Wiedersehen, Castel

Wiedersehen in Castel Gandolfo - Papst in Ferien

06.07.2025 - 15:27:19

Von Franziskus wurde die pÀpstliche Sommerresidenz nie genutzt. Sein Nachfolger Leo XIV. macht dort jetzt wieder Urlaub. Sogar einen Tennisplatz hat er anlegen lassen. Aber einiges fehlt noch.

  • Auf dem Platz vor dem Apostolischen Palast sind nur wenige Leute unterwegs. - Foto: Christoph Sator/dpa

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  • Vor dem Abschied in den Urlaub erteilte Leo XIV. den GlĂ€ubigen auf dem Petersplatz noch den Segen. - Foto: Andrew Medichini/AP/dpa

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  • Papst Leo XIV. bei der Ankunft. - Foto: Andrew Medichini/AP/dpa

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Auf dem Platz vor dem Apostolischen Palast sind nur wenige Leute unterwegs. - Foto: Christoph Sator/dpaVor dem Abschied in den Urlaub erteilte Leo XIV. den GlÀubigen auf dem Petersplatz noch den Segen. - Foto: Andrew Medichini/AP/dpaPapst Leo XIV. bei der Ankunft. - Foto: Andrew Medichini/AP/dpa

Auf dem Schreibtisch steht immer noch eine kleine Bayern-Flagge, die weiß-blauen Rauten. Dort findet sich auch das «Lexikon fĂŒr Theologie und Kirche» in deutscher Sprache, zehn BĂ€nde samt Register und Zusatzband. Als ob der deutsche Papst Benedikt XVI., gestorben am Silvestertag 2022, im Apostolischen Palast von Castel Gandolfo noch jederzeit ins BĂŒro kommen könnte. Viel tut sich hier nicht.

Doch nach zwölf Jahren sowohl Sommer- als auch Winterschlaf ist es in dem 9.000-Seelen-StĂ€dtchen sĂŒdöstlich von Rom mit der Ruhe wieder vorbei. Nun ist ein Papst in Castel Gandolfo zurĂŒck: Der neue Pontifex Leo XIV., zwei Monate im Amt, nutzt seine Sommerresidenz - so wie fast alle OberhĂ€upter der katholischen Kirche vier Jahrhunderte lang.

Franziskus blieb den Sommer ĂŒber stets im Vatikan

Einer nicht: sein unmittelbarer VorgĂ€nger Franziskus. Der Argentinier verbrachte den Sommer stets im Vatikan, in seiner Wohnung im GĂ€stehaus Santa Marta - genauso, wie er als Erzbischof von Buenos Aires nie in Urlaub fuhr. «Das ist nicht meine Art», erzĂ€hlte er einmal. «Ich ruhe mich lieber zu Hause aus.» Außerdem gehörte das fĂŒr den Mann aus einfachen VerhĂ€ltnissen zur selbstverstĂ€ndlichen Bescheidenheit.

Was das Programmatische angeht, folgt Franziskus' Nachfolger bislang der Linie seines VorgĂ€ngers. In Äußerlichkeiten nicht: Mit dem Urlaub in Castel Gandolfo nimmt der erste Papst aus den USA eine weitere Tradition wieder auf, mit der der Argentinier gebrochen hatte - so wie er hĂ€ufiger Ornat trĂ€gt, auch das goldene Brustkreuz, grĂ¶ĂŸere Autos fĂ€hrt und im Vatikan zurĂŒck in die PapstgemĂ€cher ziehen will. Allerdings mĂŒssen die RĂ€ume nach dem langen Leerstand erst noch renoviert werden. 

Ein Papst in Badehose

Und nun also auch Castel Gandolfo, in den Bergen oberhalb des Albaner Sees gelegen, eine halbe Autostunde von Rom. In der Sommerfrische ist die Luft ertrĂ€glicher als in der Hauptstadt, wo sich die Temperaturen seit Wochen auf 40 Grad hin bewegen. Der Papstpalast in der Provinz gehört bereits seit 1596 dem Vatikan. SpĂ€ter kamen noch zwei weitere Villen hinzu. Das GelĂ€nde ist sogar zehn Hektar grĂ¶ĂŸer als die Vatikanstadt.

Der erste Pontifex, der hier im Juli und August eine Auszeit nahm, hieß Urban VIII. (1623-1644). Seither wurde der Palast von den PĂ€psten gern genutzt. Der Pole Johannes Paul II. (1978-2005) ließ sogar einen Swimmingpool bauen - und sorgte prompt fĂŒr Schlagzeilen, weil ihn Paparazzi in der Badehose erwischten. Benedikt zog sich nach seinem ĂŒberraschenden RĂŒcktritt fĂŒr eine Weile ganz hierhin zurĂŒck.

Noch dĂŒrfen Besucher in den Apostolischen Palast

Aus dieser Zeit stammt eines der wenigen Fotos mit Franziskus, die aus Castel Gandolfo existieren: Der alte und der neue Papst machten im Palast 2013 eine Art AmtsĂŒbergabe. Die letzten Lebensjahre verbrachte Benedikt aber in der Vatikanstadt. Franziskus ließ den Palast 2016 zum Museum erklĂ€ren. Jetzt dĂŒrfen auch Touristen hinein.

Allerdings machten sich, seit Castel Gandolfo im Sommer nicht mehr Zentrum des katholischen Geschehens war, kaum noch Besucher dorthin auf den Weg. Hoteliers, Gastwirte und SouvenirhÀndler hoffen nun wieder auf bessere GeschÀfte. Allerdings geht es nicht so richtig voran: Im Palast merkt man nirgendwo, dass es einen neuen Pontifex gibt. Auf der Ahnentafel ist Franziskus noch am Leben. Und die SouvenirhÀndler klagen schwer, dass es immer noch keine Postkarten mit Leo gibt.

Swimmingpool, Tennis Court und Boccia-Platz

DafĂŒr hat sich der neue Papst nach einem Bericht des «Corriere della Sera» schon einen Tennisplatz anlegen lassen: Der 69-JĂ€hrige spielt immer noch. Außer dem Schwimmbad gibt es auch einen Boccia-Platz. Wohnen wird Leo selbstverstĂ€ndlich nicht im Museum, sondern in der Villa Barberini, einem NebengebĂ€ude in der Innenstadt. Vor der Abfahrt, beim sonntĂ€glichen Gebet vor Zehntausenden auf dem Petersplatz, wĂŒnschte er auch allen anderen «eine gute Urlaubszeit zur Erholung von Körper und Geist».

Offensichtlich will es Leo die nĂ€chsten Wochen tatsĂ€chlich ruhiger angehen lassen. Alle Audienzen ließ er absagen. Die erste Zeit im Amt hatte sich das neue Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken bei seinen vielen Terminen vor allem um interne Dinge gekĂŒmmert: In der Kurie, dem Machtapparat der Kirche, gab es einigen Unmut ĂŒber Franziskus. Außerdem blieb wĂ€hrend dessen Krankheit einiges liegen. Auf Reisen ins Ausland verzichtete Leo bislang. Er gab auch nur ein einziges, nichtssagendes Interview. 

Sonntagsgebet nicht auf dem Petersplatz

Einige Termine hat Leo aber auch in den Ferien. So will er das allsonntĂ€gliche Angelus-Gebet nĂ€chste Woche in Castel Gandolfo sprechen. Am 20. Juli geht es fĂŒr eine Weile zurĂŒck nach Rom. Das MariĂ€-Himmelfahrt-Wochenende am 15. August, Höhepunkt der Feriensaison in Italien, verbringt er aber wieder in der Sommerresidenz. 

Eine Entscheidung steht noch aus: ob der Apostolische Palast in Castel Gandolfo weiterhin fĂŒr Besichtigungen geöffnet bleibt. Der Direktor der PĂ€pstlichen Villen, Andrea Tamburelli, sagt: «Die Entscheidung ĂŒber seine Zukunft liegt beim Papst.» Viele in dem StĂ€dtchen erwarten, dass Leo vom nĂ€chsten Sommer an den Palast als Unterkunft nutzen wird, so wie die meisten VorgĂ€nger. Die bayerische Flagge auf dem Schreibtisch kĂ€me dann weg.

@ dpa.de