Verurteilte PiS-Politiker nach zweiter Begnadigung frei
23.01.2024 - 22:52:36 | dpa.de
Nach ihrer erneuten Begnadigung durch PrĂ€sident Andrzej Duda sind zwei wegen Amtsmissbrauchs verurteilte ehemalige Mitglieder der abgewĂ€hlten nationalkonservativen PiS-Regierung aus der Haft entlassen worden. Ex-Innenminister Mariusz Kaminski habe am Abend das GefĂ€ngnis in Radom bei Warschau verlassen, meldete die Nachrichtenagentur PAP. Auch sein frĂŒherer StaatssekretĂ€r Maciej Wasik, der in Przytuly Stare im Nordosten des Landes eingesessen hatte, kam frei.
Wenige Stunden zuvor hatte der aus den Reihen der PiS stammende PrĂ€sident bekanntgeben, dass er die beiden Politiker ein zweites Mal begnadigt habe. Der Streit ĂŒber das Schicksal von Kaminski und Wasik ist in den vergangenen Wochen zu einem zentralen Punkt der Auseinandersetzung zwischen der Mitte-Links-Regierung von Donald Tusk und der PiS mit ihrem VerbĂŒndeten Duda geworden.
Die PiS-Abgeordneten waren am 9. Januar verhaftet und ins GefÀngnis gebracht worden, nachdem sie zunÀchst Schutz im PrÀsidentenpalast gesucht hatten. Die PiS bezeichnete die beiden seitdem als «politische Gefangene». Kaminski war gleich zu Haftbeginn in Hungerstreik getreten.
Lange Vorgeschichte - Fall beginnt schon 2015
Der Fall der beiden PiS-Politiker hat eine lange Vorgeschichte. Im Jahr 2015, direkt nach der MachtĂŒbernahme der PiS, hatte Duda Kaminski und Wasik in einer umstrittenen Entscheidung begnadigt. Beide waren zuvor in erster Instanz wegen Amtsmissbrauchs zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Grund der Verurteilung war eine im Jahr 2007 aufgedeckte AffĂ€re, bei der die damals von Kaminski geleitete Antikorruptionsbehörde gezielt einen Korruptionsfall inszeniert haben soll, um den damaligen Landwirtschaftsminister Andrzej Lepper zu diskreditieren. Kaminski und Wasik gingen gegen das Urteil in Berufung.
Im vergangenen Juni hatte der Oberste Gerichtshof die Begnadigung Kaminskis und Wasiks durch den PrĂ€sidenten aufgehoben. Begnadigt werden könne nur, wer rechtskrĂ€ftig verurteilt sei, hieĂ es in der UrteilsbegrĂŒndung. Beide mussten sich erneut dem Verfahren stellen. Ende Dezember verurteilte sie das Warschauer Bezirksgericht zu zwei Jahren Haft. Das Gericht verfĂŒgte auch, dass beide PiS-Politiker fĂŒr fĂŒnf Jahre kein öffentliches Amt bekleiden dĂŒrften und ihr Abgeordnetenmandat verlieren sollten.
Dieser letzte Punkt könnte nun nach der Freilassung von Kaminski und Wasik fĂŒr erneuten politischen ZĂŒndstoff sorgen. Die PiS erkennt den gerichtlich verfĂŒgten Verlust der Abgeordnetenmandate nicht an. ParlamentsprĂ€sident Szymon Holownia, dessen Partei Dritter Weg ein Koalitionspartner von Tusk ist, hatte beide Abgeordnete jedoch bereits ausgeschlossen. «Herr Tusk, Herr Holownia, wir sehen uns bald wieder», sagte Wasik nun nach seiner Freilassung.
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