senat gewählt.
Hohe Ausgaben ohne Erfolg
Talarico setzte sich gegen den Republikaner Ken Paxton durch. Elon Musk hatte Paxtons Wahlkampf mit mehr als 150 Millionen Dollar unterstützt und insgesamt mehr als 440 Millionen Dollar für die Republikaner aufgebracht. Auf die Niederlage reagierte Musk mit einem Scherz über seine angeblich wirkungslosen „Weltraum-Laser zur Wahlbeeinflussung“.
Jeffries vor historischem Schritt
Im Repräsentantenhaus zeichnete sich ein klarer Vorsprung der Demokraten ab. Ihr Fraktionsführer Hakeem Jeffries war damit auf Kurs, erster schwarzer Sprecher des Repräsentantenhauses zu werden.
Die Demokraten können ab Januar die Gesetzgebung maßgeblich bestimmen. Im Senat müssen sie zudem über wichtige Regierungsposten und Richter entscheiden, während beide Kammern Untersuchungen gegen Trump und seine Regierung einleiten können.
Trump kündigt häufige Vetos an
Trump kündigte an, das Wahlergebnis zu akzeptieren, und gratulierte den siegreichen Demokraten. Zugleich sagte er im Sender Fox News, er werde sein Vetorecht großzügig einsetzen. Ein Veto kann nur mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit in beiden Kammern überstimmt werden; außerdem kann Trump weiterhin per Dekret regieren.
Wirtschaft belastet Republikaner
Die Wahl wurde zu einem Referendum über Trumps Politik. In einer Befragung machten 62 Prozent der Wähler seine Politik für steigende Preise verantwortlich, 39 Prozent nannten die Wirtschaftslage ihr wichtigstes Thema.
Fast zwei Drittel der Befragten erklärten, Trumps Importzölle hätten der Wirtschaft geschadet. 43 Prozent trauten den Demokraten eher zu, die Wirtschaft anzukurbeln, gegenüber 38 Prozent für die Republikaner. Nach Angaben von CNN wurden rund 100.000 Wähler befragt.
Die Midterm-Wahlen markieren einen tiefen Einschnitt in Trumps zweiter Amtszeit. Mit dem Verlust beider Kongresskammern verlieren die Republikaner den direkten Zugriff auf die Gesetzgebung, während die Demokraten die Ausschüsse kontrollieren und Untersuchungen gegen die Regierung vorantreiben können.
Für den Präsidenten bedeutet das keine vollständige politische Handlungsunfähigkeit. Trump kann weiterhin sein Vetorecht nutzen und per Dekret regieren. Ein Veto lässt sich allerdings nur mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit in beiden Kammern überstimmen. Auch ein Impeachment könnte das Repräsentantenhaus einleiten, für eine tatsächliche Amtsenthebung wäre im Senat jedoch ebenfalls eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig.
Parlamentarische Kontrolle nimmt zu
Die Demokraten dürften vor allem Trumps Regierung, geschäftliche Aktivitäten seiner Familie, die Migrationspolitik und umstrittene Bauprojekte untersuchen. Die neue Mehrheit kann Regierungsvertreter vor Ausschüsse laden und Dokumente anfordern. Das erhöht den politischen Druck und kann die letzten zwei Jahre der Amtszeit prägen.
Die Wahl deutet zugleich auf eine breite Unzufriedenheit mit Preisen, Wirtschaftslage und Importzöllen hin. Besonders relevant ist, dass Demokraten auch in traditionell republikanischen Staaten wie Kansas und Texas gewannen. Das verschiebt die politische Ausgangslage für die Debatte über die Präsidentschaftswahl 2028, ohne deren Ausgang vorwegzunehmen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: „US-Midterms 2026: Das sind die Zwischenergebnisse der Kongresswahl“ (04.11.2026)
Der Artikel ordne den Verlust beider Kongresskammern als schwere Niederlage für Trump ein und betone, dass die endgültige Auszählung noch Wochen dauern könne. Anders als die dpa-Meldung lege er einen Schwerpunkt auf den Ablauf der Auszählung und die spätere offizielle Bestätigung.
Euronews: „US-Midterms 2026: Demokraten erobern Repräsentantenhaus und Senat“ (04.11.2026)
Der Beitrag berichte ebenfalls vom Machtwechsel in beiden Kammern und hebe zusätzliche Erfolge der Demokraten bei Gouverneurswahlen hervor. Einen anderen Schwerpunkt setze er auf einzelne Senatsrennen und historische Wahlergebnisse in Bundesstaaten; offen blieben auch dort noch endgültige Resultate.
Beide Beiträge stimmten im Kern mit der dpa-Meldung überein: Die Demokraten übernähmen den Kongress und Trumps politischer Spielraum werde kleiner. Unterschiede ergäben sich vor allem bei regionalen Wahlerfolgen und der Frage, wann alle Ergebnisse offiziell feststünden.
