Druck von Trump auf Thailand und Kambodscha â neue KĂ€mpfe
27.07.2025 - 12:58:46Trotz der eindringlichen Forderung von US-PrĂ€sident Donald Trump nach einer Waffenruhe zwischen Thailand und Kambodscha dauern die KĂ€mpfe an der Grenze der Nachbarstaaten an. Beide Seiten warfen sich am Morgen gegenseitig vor, die neuerlichen Gefechte ausgelöst zu haben. Derweil nimmt die Zahl der Vertriebenen in der umstrittenen Region weiter zu.Â
Am Montag sei in Malaysia ein Treffen zwischen den Regierungschefs der beiden LĂ€nder geplant, berichteten malaysische Staatsmedien unter Berufung auf den dortigen AuĂenminister Mohamad Hasan. Der Sprecher des thailĂ€ndischen AuĂenministeriums, Nikorndej Balankura, bestĂ€tigte am Nachmittag bei einer Pressekonferenz die Berichte, ohne Details zu nennen. Malaysia hat in diesem Jahr den Vorsitz ĂŒber die sĂŒdostasiatische Staatengemeinschaft Asean und hatte sich bereits in den vergangenen Tagen als Vermittler in dem Konflikt angeboten.
Neue KĂ€mpfe in der Grenzregion
Nach Angaben des thailĂ€ndischen MilitĂ€rs soll Kambodscha zuvor in den frĂŒhen Morgenstunden erneut das Feuer eröffnet und bei dem Beschuss auch WohnhĂ€user getroffen haben. Der thailĂ€ndischen Zeitung «Khaosod» zufolge ereignete sich der Angriff in der nordöstlichen Provinz Surin. Die internationale Gemeinschaft mĂŒsse die «unmenschlichen und verwerflichen Taten» verurteilen, teilte das AuĂenministerium in Bangkok mit. Als Reaktion soll Thailand wieder Luftangriffe auf kambodschanische MilitĂ€rstellungen geflogen haben.Â
Kambodschas Regierung betonte hingegen, Thailand habe zuerst attackiert. «In allen Kampfgebieten (...) haben thailĂ€ndische StreitkrĂ€fte Artillerie, Drohnen und Flugzeuge eingesetzt, um Granaten, Bomben und Streumunition auf kambodschanisches Gebiet abzufeuern», sagte Mali Socheata, Sprecherin des kambodschanischen Verteidigungsministeriums. Dabei sei auch erheblicher Schaden an StraĂen und anderer Infrastruktur verursacht worden. Zudem habe Thailand zwei bekannte Hindu-Tempel ins Visier genommen.
Gegenseitige Schuldzuweisungen
Seit Beginn der ZusammenstöĂe am Donnerstag beschuldigen sich die sĂŒdostasiatischen Nachbarn gegenseitig, die Eskalation ausgelöst zu haben. Der Grenzkonflikt schwelt schon seit der Kolonialzeit, auch in der Vergangenheit gab es mehrmals blutige KĂ€mpfe mit Toten, so zuletzt 2011. Was genau zu der derzeitigen Zuspitzung gefĂŒhrt hat, bleibt aber unklar.
Trump hatte am Samstag nach den Telefonaten mit beiden Regierungschefs auf der Plattform Truth Social geschrieben: «Sie haben zugestimmt, sich unverzĂŒglich zu treffen und schnell eine Waffenruhe und letztendlich FRIEDEN auszuarbeiten!» Er fĂŒgte hinzu: «ZufĂ€lligerweise verhandeln wir gerade mit beiden LĂ€ndern ĂŒber unsere Handelsbeziehungen, aber wir wollen mit keinem der beiden LĂ€nder einen Deal schlieĂen, wenn sie kĂ€mpfen â und das habe ich ihnen auch gesagt!» Trump hatte zuvor angekĂŒndigt, die beiden LĂ€nder Anfang August mit Zöllen in Höhe von 36 Prozent belegen zu wollen.
Wie reagieren die LĂ€nder auf Trumps Forderung?
Der kambodschanische MinisterprĂ€sident Hun Manet hatte nach dem Telefonat in einer Mitteilung erklĂ€rt, sein Land stimme Trumps Vorschlag einer sofortigen und bedingungslosen Waffenruhe zwischen den beiden StreitkrĂ€ften zu. Er dankte dem US-PrĂ€sidenten fĂŒr dessen Initiative und die Vermittlung in dem Konflikt.Â
Auch Thailands ĂbergangsministerprĂ€sident Phumtham Wechayachai betonte, seine Regierung sei «grundsĂ€tzlich mit einer Waffenruhe einverstanden». Jedoch mĂŒsse die kambodschanische Seite zunĂ€chst ernsthafte Friedensabsichten zeigen.
In einem Kommentar der thailĂ€ndischen Zeitung «Khaosod» hieĂ es, beide LĂ€nder wĂŒrden die Lage nun möglicherweise schnell eskalieren lassen und versuchen, so viel Territorium wie möglich einzunehmen, «bevor sie wegen Trump an den Verhandlungstisch eilen mĂŒssen». Dies sei möglicherweise ihre letzte Chance dazu, bevor sie wegen der Trump-Zölle einer Waffenruhe zustimmen mĂŒssten.
UN könnten ebenfalls vermitteln
UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres betonte, er stehe ebenfalls als Mediator bereit. «Ich fordere beide Seiten dringend auf, sich umgehend auf eine Waffenruhe zu einigen und alle Probleme im Dialog zu lösen», schrieb er auf X und fĂŒgte hinzu: «Ich stehe weiterhin zur VerfĂŒgung, um die BemĂŒhungen um eine friedliche Lösung des Konflikts zu unterstĂŒtzen.»
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International zeigte sich entsetzt darĂŒber, dass bei den KĂ€mpfen vor allem zivile Infrastruktur, darunter auch Gesundheitseinrichtungen, getroffen worden seien. «Zivilisten wurden getötet und Hunderttausende Menschen wurden vertrieben», hieĂ es in einer Mitteilung. Amnesty forderte ebenfalls eine sofortige Feuerpause zum Schutz der Zivilbevölkerung. Auf beiden Seiten wurden bisher jeweils mehr als ein Dutzend Tote und viele Verletzte gemeldet.
Zahl der Vertriebenen steigt
In Thailand sind Regierungsangaben zufolge mehr als 130.000 Menschen auf der Flucht. Am Sonntag wurden laut der Behörden weitere Distrikte in der Provinz Buriram evakuiert, weil die Menschen dort nicht mehr sicher seien.
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Phnom Penh ist die Zahl der Vertriebenen in Kambodscha mittlerweile auf 80.000 gestiegen. Hunderte Schulen im Grenzgebiet sind geschlossen.Â
Zehntausende kambodschanische Arbeitsmigranten, die in Thailand leben, wollen derweil so schnell wie möglich zurĂŒck in die Heimat. Der GrenzĂŒbergang in Ban Laem in der Provinz Chanthaburi, an dem sie ausgeharrt hatten, sei am Morgen geöffnet worden, berichtete der Sender Thai PBS. Auf Bildern war zu sehen, wie zahlreiche Menschen mit ihren Habseligkeiten bepackt die Grenze ĂŒberquerten. Kambodschas Regierung zufolge lebten und arbeiteten 2024 mehr als 1,2 Millionen Kambodschaner in dem Nachbarland.
Friedensappell aus dem Vatikan
Papst Leo XIV. gedachte beim traditionellen Angelus-Gebet der Menschen, die unter den Konflikten und der Gewalt in der Welt leiden. «Insbesondere bete ich fĂŒr die Menschen, die von den ZusammenstöĂen an der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha betroffen sind, vor allem fĂŒr die Kinder und die vertriebenen Familien», sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche auf dem Petersplatz. «Möge der FriedensfĂŒrst alle inspirieren, den Dialog und die Versöhnung zu suchen.»







