Steinmeier, Vergebung

Steinmeier bittet um Vergebung fĂŒr deutsche GrĂ€uel in Polen

31.07.2024 - 18:01:36

Vor 80 Jahren machte die Nazi-Besatzung Warschau nach einem gescheiterten Aufstand fast dem Erdboden gleich. Die Erinnerung lastet bis heute auf den deutsch-polnischen Beziehungen.

  • Die letzten noch lebenden Veteranen waren zur Zeit des Warschauer Aufstands Kinder. - Foto: Friedemann Kohler/dpa

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  • Als zweiter BundesprĂ€sident darf Frank-Walter Steinmeier am Denkmal fĂŒr den Warschauer Aufstand sprechen. - Foto: Friedemann Kohler/dpa

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  • Blumen und militĂ€rische Ehren fĂŒr die Toten des Warschauer Aufstands. - Foto: Tomasz Gzell/PAP/dpa

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Die letzten noch lebenden Veteranen waren zur Zeit des Warschauer Aufstands Kinder. - Foto: Friedemann Kohler/dpaAls zweiter BundesprĂ€sident darf Frank-Walter Steinmeier am Denkmal fĂŒr den Warschauer Aufstand sprechen. - Foto: Friedemann Kohler/dpaBlumen und militĂ€rische Ehren fĂŒr die Toten des Warschauer Aufstands. - Foto: Tomasz Gzell/PAP/dpa

Beim Gedenken an den Warschauer Aufstand vor 80 Jahren hat BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier um Vergebung fĂŒr deutsche GrĂ€ueltaten in Polen im Zweiten Weltkrieg gebeten. Der BundesprĂ€sident traf in der polnischen Hauptstadt zunĂ€chst mit hochbetagten ehemaligen Teilnehmern des verzweifelten Widerstands gegen die deutsche Besatzung 1944 zusammen. Deutschland sei sich seiner historischen Verantwortung bewusst, sagte er den MĂ€nnern und Frauen. «Wir Deutschen dĂŒrfen nicht vergessen.»

Seine zentrale Botschaft verkĂŒndete Steinmeier bei der zentralen Gedenkfeier mit Polens PrĂ€sident Andrzej Duda und Hunderten Zuhörern. Er wolle nur einen Satz sagen, der aber von Herzen komme, sagte er: «Ich bitte, gerade heute und gerade hier, um Vergebung.» Steinmeier ist nach Roman Herzog 1994 der zweite BundesprĂ€sident, der bei diesem fĂŒr Polen wichtigen Gedenktag sprechen durfte.

Nazis schlugen Aufstand brutal nieder 

Duda nannte den Aufstand, auch wenn er scheiterte, «die moralische Grundlage der polnischen UnabhĂ€ngigkeit». Vor 80 Jahren am 1. August 1944 hatte die polnische Untergrundarmee sich gegen die deutsche Besatzung erhoben. Die Armia Krajowa (Heimatarmee) wollte die Deutschen vertreiben, damit Polen seine Hauptstadt vor dem NĂ€herrĂŒcken der Sowjetarmee wieder selbst kontrolliert. Doch Wehrmacht und SS schlugen den Aufstand in 63 Tagen brutal nieder und verĂŒbten Massaker an der Zivilbevölkerung, die zu den schlimmsten deutschen Kriegsverbrechen zĂ€hlen. Etwa 200.000 Menschen wurden getötet, die meisten von ihnen Zivilisten. Warschau wurde aus Rache weitgehend zerstört.

«Der Warschauer Aufstand gehört zu den grausamsten Kapiteln in der langen Geschichte, die unsere beiden Völker, die Polen und Deutsche miteinander teilen», sagte Steinmeier. «Und er gehört zu den heldenhaftesten Kapiteln der polnischen Geschichte.» Es dĂŒrfe in Deutschland nicht in Vergessenheit geraten, mit welchem Vernichtungswillen die deutsche Besatzung gegen das Nachbarvolk vorgegangen sei.

Polens Forderung nach EntschÀdigung

Zugleich sei er dankbar, dass Deutsche und Polen mittlerweile zu guten Nachbarn geworden seien. Beide LĂ€nder sollten gemeinsam an einer europĂ€ischen Zukunft arbeiten und insbesondere die von Russland angegriffene Ukraine unterstĂŒtzen. Auf polnische EntschĂ€digungsforderungen wegen der Zerstörungen und des enormen Verlusts an Menschen im Zweiten Weltkrieg ging der BundesprĂ€sident nur am Rande ein. Vieles sei auf dem Weg, auch fĂŒr die letzten noch lebenden Opfer der Besatzung, hieß es. Dazu stĂŒnden die Regierungen in engem Austausch. Steinmeier verwies auch auf das geplante Deutsch-Polnische Haus als Erinnerungsort in Berlin.

Vor allem die vorige nationalkonservative Regierung, die bis Dezember 2023 in Warschau amtierte, hatte gegen Deutschland milliardenschweren Forderungen erhoben. Die neue Mitte-Links-Regierung unter MinisterprĂ€sident Donald Tusk hĂ€lt sich mehr zurĂŒck. Trotzdem ist die Frage in der polnischen Gesellschaft prĂ€sent; und sie wurde auch bei den deutsch-polnischen Regierungskonsultationen Anfang Juli in Warschau angesprochen. Dabei sieht die Bundesregierung die Frage von Reparationen als rechtlich abgeschlossen an, sucht aber nach Wegen einer engeren Kooperation mit Polen. 

Der BundesprĂ€sident wird bei dem Besuch in Warschau von Kulturstaatsministerin Claudia Roth (GrĂŒne) begleitet. Am Donnerstag soll Steinmeier in Warschau mit seinem polnischen Kollegen Duda zusammentreffen. 

 

 

@ dpa.de