Aliyev, Aserbaidschan

Aliyev in Aserbaidschan als Wahlsieger bestÀtigt

08.02.2024 - 07:59:34

Von fairen Wahlen konnte Beobachtern zufolge keine Rede sein. Nun prĂ€sentiert das autoritĂ€r gefĂŒhrte Aserbaidschan angeblich gigantische Zustimmungswerte fĂŒr seinen alten und neuen PrĂ€sidenten.

Mit 92 Prozent der Stimmen hat sich in der autoritĂ€r gefĂŒhrten SĂŒdkaukasusrepublik Aserbaidschan der seit gut 20 Jahren regierende PrĂ€sident Ilham Aliyev erneut zum Sieger erklĂ€ren lassen. Nach AuszĂ€hlung fast aller Wahlzettel entfielen auf Aliyev 92,05 Prozent der Stimmen, wie die Wahlkommission in Baku mitteilte.

Der 62-JĂ€hrige, der weitere sieben Jahre im Amt bleiben kann, baute sein Ergebnis von 2018 von damals 86 Prozent noch einmal aus - besonders vor dem Hintergrund der RĂŒckeroberung der Konfliktregion Berg-Karabach nach einem Krieg mit Armenien. Das öl- und gasreiche Land am Kaspischen Meer ist wichtiger Energielieferant fĂŒr die EU und richtet im November die Weltklimakonferenz COP29 aus.

Die Wahlbeteiligung wurde mit rund 77 Prozent der insgesamt mehr als sechs Millionen Wahlberechtigten angegeben. Schon am Abend hatten aserbaidschanische Staatsmedien bereits Wahltagsbefragungen mit vermeintlich riesigen Zustimmungswerten fĂŒr den seit 2003 regierenden Aliyev prĂ€sentiert.

Wahl in der Kritik

Kritische Beobachter bemĂ€ngeln jedoch, dass die Aserbaidschaner angesichts von Repressionen im Grunde gar keine richtige Wahl hatten: So war unter Aliyevs sechs Gegenkandidaten kein echter Konkurrent, die Opposition boykottierte die Wahl aus Protest. FĂŒr Empörung sorgte zudem, dass im Vorfeld der Abstimmung mehr als ein Dutzend kritischer Journalisten festgenommen worden waren, die ĂŒber Korruption in Aliyevs Machtapparat berichteten.

Die staatliche Nachrichtenagentur Azertac feierte den Wahlsieg Aliyevs trotzdem als angeblichen Beweis fĂŒr «den unerschĂŒtterlichen Glauben des Volkes an seinen FĂŒhrer». Aliyev hatte die Wahl, die eigentlich erst fĂŒr 2025 geplant war, fĂŒr viele ĂŒberraschend vorgezogen.

Offiziell begrĂŒndete er den Schritt damit, dass der PrĂ€sident nach der Eroberung der Konfliktregion Berg-Karabach im vergangenen Herbst eine neue Legitimierung brauche. Politische Beobachter gehen jedoch eher davon aus, dass der autoritĂ€re PrĂ€sident mit dem Karabach-Triumph im RĂŒcken jetzt vor allem schnell seine Macht absichern wolle, bevor die Unzufriedenheit in der Gesellschaft ĂŒber Probleme wie die hohe soziale Ungleichheit und grassierende Korruption weiter zunehmen.

Berg-Karabach liegt zwar auf aserbaidschanischem Staatsgebiet, wurde aber bis vor einigen Monaten mehrheitlich von ethnischen Armeniern bewohnt. Jahrzehntelang war Karabach zwischen den beiden benachbarten Ex-Sowjetrepubliken umkÀmpft. Durch die Angriffe der aserbaidschanischen Armee flohen mehr als 100 000 Karabach-Armenier. Armenien warf Aserbaidschan Vertreibung und «ethnische SÀuberung» vor.

@ dpa.de