Tote, Luftangriffen

Viele Tote bei russischen Luftangriffen auf Kiew

28.08.2025 - 07:47:50

Mit neuen Luftangriffen hat Russland die ukrainische Hauptstadt Kiew schwer getroffen. PrÀsident Selenskyj fordert neue Sanktionen, wÀhrend in den USA Kiews Vertreter verhandeln.

Bei neuen massiven russischen Luftangriffen mit Raketen und Drohnen auf die Ukraine sind nach offiziellen Angaben mindestens acht Menschen getötet worden. Unter den Toten sei auch ein Kind, schrieb der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj auf der Plattform X. Er sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Es könne noch Menschen unter den TrĂŒmmern eines getroffenen Wohnhauses geben, teilte der PrĂ€sident weiter mit. Dutzende Menschen seien verletzt worden.

Behörden hatten zuvor am frĂŒhen Morgen von vier Toten und mehr als zwanzig Verletzten gesprochen. Viele Verletzte kamen laut BĂŒrgermeister Vitali Klitschko ins Krankenhaus. 

Die russischen Drohnen- und RaketenschlĂ€ge seien Moskaus Antwort auf den seit Wochen und Monaten geforderten Waffenstillstand und die Aufrufe zu echter Diplomatie, kritisierte Selenskyj. Statt fĂŒr Verhandlungen habe sich Russland fĂŒr Angriffe entschieden. «Russland wĂ€hlt das Töten, anstatt den Krieg zu beenden», sagte er.

Selenskyj fordert von China Druck auf Russland

Russland nutze es aus, dass ein Teil der Welt sich blind stelle, wenn Kinder getötet wĂŒrden, meinte der PrĂ€sident. Mit Blick auf die am Sonntag beginnende mehrtĂ€gige China-Reise von Kremlchef Wladimir Putin forderte Selenskyj Peking zu einer Reaktion auf die russischen Angriffe auf. China habe wiederholt dazu aufgerufen, den Krieg nicht auszuweiten und die Kampfhandlungen einzustellen. Er verlangte auch von Ungarn und anderen Staaten, ihr Schweigen zu brechen. 

Es sei Zeit fĂŒr neue Sanktionen gegen Russland, das alle Fristen verstreichen lasse und Dutzende diplomatische Initiativen ruiniert habe, sagte Selenskyj. Moskau mĂŒsse fĂŒr jeden Schlag zur Verantwortung gezogen werden, forderte er.

«Heute Nacht wird Kiew vom russischen Terrorstaat massiv angegriffen», schrieb Kiews MilitĂ€rgouverneur Tymur Tkatschenko auf Telegram. Auf Videos und Fotos, die Behörden veröffentlichten, waren schwere VerwĂŒstungen in einem teils eingestĂŒrzten Wohnhaus und ausgebrannte Autos zu sehen. Es gab Berichte ĂŒber zahlreiche SchĂ€den und mehrere BrĂ€nde. 

Ukraine schickt UnterhÀndler in die USA

Selenskyj schickte indes seine ChefunterhĂ€ndler zu GesprĂ€chen ĂŒber Sicherheitsgarantien fĂŒr sein von Russland angegriffenes Land in die USA. PrĂ€sidialamtschef Andrij Jermak und Ex-Verteidigungsminister Rustem Umjerow sollen am Freitag in New York mit Vertretern der Regierung von US-PrĂ€sident Donald Trump sprechen, wie er in Kiew ankĂŒndigte. Seitens der Amerikaner bestĂ€tigte Trumps UnterhĂ€ndler Steve Witkoff das Treffen. 

«Alle, die an den Sicherheitsgarantien arbeiten – an den militĂ€rischen, politischen und wirtschaftlichen Komponenten der Sicherheitsgarantien –, werden einbezogen», sagte Selenskyj in einer abendlichen Videoansprache. «Die Russen mĂŒssen sehen, wie ernst es der Welt ist und wie schlimm die Folgen fĂŒr Russland sein werden, wenn der Krieg weitergeht.»

GesprĂ€che ĂŒber Sicherheitsgarantien

Bei den Sicherheitsgarantien geht es darum, die Ukraine nach einem Ende des Krieges vor einem Wiederaufflammen russischer Aggression zu schĂŒtzen. Die USA planen sich zu beteiligen, die militĂ€rische Hauptlast soll aber bei den EuropĂ€ern liegen. Russland lehnt Truppen aus Nato-LĂ€ndern in der Ukraine bislang strikt ab.

Nach Angaben Selenskyjs sollen außerdem mögliche Orte fĂŒr ein Treffen mit Kremlchef Putin erkundet werden. Dabei waren die ukrainischen Vertreter am Dienstag zu Besuch im Golfstaat Katar, am Mittwoch in Saudi-Arabien. FĂŒr Donnerstag sind GesprĂ€che in der Schweiz geplant. Putin will indes erst dann mit einem Vertreter der Ukraine sprechen, wenn es eine fertig ausgehandelte Lösung fĂŒr ein Ende des Krieges gibt.

Außenminister Wadephul: Neue Sanktionen gegen Moskau

Auch der deutsche Außenminister Johann Wadephul sieht Moskaus angebliche Verhandlungsbereitschaft skeptisch. «Ich habe allergrĂ¶ĂŸte Zweifel, dass es in absehbarer Zeit ĂŒberhaupt zu Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine kommt», sagte er dem Nachrichtenmagazin «Focus». Putin bewege sich trotz Trumps BemĂŒhungen ĂŒberhaupt nicht. «Ich rate dringend, den Druck auf Russland aufrechtzuerhalten. Es ist doch wahrscheinlicher, dass es in der nĂ€chsten Zeit neue Sanktionen gegen Russland gibt, als dass Putin in Verhandlungen in eine Waffenruhe einlenkt», sagte Wadephul.

Russland fĂŒhrt seit mehr als dreieinhalb Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Am Abend und in der Nacht kam es zu neuen Attacken aus der Luft mit Kampfdrohnen und Raketen - nicht nur in Kiew. Explosionen wurden auch aus den StĂ€dten Sumy im Norden sowie Dnipro und Saporischschja im SĂŒden gemeldet.

Laut ukrainischen Angaben wurden Bewohner fast aller Landesteile in SchutzrÀume beordert, auch fernab der Frontlinie. Demnach schickten die Angreifer mehrere Wellen von Kampfdrohnen los und feuerten auch Hyperschallraketen sowie Marschflugkörper ab. Mehrere Kampfjets der russischen Luftwaffe seien im Einsatz.

Luftalarm auch in Russland

Gleichzeitig gab es in Russland im Gebiet Lipezk zeitweise Luftalarm wegen anfliegender ukrainischer Drohnen, wie Behörden mitteilten. Das russische MilitĂ€r meldete den Abschuss von mehr als 100 ukrainischen Drohnen ĂŒber den Gebieten Rostow, Belgorod, Smolensk und ĂŒber der Schwarzmeer-Halbinsel Krim. Mehrere FlughĂ€fen mussten den Betrieb sicherheitshalber einschrĂ€nken.

Die Ukraine fĂŒhrt in ihrem Abwehrkampf gegen die russische Invasion immer wieder SchlĂ€ge gegen die Öl- und Gasindustrie in Russland. Durch Drohnentreffer auf russische Raffinerien hat Russland nach Medienberichten 17 Prozent der KapazitĂ€t zur Ölverarbeitung verloren. In vielen Regionen herrscht Treibstoffmangel. Die Benzinpreise sind massiv gestiegen.

@ dpa.de