Grönlands Politik: Wollen keine Amerikaner sein
10.01.2026 - 05:26:11 | dpa.deWĂ€hrend US-PrĂ€sident Donald Trump erneut mit der gewaltsamen Einnahme Grönlands droht, lehnen die dortigen Parteien seinen Gebietsanspruch in demonstrativer Einigkeit ab. «Wir wollen keine Amerikaner sein, wir wollen keine DĂ€nen sein, wir wollen GrönlĂ€nder sein», heiĂt es in einer gemeinsamen ErklĂ€rung der Vorsitzenden der fĂŒnf Parteien im grönlĂ€ndischen Parlament. Trump warnte indes auch Richtung DĂ€nemark, zu dem die Insel offiziell gehört: Er wĂŒrde gerne einen Deal machen, «aber wenn wir es nicht auf die einfache Art und Weise tun, werden wir es auf die harte Art und Weise tun».
Trump: Wollen Russland und China nicht als NachbarnÂ
«Denn wenn wir es nicht machen, werden Russland oder China Grönland einnehmen, und wir wollen Russland oder China nicht als Nachbarn haben», rechtfertigte Trump seinen Anspruch auf die Insel. Die USA mĂŒssten sie verteidigen. Bei einem Treffen mit FĂŒhrungskrĂ€ften von US-Ălkonzernen im WeiĂen Haus rechtfertigte er auch das US-Vorgehen in Venezuela mit China und Russland. Ohne die USA «wĂ€ren China und Russland dort gewesen.»
Der US-PrĂ€sident hatte zuletzt immer wieder deutlich gemacht, dass er die offiziell zum Nato-Partner DĂ€nemark gehörende Insel unter Kontrolle der Vereinigten Staaten bringen will. Dabei verwies er auf deren groĂe strategische Bedeutung und eine zuletzt groĂe PrĂ€senz von russischen und chinesischen Schiffen in der Region. FĂŒr Aufsehen und Beunruhigung sorgen Trumps ĂuĂerungen vor allem, weil er bislang auch militĂ€rischen und wirtschaftlichen Zwang nicht ausschloss, um Kontrolle ĂŒber Grönland erlangen. Die Insel ist zu vier FĂŒnfteln mit Eis bedeckt und sechsmal so groĂ wie Deutschland.
Grönlands Politik ruft zum Dialog aufÂ
Die USA wĂŒrden etwas unternehmen, ob das gefalle oder nicht, sagte Trump nun. Die Vorsitzenden der Parteien im grönlĂ€ndischen Parlament Inatsisartut verlangten in ihrer gemeinsamen ErklĂ€rung, dass die USA «ihre GeringschĂ€tzung gegenĂŒber unserem Land einstellen». In dem Schreiben heiĂt es weiter: «Die Zukunft Grönlands muss vom grönlĂ€ndischen Volk entschieden werden.» Es mĂŒsse ein intensiver Dialog «mit unseren VerbĂŒndeten und den LĂ€ndern, mit denen wir zusammenarbeiten», sichergestellt werden, hieĂ es.Â
Laschet warnt vor Zerbrechen der Nato
Grönland mit seinen knapp 57.000 Einwohnern ist weitgehend autonom, gehört aber offiziell zum Königreich DĂ€nemark. Die dĂ€nische Regierung weist Trumps Anspruch entschieden zurĂŒck. Regierungschefin Mette Frederiksen warnte vor einem Ende des VerteidigungsbĂŒndnisses Nato, sollten die USA Grönland angreifen. Auch CDU-AuĂenpolitiker Armin Laschet warnte vor einem Zerbrechen der Nato. Er glaube zwar nicht, dass es zu einer militĂ€rischen Auseinandersetzung kommen werde, «aber der Druck nimmt zu. Darauf muss sich Europa einstellen», sagte Laschet der Funke Mediengruppe.
Auf die Frage, ob DĂ€nemark auf den Beistand der europĂ€ischen Partner zĂ€hlen könnte, wenn es zum ĂuĂersten kĂ€me, antwortete Laschet: «Wir mĂŒssen den Amerikanern in diplomatischen GesprĂ€chen deutlich machen, dass ein militĂ€risches Vorgehen gegen ein kleines Nato-Land das letzte Vertrauen in die Allianz zerstören wĂŒrde.» Ein Ende der Nato könne nicht im Interesse der USA sein. «Eines ist jedenfalls klar: Die EuropĂ€er könnten nicht in einen Krieg gegen die USA ziehen», sagte der Vorsitzende des AuswĂ€rtigen Ausschusses im Bundestag. Durch die Anbindung an DĂ€nemark ist Grönland Teil der Nato.
Mehrere Nato-Staaten werben angesichts der jĂŒngsten ĂuĂerungen der US-Regierung zu Grönland fĂŒr einen Ausbau der BĂŒndnisprĂ€senz in der Arktis. Nach Angaben von Diplomaten sieht ein Vorschlag vor, einen Ăberwachungseinsatz mit dem Namen «Arctic Sentry» (deutsch etwa: WĂ€chter der Arktis) zu starten. Er soll den Amerikanern das Argument nehmen, dass die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region nicht ausreichend gewĂ€hrleistet werden kann.
Nato-Staaten werben fĂŒr Arktis-Einsatz
Ăber den Vorschlag wurde den Angaben zufolge unter anderem bei einer Sitzung der stĂ€ndigen Vertreter der BĂŒndnisstaaten in BrĂŒssel gesprochen. DarĂŒber hatte zunĂ€chst unter anderem die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtet. Der britische Premier Keir Starmer lieĂ am Freitag mitteilen, er habe sich in einem Telefonat mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und dem französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron fĂŒr eine verstĂ€rkte Nato-PrĂ€senz im hohen Norden ausgesprochen. Das BĂŒndnis mĂŒsse dort stĂ€rker auftreten, um Gegner wie Russland abzuschrecken, sagte Starmer laut einer Sprecherin.
FĂŒr die Nato ist die Grönland-Debatte höchst brisant. Einerseits muss das BĂŒndnis um seine GlaubwĂŒrdigkeit fĂŒrchten, wenn ein fĂŒhrendes Mitglied auf einmal androht, sich durch Zwangsanwendung Gebiete eines anderen Staates einzuverleiben - vor allem auch mit Blick auf Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und Chinas AnsprĂŒche auf Taiwan. Andererseits wĂ€re es fĂŒr die Nato ein Super-GAU, wenn die USA im Streit ĂŒber ein solches Thema aus dem BĂŒndnis austreten wĂŒrden, weil die Abschreckung der Nato vor allem auf dem Atomwaffenarsenal und der StĂ€rke der konventionellen StreitkrĂ€fte der USA beruht.
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