Italien, Deutschland

Nord-Stream-Anschläge: Ukrainer kann ausgeliefert werden

16.09.2025 - 11:45:28

Vor drei Jahren wurden die Gas-Pipelines aus Russland in der Ostsee schwer beschädigt. Jetzt rückt ein Prozess vor einem deutschen Gericht näher. Die italienische Justiz gibt grünes Licht.

Drei Jahre nach den Anschlägen auf die Nord-Stream-Gaspipelines in der Ostsee kann einer der mutmaßlichen Drahtzieher nach Deutschland ausgeliefert werden. Die italienische Justiz gab grünes Licht für die Überstellung des 49 Jahre alten Ukrainers an die deutschen Behörden, wie dessen Anwalt der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Einen Termin dafür gibt es noch nicht. Die Entscheidung des Gerichts in der norditalienischen Stadt Bologna wird möglicherweise von Italiens oberstem Gericht noch einmal überprüft. 

Der Ukrainer war Ende August an der Adriaküste festgenommen worden. Offenbar rechnete er nicht damit, dass ein internationaler Haftbefehl vollstreckt wird. Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft gehörte Serhij K. zu einer Gruppe, die im September 2022 nahe der Ostseeinsel Bornholm Sprengsätze an den Pipelines Nord Stream 1 und 2 platzierte. Sie wirft ihm gemeinschaftliches Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und verfassungsfeindliche Sabotage vor. 

Verdächtiger soll Ex-Agent des ukrainischen Geheimdienstes sein

Nach der Auslieferung soll der Ukrainer in Deutschland vor Gericht gestellt werden. Allerdings versucht sein Anwalt Nicola Canestrini noch, mit einem Gang vor den italienischen Kassationsgerichtshof in Rom, die Überstellung an die deutschen Behörden zu verhindern. Die Aussichten werden als gering beurteilt. 

Nach Informationen des Magazins «Der Spiegel» soll der Mann ein ehemaliger Agent des ukrainischen Geheimdienstes SBU sein. K. wurde in der Gemeinde San Clemente im Hinterland des beliebten Adria-Badeortes Rimini gefasst, wo er mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern die Ferien verbrachte. Die italienischen Behörden halten es für möglich, dass er auch an Anschlägen auf Schiffe der sogenannten russischen Schattenflotte im Mittelmeer beteiligt war.

Bei dem Haftprüfungstermin wies K. jegliche Vorwürfe zurück. Er behauptete, in der Zeit der Anschläge auf die Pipelines in der Ukraine gewesen zu sein. Zugleich wehrte er sich dagegen, nach Deutschland überstellt zu werden. Auch Kiew bestreitet, hinter den Anschlägen auf die Gaspipelines zu stecken. Die Ukraine wehrt sich schon seit mehr als dreieinhalb Jahren gegen einen Angriffskrieg aus Russland.

Anschlag machte weltweit Schlagzeilen

Der Anschlag im Herbst vor drei Jahren hatte weltweit Schlagzeilen gemacht. Mehrere Sprengungen beschädigten die beiden Pipelines so sehr, dass kein Gas mehr durchgeleitet werden konnte. An drei der insgesamt vier Leitungen wurden Lecks entdeckt. Allerdings war zuvor schon kein Gas mehr durch die Leitungen geflossen. 

Nach Kriegsbeginn im Februar 2022 hatte Russland seine Lieferungen schrittweise gedrosselt und Anfang September völlig eingestellt - angeblich wegen technischer Probleme. Beobachter vermuteten, dass damit der Druck auf den Westen und insbesondere Deutschland erhöht werden sollte, wegen des Kriegs erlassene Sanktionen gegen Russland zurückzunehmen. Inzwischen sind viele weitere Sanktionen hinzugekommen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Dämpfer zum Start: Eishockey-Frauen verlieren gegen Schweden. Zum Turnierstart verliert das DEB-Team klar gegen Schweden. Dabei ging es zunächst gut los. Das Olympia-Ziel Halbfinale dürfte unrealistisch bleiben für die Eishockey-Nationalmannschaft der Frauen. (Sport, 05.02.2026 - 14:41) weiterlesen...

Fahnenträger Draisaitl: Aufmerksamkeit auch in Deutschland?. Die Aufmerksamkeit in Deutschland für seine Leistungen in der NHL ist aber gering. Das könnte sich nun ändern. Einen Eishockeyspieler wie Leon Draisaitl hat es in Deutschland noch nie gegeben. (Sport, 05.02.2026 - 13:18) weiterlesen...

DOSB-Chef verteidigt Draisaitl-Wahl zum Fahnenträger. Der DOSB-Präsident weist Kritik an der Entscheidung zurück. Leon Draisaitl wird Fahnenträger – ohne je bei Olympia gewesen zu sein. (Sport, 05.02.2026 - 12:13) weiterlesen...

Letzte Gold-Chancen: Preuß hat noch eine Rechnung offen. Warum eine Einzelmedaille für die Erfolgsbiathletin besonders wäre – und Gold nicht alles bedeutet. Franziska Preuß startet in Antholz zum letzten Mal bei Olympia. (Sport, 05.02.2026 - 11:35) weiterlesen...

Draisaitl und Schmid Fahnenträger bei Eröffnungsfeier. Bei der Abstimmung gab es eine Rekordbeteiligung für Winterspiele. Die Wahl ist gefallen: Leon Draisaitl und Katharina Schmid tragen bei der Olympia-Eröffnung die deutsche Fahne. (Politik, 04.02.2026 - 17:39) weiterlesen...

Draisaitl und Schmid tragen deutsche Fahne bei Olympia. Bei der Abstimmung gab es eine Rekordbeteiligung für Winterspiele. Die Wahl ist gefallen: Leon Draisaitl und Katharina Schmid tragen bei der Olympia-Eröffnung die deutsche Fahne. (Politik, 04.02.2026 - 17:32) weiterlesen...