US-Zwischenwahlen, Donald Trump

US-Wahlpleite: Republikaner rücken von Trump ab

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 07:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Nach der Niederlage bei den US-Parlamentswahlen wächst in der Republikanischen Partei der Druck auf Donald Trump. Vizepräsident JD Vance und weitere mögliche Bewerber für 2028 gehen öffentlich auf Abstand.

Republikanische Bewerber für 2028

  • JD Vance machte den von Trump begonnenen Iran-Krieg für die Niederlage verantwortlich.
  • Ron DeSantis verglich das Ergebnis mit einem Meteoriteneinschlag, Ted Cruz sprach von einem Blutbad.
  • Newt Gingrich sieht wachsende Unterstützung für Außenminister Marco Rubio.
  • Trumps politische Lebensader ist die «Make America Great Again»-Bewegung. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
  • Am Tag nach der Wahl machte JD Vance den von Trump begonnenen Iran-Krieg für die Wahlschlappe verantwortlich - was viele als einen Schritt weg von Trump interpretierten. - Bild: Samuel Corum/Pool Getty Images North America/AP/dpa
Trumps politische Lebensader ist die «Make America Great Again»-Bewegung. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa Am Tag nach der Wahl machte JD Vance den von Trump begonnenen Iran-Krieg für die Wahlschlappe verantwortlich - was viele als einen Schritt weg von Trump interpretierten. - Bild: Samuel Corum/Pool Getty Images North America/AP/dpa

Republikaner diskutieren Trumps Zukunft

Die Republikanische Partei sucht nach der schweren Niederlage bei den US-Parlamentswahlen nach einem neuen Kurs. Führende Parteivertreter stellen inzwischen offen die Frage, wie viel Nähe zu Präsident Donald Trump künftig noch sinnvoll ist.

Vance macht den Iran-Krieg verantwortlich

Weniger als 24 Stunden nach dem Schließen der Wahllokale erklärte Vizepräsident JD Vance den von Trump begonnenen Iran-Krieg zum Grund für das Debakel. „Jeder weiß, warum wir verloren haben. Und jede Diskussion darüber, wie es weitergeht, muss dort ansetzen“, teilte er mit.

DeSantis und Cruz kritisieren das Ergebnis

Floridas republikanischer Gouverneur Ron DeSantis verglich das Wahlergebnis mit einem Meteoriteneinschlag. Der texanische Senator Ted Cruz sprach von einem „Blutbad“.

DeSantis, Cruz und Vance werden Ambitionen für die Präsidentschaftswahl 2028 nachgesagt. Das Ergebnis rückt deshalb nicht nur Trumps Führung, sondern auch die Nachfolgefrage in den Mittelpunkt.

Trump verliert an Rückhalt

Trump prägt seit rund zehn Jahren die Republikanische Partei und beansprucht für sich, ihr Erfolgsgarant zu sein. Im Wahlkampf setzte er auf handverlesene Kandidaten, auch gegen parteiinternen Widerstand.

Die Republikaner verloren Sitze im Senat und Gouverneursposten sogar in Hochburgen. In Kansas wurde erstmals seit 94 Jahren ein Demokrat in den US-Senat gewählt.

MAGA-Basis bleibt ein Machtfaktor

Der Politikwissenschaftler David Brady von der Universität Stanford schätzt, dass die Trump loyale MAGA-Basis etwa 40 bis 50 Prozent der Republikanischen Partei ausmacht. Sie übe weiterhin erheblichen Einfluss aus.

Brady zufolge liegt Trumps Zustimmung je nach Umfrage derzeit bei etwa 34 Prozent. Offener Widerstand werde wahrscheinlicher, wenn seine Werte weiter sinken.

Vance müsse abwägen, wie weit er sich von Trump distanziere, ohne dessen Zorn und die Unterstützung der MAGA-Anhänger auf sich zu ziehen. Trump habe Wählergruppen gewonnen, die zuvor nicht für die Republikaner gestimmt hätten, darunter Menschen ohne Hochschulabschluss.

Neue Mehrheiten erschweren Trumps Kurs

Nach der Wahl kommen die Demokraten im Senat abhängig von noch offenen Entscheidungen in zwei Staaten auf 54 oder 56 der 100 Sitze. Damit könnten wenige republikanische Abweichler die für bestimmte Gesetzesvorhaben entscheidende Schwelle von 60 Stimmen ermöglichen.

Mit einer Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern könnte der Kongress zudem ein Veto des Präsidenten überstimmen. Das Wahlergebnis nimmt Trump damit einen Teil seiner bisherigen politischen Kontrolle.

Rubio gewinnt im Nachfolgefeld an Gewicht

Der frühere republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, sieht durch die Niederlage ein breiteres Feld für die Präsidentschaftswahl 2028. Vance habe nach einem Regierungserfolg ein starkes Argument für seine Kandidatur gehabt, dieses sei nun geschwächt.

Gingrich sieht zugleich breite Unterstützung für Außenminister Marco Rubio. Medienberichten zufolge erwog Rubio nach der Wahl einen Rückzug aus der Regierung, was sein Ministerium zurückwies.

Rubio sagte der New York Times, es sei immer sein Plan gewesen, bis zum Ende der Amtszeit in der Regierung zu bleiben. Zu seinen Ambitionen für 2028 äußerte er sich nicht.

Die Niederlage bei den US-Zwischenwahlen verändert das Machtgefüge innerhalb der Republikanischen Partei. Trump hatte den Wahlkampf mitgeprägt und auf Kandidaten gesetzt, die ihm politisch besonders nahestehen. Dass mehrere republikanische Hochburgen verloren gingen, erhöht nun den Druck, seine Strategie und seine Rolle als Wahlkampfgarant zu überprüfen.

Besonders deutlich wird die neue Lage an JD Vances Reaktion auf den Iran-Krieg. Der Vizepräsident verbindet die Wahlniederlage mit einer zentralen Entscheidung der Trump-Regierung und setzt damit ein Signal für die innerparteiliche Debatte. Zugleich bleibt seine politische Zukunft eng mit Trump und dessen Anhängern verbunden.

Mehr Spielraum im Kongress

Mit einer demokratischen Mehrheit im Senat können republikanische Abweichler für Gesetzesvorhaben wichtiger werden. Die in der Meldung genannte Schwelle von 60 Stimmen macht deutlich, dass die Republikaner künftig nicht nur über Inhalte, sondern auch über den Umgang mit dem Präsidenten entscheiden müssen.

Für die Präsidentenwahl 2028 beginnt damit ein offenerer Wettbewerb. Vance, Marco Rubio, Ron DeSantis und Ted Cruz werden als mögliche Bewerber genannt, verfolgen aber unterschiedliche Linien zwischen enger Trump-Bindung und traditionell-konservativer Abgrenzung.

Die MAGA-Basis bleibt entscheidend

Ein schneller Bruch mit Trump ist dennoch nicht zu erwarten. Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers David Brady stellt die MAGA-Basis weiterhin einen großen Teil der Partei und verfügt über erheblichen Einfluss. Republikanische Politiker müssen deshalb abwägen, wie viel Kritik möglich ist, ohne diese Wähler zu verlieren.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Nach Wahlschlappe der Republikaner: Debatte über Trumps Kurs – Vance fordert ein Umsteuern“ (05.11.2026)

Der Artikel habe Vances Kritik am Iran-Krieg als Forderung nach einer Kurskorrektur eingeordnet. Damit bestätige er den zentralen Konflikt der dpa-Meldung, setze den Schwerpunkt aber stärker auf das unmittelbare politische Umsteuern.

n-tv: „MAGA-Bewegung erlebt Wahl-Debakel als Nahtoderfahrung“ (05.11.2026)

n-tv habe die Reaktionen der MAGA-Bewegung und Vances Hinweise auf Krieg und Lebenshaltungskosten in den Mittelpunkt gestellt. Der Beitrag bestätige damit den Druck auf Trumps Lager, betone jedoch stärker die inhaltlichen Lehren aus dem Wahlergebnis.

Beide Beiträge stellten die Niederlage als Auslöser einer innerrepublikanischen Debatte dar. Unterschiede ergäben sich vor allem beim Schwerpunkt: Während die Frankfurter Rundschau den Machtkampf und den Kurswechsel betone, rücke n-tv die Reaktion der MAGA-Basis in den Vordergrund.

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