Wadephul und Lawrow treffen sich erstmals seit Ukraine-Kriegsbeginn
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 18:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat sich in New York überraschend mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow getroffen.
Erstes Treffen seit Beginn des Krieges
Das rund 20-minütige Gespräch fand am Rand der UN-Generaldebatte in einem Besprechungszimmer der russischen Seite im UN-Gebäude statt. Zum Abschluss gaben sich beide Minister die Hand.
Es war das erste bilaterale Gespräch der Außenminister Deutschlands und Russlands seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Jahr 2022. Die damalige Außenministerin Annalena Baerbock hatte Lawrow zuletzt im Januar 2022 in Moskau getroffen.
Wadephul fordert Deeskalation
Wadephul forderte Russland nach Angaben aus deutschen Delegationskreisen zur Deeskalation auf. Vorfälle wie der versuchte Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle Anfang August und weitere hybride Angriffe würden Deutschlands Unterstützung für die Ukraine nicht erschüttern, beeinträchtigten aber das ohnehin beschädigte Verhältnis.
Gleichzeitig machte Wadephul demnach deutlich, dass eine Rückkehr zu einem konstruktiveren Verhältnis grundsätzlich möglich sei. Voraussetzung sei eine ernsthafte Bereitschaft der russischen Führung, den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg zu beenden und an einer dauerhaften Friedensordnung in Europa mitzuwirken.
Unterschiedliche Darstellung der Kontaktaufnahme
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, hatte laut der Nachrichtenagentur Tass erklärt, die deutsche Seite habe um das Treffen gebeten. Aus deutschen Delegationskreisen hieß es dagegen, Lawrow habe über Drittstaaten Gesprächsbereitschaft signalisiert.
Die deutsche Seite sei darauf zurückgekommen, Wadephul habe erstmals in ein Treffen eingewilligt. Eine gemeinsame Darstellung des Zustandekommens lag damit zunächst nicht vor.
Streit über hybride Angriffe
Wadephul hatte Russland wenige Tage zuvor im UN-Sicherheitsrat eine neue Stufe hybrider Angriffe gegen Europa vorgeworfen. Die Bundesregierung macht Moskau auch für einen versuchten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich; Russland weist die Vorwürfe zurück.
Als Reaktion kündigte die Bundesregierung Sanktionen an, darunter die Kündigung des Vertrags für den Betrieb des Russischen Hauses in Berlin. Moskau stellte Gegenmaßnahmen in Aussicht und ordnete unter anderem die Schließung der Goethe-Institute in Russland an.
Medwedew droht mit direkten Schlägen
Der Vizechef des russischen nationalen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, erklärte, Deutschland verdiene wegen seiner „russlandfeindlichen Politik“ eine Bestrafung. Er nannte dabei auch direkte Schläge gegen deutsche Rüstungsbetriebe, die Militärgüter an die Ukraine liefern.
Deutschland gehört zu den wichtigsten Unterstützern der Ukraine. Nachdem die USA ihre Unterstützung unter Präsident Donald Trump zurückgefahren haben, kommt der europäischen und insbesondere der deutschen Hilfe für Kiew größere Bedeutung zu.
Diplomatie trotz tiefem Bruch
Das Treffen fällt in eine Phase, in der direkte politische Kontakte zwischen Berlin und Moskau auf ein Minimum reduziert sind. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 prägen Unterstützung für Kiew, Sanktionen und gegenseitige Vorwürfe das Verhältnis. Wadephuls Gespräch mit Lawrow schafft deshalb keinen Kurswechsel, markiert aber einen seltenen direkten Kommunikationskanal auf höchster außenpolitischer Ebene.
Der Ort am Rand der UN-Generaldebatte ist dafür politisch bedeutsam: New York bietet den beteiligten Regierungen Gesprächsmöglichkeiten, ohne dass daraus bereits ein bilateraler Verhandlungsprozess folgt. Zugleich stehen die Minister unter dem Eindruck internationaler Bemühungen um eine Beendigung des Krieges und unterschiedlicher Vorstellungen über Waffenruhe, Sicherheitsgarantien und eine europäische Friedensordnung.
Begrenzte Wirkung, hohe Symbolik
Für Deutschland bleibt die Unterstützung der Ukraine der zentrale Maßstab seiner Russlandpolitik. Berlin verbindet eine mögliche Verbesserung der Beziehungen mit einem Ende des Angriffskriegs und einer dauerhaften Friedensordnung. Der Gesprächsinhalt zeigt damit vor allem die Bedingungen für eine Annäherung, nicht deren unmittelbaren Beginn.
Die zusätzlichen Spannungen durch mutmaßliche hybride Angriffe und den Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle erschweren eine Rückkehr zu Normalität. Für Leser in Deutschland könnte das Treffen dennoch praktische Bedeutung haben, wenn daraus neue Gesprächsformate zu Sicherheitsfragen, Gefahrenabwehr oder Krisenkommunikation entstünden. Konkrete Ergebnisse oder Vereinbarungen wurden nach dem kurzen Austausch nicht bekannt.
