Nahost, Israel

Netanjahu bittet Israels PrÀsidenten um Begnadigung

30.11.2025 - 11:51:14

US-PrĂ€sident Trump hat eine Begnadigung des wegen Korruption angeklagten Regierungschefs Netanjahu gefordert. Nun schreibt Netanjahu selbst ein Gnadengesuch. Israels Opposition ĂŒbt scharfe Kritik.

  • US-PrĂ€sident Donald Trump (r-l), der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu und Israels PrĂ€sident Izchak Herzog. (Archivbild) - Foto: Evan Vucci/AP/dpa

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  • US-PrĂ€sident Donald Trump spricht bei seinem Besuch in Israels Parlament mit dem MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu. (Archivbild) - Foto: Evelyn Hockstein/Pool Reuters/AP/dpa

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US-PrÀsident Donald Trump (r-l), der israelische MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu und Israels PrÀsident Izchak Herzog. (Archivbild) - Foto: Evan Vucci/AP/dpaUS-PrÀsident Donald Trump spricht bei seinem Besuch in Israels Parlament mit dem MinisterprÀsidenten Benjamin Netanjahu. (Archivbild) - Foto: Evelyn Hockstein/Pool Reuters/AP/dpa

Der wegen Korruption angeklagte israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hat den StaatsprĂ€sidenten seines Landes offiziell um Begnadigung gebeten. Das BĂŒro des PrĂ€sidenten Izchak Herzog teilte mit, dieser habe ein formelles Gnadengesuch von Netanjahu erhalten. Es handele sich dabei um einen Brief Netanjahus und einen Brief seines Anwalts. 

In dem Brief Netanjahus hieß es, der Prozess gegen ihn sei zu einem «Brennpunkt heftiger Auseinandersetzungen» in Israel geworden. Er habe keinen Zweifel daran, «dass ein Abschluss des Prozesses dazu beitragen wird, die IntensitĂ€t der entstandenen Auseinandersetzungen zu verringern». Der Regierungschef verwies dabei auch auf die «sicherheitspolitischen Herausforderungen und politischen Chancen, denen der Staat Israel derzeit gegenĂŒbersteht». In einer Video-Botschaft sprach Netanjahu zudem von einer «unmöglichen Forderung» der Richter, dass er dreimal in der Woche aussagen mĂŒsse. 

«Außergewöhnliches Gesuch mit weitreichenden Konsequenzen»

Das Gesuch werde nun an eine zustĂ€ndige Abteilung des Justizministeriums weitergeleitet, die die Meinungen aller relevanten Behörden dazu einholen werde, hieß es in der Mitteilung des PrĂ€sidenten. Auf der Basis werde das juristische Beratungsteam im BĂŒro des PrĂ€sidenten dann eine weitere Meinung formulieren. 

«Das BĂŒro des PrĂ€sidenten ist sich bewusst, dass es sich um ein außergewöhnliches Gesuch mit weitreichenden Konsequenzen handelt», hieß es weiter in der Mitteilung. «Nachdem alle relevanten Stellungnahmen eingegangen sind, wird der PrĂ€sident das Gesuch verantwortungsvoll und gewissenhaft prĂŒfen.»

Trump hatte Netanjahus Begnadigung gefordert

US-PrĂ€sident Donald Trump hatte Herzog dazu aufgefordert, Netanjahu zu begnadigen. Er respektiere die UnabhĂ€ngigkeit der israelischen Justiz, glaube aber, dass die Anklage gegen Netanjahu politisch motiviert und nicht gerechtfertigt sei, hieß es einem von Trump unterschrieben Brief an Israels PrĂ€sidenten, den Herzogs BĂŒro zuletzt veröffentlicht hatte. Auch bei einem Besuch in Israels Parlament im Oktober hatte Trump die Forderung geĂ€ußert. 

Trump schrieb, Netanjahu sei ein «beeindruckender und entschlossener KriegsministerprĂ€sident» gewesen und fĂŒhre Israel nun in eine Zeit des Friedens. «Seine Aufmerksamkeit darf nicht unnötig abgelenkt werden», argumentierte der US-PrĂ€sident.

Jahrelanger Korruptionsprozess und politische Verwerfungen

Gegen den Regierungschef lĂ€uft seit mehr als fĂŒnf Jahren ein Korruptionsprozess. Er ist wegen Betrugs, Untreue und Bestechlichkeit angeklagt. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, als Kommunikationsminister dem Telekom-Riesen Bezeq VergĂŒnstigungen gewĂ€hrt zu haben. Außerdem soll er Luxusgeschenke im Wert von umgerechnet rund 174.000 Euro von befreundeten MilliardĂ€ren angenommen haben - Schmuck, Zigarren und rosa Champagner. Netanjahu beteuert seine Unschuld und hat immer wieder von einer «Hexenjagd» gesprochen.

In Israel hatte es vor dem Hintergrund der schweren politischen Verwerfungen im Land immer wieder Debatten um eine Begnadigung Netanjahus gegeben. Herzog hatte in der Vergangenheit gesagt, kein Mensch stehe ĂŒber dem Gesetz, er behalte sich aber vor, in der Frage nach seinem Gewissen zu handeln. 

Scharfe Kritik der Opposition

Der israelische OppositionsfĂŒhrer Jair Lapid rief den PrĂ€sidenten dazu auf, Netanjahu nicht ohne ein SchuldeingestĂ€ndnis, den Ausdruck der Reue sowie eine sofortige Beendigung seiner politischen Karriere zu begnadigen. Auch der Vorsitzende der Oppositionspartei Die Demokraten, Jair Golan, sprach sich fĂŒr ein Ausscheiden Netanjahus aus der Politik aus. «Nur ein Schuldiger fordert seine Begnadigung», schrieb er bei X. 

Der Oppositionspolitiker und Ex-Generalstabschef Gadi Eisenkot schrieb bei X: «Netanjahu, Israel ist ein Rechtsstaat. Es gibt kein Gesetzeswerk fĂŒr den einfachen BĂŒrger und ein anderes fĂŒr dich.» Netanjahu sei selbst der Hauptverursacher der Spaltung in Israel. Diese könne daher «nicht als Vorwand fĂŒr seinen Antrag dienen, sich dem noch laufenden Strafverfahren zu entziehen». 

Die israelische Bewegung fĂŒr RegierungsqualitĂ€t schrieb in einem Post auf der Plattform X: «PrĂ€sident Herzog muss Nein zur Begnadigung Netanjahus sagen!» Eine Begnadigung mitten im Prozess bedeute den «Tod der Demokratie», hieß es in der Mitteilung. «Herzog darf die Gleichheit vor dem Gesetz nicht verletzen!»

Umstrittene SchwÀchung der Justiz durch Netanjahus Regierung

Netanjahus rechtsreligiöse Regierung treibt seit fast drei Jahren einen höchst umstrittenen Justizumbau voran, der eine SchwĂ€chung der Justiz bedeutet und gegen den es heftige Proteste gegeben hatte. Kritiker stuften das Vorgehen der Regierung als Gefahr fĂŒr Israels Demokratie ein. Netanjahus Regierung argumentierte dagegen, das Gericht sei in Israel zu mĂ€chtig, man wolle lediglich ein Gleichgewicht wiederherstellen. 

Viele sahen die heftigen internen Streitigkeiten als einen Grund dafĂŒr, dass Israel am 7. Oktober 2023 von dem verheerenden Angriff der islamistischen Hamas im Grenzgebiet so ĂŒberrascht werden konnte.

@ dpa.de