Pistorius, Niger

Pistorius im Niger: Erstes MinistergesprÀch nach Putsch

19.12.2023 - 05:19:37

Verteidigungsminister Pistorius hat das militÀrische Engagement Deutschlands in Westafrika noch nicht abgeschrieben. Bevor es zu weiteren Entscheidungen kommt, sucht er das GesprÀch mit den Putschisten.

Verteidigungsminister Boris Pistorius ist viereinhalb Monate nach dem MilitĂ€rputsch im Niger als erstes deutsches Regierungsmitglied zu GesprĂ€chen in das westafrikanische Land gereist. Der SPD-Politiker wollte sich an diesem Dienstag in der Hauptstadt Niamey Klarheit ĂŒber den weiteren Kurs der Machthaber verschaffen. Er wollte dazu den nigrischen General Salifou Modi treffen, der nach dem Coup nun an der Spitze des Verteidigungsministeriums seines Landes steht. Pistorius besucht zudem die noch mehr als 100 deutschen Soldaten auf dem LufttransportstĂŒtzpunkt der Bundeswehr am Rande der Stadt.

Das MilitĂ€r hatte am 26. Juli die Macht im Niger ĂŒbernommen. Das Land galt zuvor als letzter demokratischer Partner Europas und der USA im Kampf gegen Terrorismus in der Sahelzone. Niger war von der Bundesregierung als StabilitĂ€tsanker in der Region bezeichnet worden, mit dem die bestehende Zusammenarbeit weiter ausgebaut werden sollte. Der Staat liegt an einer wichtigen Migrationsroute nach Europa.

Die MilitĂ€rs hatten den von vielen Einwohnern der Hauptstadt öffentlich unterstĂŒtzten Putsch mit der Sicherheitslage und schlechter RegierungsfĂŒhrung begrĂŒndet. Die zuvor guten Beziehungen mit Deutschland haben sich seitdem verschlechtert. So ist die Zukunft des LufttransportstĂŒtzpunktes unklar. Zudem steckt auf der nigrischen Seite der Grenze zu Mali ein Konvoi mit deutschen MilitĂ€rgĂŒtern des beendeten UN-Einsatzes Minusma in der Zollabfertigung fest.

Machthaber in Niamey gingen zuletzt auf Konfrontation

Vor dem Putsch gab es PlĂ€ne der Bundeswehr, den LufttransportstĂŒtzpunkt ĂŒber den Mali-Abzug hinaus zu erhalten und auszubauen. Er sollte fĂŒr das humanitĂ€re Engagement Deutschlands und das europĂ€ischer Partner genutzt werden und in der an Konflikten reichen Region Drehkreuz fĂŒr militĂ€risches Engagement sein - bis hin zu einer Rolle als Sprungbrett fĂŒr SpezialkrĂ€fte. In der Bundesregierung gibt es Stimmen, die fĂŒr ein Festhalten an dem StĂŒtzpunkt sind. GrundsĂ€tzlich denkbar scheint auch, auf Eis gelegte Projekte wie den Bau eines auch von Zivilisten genutzten MilitĂ€rkrankenhauses wieder aufzunehmen.

Allerdings sind die Machthaber in Niamey zuletzt eher auf Konfrontation gegangen: So soll die Schleusung irregulĂ€rer Migranten im Niger - ein wichtiges Thema fĂŒr die EU - kĂŒnftig straffrei bleiben. Der AnfĂŒhrer der MilitĂ€rjunta, Abdourahamane Tiani, hatte ein entsprechendes Gesetz aufgehoben. Das Gesetz war Teil der Strategie Europas zur EindĂ€mmung der Migration ĂŒber das Mittelmeer. Der Niger ist eins der wichtigsten TransitlĂ€nder fĂŒr afrikanische Migranten, die in Richtung Europa reisen wollen. Die EU arbeitete mit dem Niger bereits seit 2015 zusammen, vor allem um die Migrationsroute von der nigrischen WĂŒstenstadt Agadez nach Libyen zu blockieren.

Austritt aus der Regionalorganisation G5 Sahel

Anfang Dezember hatten Burkina Faso und Niger ihren Austritt aus der 2014 gegrĂŒndeten Regionalorganisation G5 Sahel erklĂ€rt und sind damit dem Beispiel Malis gefolgt. Zeitgleich hatte der russische Vize-Verteidigungsminister Junus-bek Jewkurow die Staaten Mali, Burkina Faso und Niger besucht. Mit Modi hat Jewkurow ein Memorandum ĂŒber die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Verteidigung unterzeichnet.

Mit zwei Verbalnoten schon vom 30. November hatte Niger Deutschland mitgeteilt, dass die nigrischen Behörden mit Hinweis auf die Sicherheitslage ihre Zustimmung zu Durchfahrten von Konvois oder der Lagerung militĂ€rischen Materials auslĂ€ndischer StreitkrĂ€fte auf ihrem Staatsgebiet aussetzen, heißt es in einer Unterrichtung des deutschen Verteidigungsministeriums an den Bundestag. Deutschland sei da auch in Kenntnis gesetzt worden, dass die RĂŒckfĂŒhrung des deutschen Minusma-Kontingents aus Mali nach Deutschland nicht ĂŒber Niger erfolgen dĂŒrfe. Die Soldaten hatten dann einen Zwischenstopp in der senegalesischen Hauptstadt Dakar eingelegt.

@ dpa.de