Trump warnt Putin vor schwerwiegenden Konsequenzen
13.08.2025 - 21:09:39Nach einer Abstimmungsrunde mit den EuropĂ€ern hat US-PrĂ€sident Donald Trump Kremlchef Wladimir Putin mit «sehr schwerwiegenden Konsequenzen» gedroht, falls sich dieser nicht auf ein Ende des Ukraine-Kriegs einlasse. Auf die RĂŒckfrage, ob er damit Zölle meine, ging der PrĂ€sident bei einem Auftritt in Washington nicht ein. Zuvor hatten die EuropĂ€er versucht, Trump vor seinem Treffen mit Putin auf fĂŒnf Punkte fĂŒr FriedensgesprĂ€che festzulegen - darunter einen Waffenstillstand und Sicherheitsgarantien.
«In Alaska mĂŒssen grundlegende europĂ€ische und ukrainische Sicherheitsinteressen gewahrt bleiben», verlangte Kanzler Friedrich Merz (CDU) bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj in Berlin nach einer Telefonkonferenz der EuropĂ€er mit Trump. Merz sprach mit Blick auf das Trump-Putin-Treffen am Freitag von «Hoffnung auf Bewegung» und «Hoffnung auf einen Frieden in der Ukraine».
Die EuropĂ€er und Selenskyj befĂŒrchten, dass sich Trump und Putin am Freitag in Alaska auf Gebietsabtretungen der Ukraine an Russland verstĂ€ndigen könnten, die Kiew strikt ablehnt.
Als Signal der UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine hatte Merz, der die Videoschalten organisiert hatte, Selenskyj zu den Schaltkonferenzen direkt nach Berlin eingeladen. Der Ukrainer verwies zur Frage von Gebietsabtretungen auf die Verfassung seines Landes, die diese nicht erlaubt. Selenskyj sagte aber: «Ich möchte sofort unterstreichen, dass jegliche Fragen, welche die territoriale Unversehrtheit unseres Staates betreffen, nicht ohne BerĂŒcksichtigung unseres Staates, unseres Volkes, den Willen des Staates, den Willen unseres Volkes und der Verfassung der Ukraine besprochen werden können.»
«Ein Waffenstillstand muss am Anfang stehen»
Merz betonte, bei den Beratungen seien sich die Teilnehmer in der Bewertung der Ausgangslage wie auch in dem erreichbaren Ziel fĂŒr Freitag sehr einig gewesen. Er sagte mit Blick auf das Gipfeltreffen in Alaska: «Wir wollen, dass PrĂ€sident Donald Trump am Freitag in Anchorage Erfolg hat.»
Deutlich gemacht worden sei, dass die Ukraine mit am Tisch sitzen mĂŒsse, sobald es Folgetreffen gebe. «Wir wollen, dass in der richtigen Reihenfolge verhandelt wird. Ein Waffenstillstand muss am Anfang stehen», sagte Merz. Wesentliche Elemente sollten anschlieĂend in einem Rahmenabkommen vereinbart werden.
Drittens nannte er: «Die Ukraine ist zu Verhandlungen ĂŒber territoriale Fragen bereit. Dann muss aber die sogenannte Kontaktlinie der Ausgangspunkt sein und eine rechtliche Anerkennung russischer Besetzungen steht nicht zur Debatte. Der Grundsatz, dass Grenzen nicht gewaltsam verĂ€ndert werden dĂŒrfen, muss fortgelten.» Als Kontaktlinie wird der Frontverlauf bezeichnet.
Nötig seien zudem «robuste Sicherheitsgarantien fĂŒr Kiew» und die VerteidigungsfĂ€higkeit durch die ukrainischen StreitkrĂ€fte. Zudem mĂŒssten Verhandlungen Teil einer gemeinsamen transatlantischen Strategie sein.
Ohne Ergebnisse in Alaska mehr Druck auf Russland gefordert
Sollte es in Alaska keine Bewegung geben, mĂŒssten die USA und die EuropĂ€er den Druck erhöhen, sagte Merz: «PrĂ€sident Trump kennt diese Position, er teilt sie sehr weitgehend. Und deswegen kann ich sagen: Wir haben ein wirklich ausgesprochen konstruktives und gutes GesprĂ€ch miteinander gehabt.»
Trump stellte nach der Telefonschalte mit den EuropĂ€ern erneut ein Treffen zwischen Selenskyj und Putin in Aussicht. Daran wolle er selbst ebenfalls teilnehmen, sofern Selenskyj und Putin dies wĂŒnschten. Allerdings wolle er abwarten, wie sein Treffen mit Putin in Alaska verlaufe - denn ebenso könne es auch nicht zu einem weiteren Treffen kommen.
Regierungskreise: Werden zĂŒgig auf Alaska-Gipfel reagieren
In deutschen Regierungskreisen hieĂ es, man habe mit Trump verabredet, dass dieser die EuropĂ€er umgehend ĂŒber das Treffen mit Putin unterrichten werde. Voraussichtlich werde Trump erst Selenskyj informieren, um diesen aufzuwerten, und anschlieĂend Freitagnacht oder Samstagvormittag die europĂ€ische Kerngruppe, zu der auch Deutschland gehört. Die Bundesregierung wolle diese europĂ€isch-ukrainische Gruppe eng zusammenhalten, um auf das Ergebnis von Anchorage zĂŒgig, einig, klar und entschieden zu reagieren.
Neben Merz, Selenskyj und Trump waren EU-KommissionsprÀsidentin Ursula von der Leyen, EU-RatsprÀsident António Costa und Nato-GeneralsekretÀr Mark Rutte zugeschaltet sowie Frankreichs StaatsprÀsident Emmanuel Macron, der britische Premierminister Keir Starmer, Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni und der finnische PrÀsident Alexander Stubb. Ferner war Polen in verschiedenen Runden durch Staatsoberhaupt Karol Nawrocki beziehungsweise Regierungschef Donald Tusk vertreten.
Nach Ansicht der EU-KommissionsprĂ€sidentin haben Europa, die USA und die Nato ihre gemeinsame Basis gestĂ€rkt, wie sie nach der Schaltkonferenz mitteilte. Sie sprach von einem «sehr guten GesprĂ€ch», bei dem man sich ĂŒber das bevorstehende bilaterale Treffen in Alaska ausgetauscht habe.
Macron fĂŒr Dreiertreffen Trump-Putin-Selenskyj in Europa
Macron sprach sich fĂŒr ein Dreiertreffen zwischen Trump, Putin und Selenskyj in Europa aus. Er erklĂ€rte: «Wir wĂŒnschen uns, dass das in Europa abgehalten wird, in einem neutralen Land, das von allen Seiten akzeptiert wird.»
Kanzlerwohnung, Geheimschutzraum und BibliothekÂ
Merz, der die drei verschieden zusammengesetzten internationalen Schalten zu Trumps Ukraine-Politik und dessen Alaska-Gipfel mit Putin initiiert hatte, nutzte fĂŒr die bislang eher ungewöhnlichen Formate im Kanzleramt mehrere RĂ€ume. So fand das Essen mit Selenskyj und dessen Team in der Kanzlerwohnung im achten Stock statt. Wegen der Vertraulichkeit beriet die Kerngruppe der europĂ€ischen Ukraine-UnterstĂŒtzer dann im abhörsicheren Geheimschutzraum. Die Telefonschalte mit Trump habe es dann in der zum Videoraum umfunktionierte Bibliothek gegeben, hieĂ es aus deutschen Regierungskreisen.Â
Russland will in Alaska auch ĂŒber bilaterale Fragen sprechen
Russland will in Alaska am Freitag nach Angaben des AuĂenministeriums in Moskau weiter auf eine Normalisierung der bilateralen Beziehungen hinarbeiten. Es gehe um alle Fragen, die sich angestaut hĂ€tten â angefangen beim Ukraine-Konflikt bis hin zu den Hindernissen fĂŒr einen normal funktionierenden Dialog zwischen den beiden LĂ€ndern, sagte der stellvertretende Ministeriumssprecher Alexej Fadejew in Moskau. Der Gipfel habe höchste Bedeutung fĂŒr den internationalen Frieden und die StabilitĂ€t in der Welt.









