Machtwechsel, Polen

Machtwechsel in Polen: Tusk will RegierungserklÀrung abgeben

12.12.2023 - 04:36:32

Viele Wochen nach der Wahl hatte das alte nationalkonservative Regierungslager die Abgabe der Macht hinausgezögert. Doch nun ist es so weit. Die Regierung von Donald Tusk steht in den Startlöchern.

Knapp zwei Monate nach der Parlamentswahl in Polen will der designierte neue MinisterprĂ€sident Donald Tusk heute sein Kabinett vorstellen und eine RegierungserklĂ€rung abgeben. Am Nachmittag will Tusk im Parlament die Vertrauensfrage stellen. Die Vereidigung durch PrĂ€sident Andrzej Duda sei dann fĂŒr Mittwoch 09.00 Uhr vorgesehen, verlautete aus der PrĂ€sidialkanzlei. Damit wĂ€re der Machtwechsel vollzogen. Am Montag hatte das Parlament den ehemaligen EU-RatsprĂ€sidenten Tusk zum kĂŒnftigen Regierungschef bestimmt.

Bei der Parlamentswahl in Polen am 15. Oktober war die nationalkonservative Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) zwar erneut stĂ€rkste Kraft geworden, hatte aber die absolute Mehrheit verfehlt. Die von Tusk gefĂŒhrte BĂŒrgerkoalition, das ParteienbĂŒndnis Dritter Weg und das BĂŒndnis Lewica (Linke) errangen gemeinsam eine klare Mehrheit von 248 der 460 Sitze im Sejm.

Nach der Wahl zögerten die PiS und der von aus ihren Reihen stammende Duda die Übergabe der Macht hinaus, so lange es verfassungsrechtlich möglich war. Duda beauftragte zunĂ€chst den bisherigen MinisterprĂ€sidenten Mateusz Morawiecki mit der Bildung einer neuen Regierung, die gerade einmal zwei Wochen im Amt war. Morawiecki scheiterte am Montag wie erwartet an der Vertrauensabstimmung.

Tusk war von 2007 bis 2014 polnischer MinisterprÀsident

Erst dadurch wurde der Weg frei fĂŒr den 66-jĂ€hrigen Tusk, der bereits von 2007 bis 2014 polnischer MinisterprĂ€sident war. Von seiner neuen Regierung wird erwartet, dass sie das VerhĂ€ltnis zur EuropĂ€ischen Union (EU) und zum Nachbarn Deutschland entspannt. Die PiS war vor allem durch RĂŒckschritte bei der Rechtsstaatlichkeit in Konflikte mit BrĂŒssel geraten. Scharfe antideutsche Töne prĂ€gten die nationalkonservative Politik der vergangenen Jahre.

In den acht Jahren PiS-Regierung seit 2015 waren die polnischen WÀhler zunÀchst sehr einverstanden gewesen mit der Sozialpolitik, von der viele Familien profitierten. SpÀter verprellte die Partei um ihren Vorsitzenden Jaroslaw Kaczynski aber gerade die Frauen in Polen mit einer VerschÀrfung des Abtreibungsgesetzes. Viele WÀhler waren vor der Wahl auch in Sorge um das Rechtssystem im Land. Dies trieb die Wahlbeteiligung am 15. Oktober auf fast 75 Prozent hoch.

In der EU und Nato hat Polen durch seine große UnterstĂŒtzung fĂŒr die von Russland angegriffene Ukraine an Gewicht gewonnen.

@ dpa.de