US-Repräsentantenhaus: Vorzeitige Sitzungspause verschiebt Amtsenthebungsdebatte gegen Verteidigungsminister Hegseth
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 20:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas US-Repräsentantenhaus hat kurz vor der geplanten Beratung über ein Amtsenthebungsverfahren gegen Verteidigungsminister Pete Hegseth seine Sitzungspause vorgezogen und geht bereits nach den Abstimmungen am Mittwoch in die Parlamentsferien.
Beratung über Amtsenthebung verschoben
Eigentlich sollte die republikanisch geführte Kammer noch bis Donnerstag tagen und sich dann mit dem Antrag auf ein Amtsenthebungsverfahren befassen. Nach Angaben der Pressestelle des Hauses endet die Sitzungswoche nun jedoch vorzeitig, sodass die Beratungen vertagt werden. Der nächste reguläre Sitzungstag ist erst für November angesetzt und liegt damit nach den anstehenden Kongresswahlen.
Massies Vorwurf im Kontext des Iran-Krieges
Der republikanische Kongressabgeordnete Thomas Massie hatte am Dienstag den Antrag gegen Hegseth eingebracht. Er wirft dem Pentagon-Chef im Zusammenhang mit dem Krieg gegen Iran „schwere Verbrechen und Verfehlungen“ vor und bezeichnet ihn als „Bedrohung für die Verfassung“. Massie kritisiert insbesondere, dass der Einsatz von US-Streitkräften im Iran-Krieg ohne eine Autorisierung durch den Kongress erfolgt sei.
Geringe Erfolgsaussichten des Antrags
Angesichts der Mehrheitsverhältnisse in beiden Kammern des Kongresses gelten die Chancen des Amtsenthebungsverfahrens als äußerst gering. Nach den geltenden Regeln hätte sich das Repräsentantenhaus innerhalb von zwei Sitzungstagen mit dem Antrag beschäftigen müssen, also spätestens am Donnerstag. Mitten im Wahlkampf wäre damit der in den USA unbeliebte Iran-Krieg erneut prominent auf die politische Tagesordnung gelangt.
Johnson spricht von Inszenierung
Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, bezeichnete Massies Vorstoß als Inszenierung und unterstellte dem Abgeordneten, Aufmerksamkeit gewinnen zu wollen. Mit der vorgezogenen Sitzungspause bleibt die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Vorwürfen gegen Hegseth zunächst aus und wird auf die Zeit nach den Wahlen verschoben.
Massies politische Zukunft im Kongress
Massie selbst hat nach einem Zerwürfnis mit Präsident Donald Trump seine politische Zukunft im Repräsentantenhaus bereits verloren. Er hatte Trump unter anderem für dessen Vorgehen im Iran kritisiert und daraufhin seine Vorwahl eingebüßt, nachdem der Präsident den innerparteilichen Gegenkandidaten unterstützt hatte. Bei den Midterm-Wahlen im November steht Massie daher nicht zur Wiederwahl.
Zweites Amtsenthebungsverfahren innerhalb eines Jahres
Für Verteidigungsminister Hegseth ist es bereits das zweite Amtsenthebungsverfahren binnen eines Jahres. Zuletzt hatte im April die demokratische Kongressabgeordnete Yassamin Ansari einen entsprechenden Antrag gestellt. Sie argumentierte, Hegseth habe durch die unbefugte Weitergabe geheimer Informationen US-Truppen in große Gefahr gebracht, sein Amt missbraucht und sich seines Amtes unwürdig verhalten.
Politische Taktik im Wahlkampfjahr
Die Entscheidung des US-Repräsentantenhauses, die Sitzungspause vorzuziehen, fügt sich in ein aufgeheiztes politisches Umfeld im Wahlkampfjahr. Der von Thomas Massie eingebrachte Antrag auf Amtsenthebung von Verteidigungsminister Pete Hegseth hätte das in der Bevölkerung unpopuläre Kriegsgeschehen im Iran erneut ins Zentrum der öffentlichen Debatte gerückt. Indem die republikanische Mehrheit den Sitzungskalender verschiebt, vermeidet sie eine prominente Diskussion über Verantwortung und Kontrolle militärischer Einsätze unmittelbar vor den Kongresswahlen.
Machtbalance zwischen Kongress und Exekutive
Massies zentrale Kritik betrifft die fehlende Autorisierung des Einsatzes von US-Streitkräften im Iran-Krieg durch den Kongress. Damit greift er einen seit Jahren schwelenden Konflikt in den USA auf: die Frage, wie weit Präsident und Kabinettsmitglieder militärische Gewalt einsetzen dürfen, ohne eine ausdrückliche Zustimmung der Legislative. Der Vorwurf, Hegseth sei eine „Bedrohung für die Verfassung“, zielt auf diese verfassungsrechtliche Balance. Auch wenn der Antrag mit Blick auf die Mehrheitsverhältnisse kaum Erfolgsaussichten hat, zeigt er Spannungen innerhalb der republikanischen Partei über Kurs und Umfang des militärischen Engagements.
Persönliche und innerparteiliche Konflikte
Die Personalie Massie spielt eine zusätzliche Rolle: Nach seinem offenen Streit mit Präsident Donald Trump und einer verlorenen Vorwahl steht er bei den Midterms nicht mehr zur Wiederwahl. Seine Initiative kann damit auch als politisches Vermächtnis gelesen werden, das den Umgang der Regierung mit dem Iran-Krieg kritisch markieren soll. Zugleich demonstriert Sprecher Mike Johnson mit der frühen Sitzungspause, dass die Führung der Kammer solche Einzelinitiativen begrenzen will, um die eigene Wahlkampfagenda nicht von innerparteilichen Konflikten und kontroversen Sicherheitsfragen bestimmen zu lassen.
