Wadephul und Lawrow treffen sich in New York â keine AnnĂ€herung
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 22:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundesauĂenminister Johann Wadephul und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow haben sich in New York am Rande der UN-Generaldebatte erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zu einem bilateralen GesprĂ€ch getroffen.
Kein Durchbruch nach 20 Minuten
Das GesprÀch dauerte gut 20 Minuten. Wadephul bezeichnete es als intensiv und sagte, bei wesentlichen Punkten sei keine Einigung erzielt worden; Lawrow stellte den zusÀtzlichen Nutzen des Austauschs infrage.
Seit dem Treffen der damaligen AuĂenministerin Annalena Baerbock mit Lawrow im Januar 2022 in Moskau hatte es auf dieser Ebene kein direktes GesprĂ€ch zwischen deutschen und russischen Regierungsvertretern gegeben.
Berlin fordert Deeskalation
Nach Angaben aus deutschen Delegationskreisen forderte Wadephul Russland zur Deeskalation auf. Er habe erklĂ€rt, VorfĂ€lle wie der Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle Anfang August und weitere hybride Angriffe wĂŒrden Deutschlands UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine nicht erschĂŒttern, belasteten aber das ohnehin beschĂ€digte VerhĂ€ltnis.
Zudem habe Wadephul eine ernsthafte Bereitschaft der russischen FĂŒhrung zum Ende des Krieges verlangt. Die deutsche Seite habe das Treffen nach Lawrows Darstellung am Vortag kurzfristig angefragt. Am Rande der UN-Generalversammlung war dagegen auch zu hören, Lawrow habe ĂŒber Drittstaaten GesprĂ€chsbereitschaft signalisiert.
Streit ĂŒber russische Angriffe
Wadephul hatte wenige Tage zuvor vor einer neuen Stufe russischer hybrider Angriffe gegen europĂ€ische UnterstĂŒtzer der Ukraine gewarnt. Die Bundesregierung macht Moskau unter anderem fĂŒr den versuchten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich; Russland weist die VorwĂŒrfe zurĂŒck.
Berlin kĂŒndigte einen Sanktionskatalog gegen Moskau an. Dazu gehört die KĂŒndigung des Vertrags fĂŒr den Betrieb des Russischen Hauses in Berlin, dem eine Nutzung als getarntes Spionagezentrum vorgeworfen wird. Russland kĂŒndigte GegenmaĂnahmen an und ordnete unter anderem die SchlieĂung der Goethe-Institute im Land an.
Medwedew droht Deutschland
Der Vizechef des russischen nationalen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, sagte, Deutschland verdiene wegen seiner russlandfeindlichen Politik eine Bestrafung. Er nannte dabei auch direkte SchlĂ€ge gegen deutsche RĂŒstungsbetriebe, die MilitĂ€rgĂŒter an die Ukraine liefern.
Wadephul begrĂŒndete das GesprĂ€ch mit der Notwendigkeit, auch mit Gegnern zu verhandeln. Zugleich betonte er, Europa dĂŒrfe den Austausch mit Russland nicht vollstĂ€ndig den USA ĂŒberlassen, und bekrĂ€ftigte den Grundsatz, nicht ohne die Ukraine ĂŒber die Ukraine zu sprechen.
UN-Generaldebatte endet am Montag
Das Treffen fand wĂ€hrend der laufenden UN-Generaldebatte statt, an der beide AuĂenminister teilnahmen. Die wichtigste Woche der Vereinten Nationen endet am Montag.
Direkter Kontakt trotz tiefem ZerwĂŒrfnis
Das GesprĂ€ch in New York markiert vor allem eine diplomatische RĂŒckkehr zum direkten Austausch auf AuĂenministerebene. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine hatten sich die politischen Positionen weiter verhĂ€rtet: Deutschland unterstĂŒtzt die Ukraine, wĂ€hrend Moskau den Krieg fortsetzt und VorwĂŒrfe hybrider Angriffe zurĂŒckweist. Ein bilaterales Treffen schafft deshalb zunĂ€chst einen Kommunikationskanal, bedeutet aber keine politische AnnĂ€herung.
Diplomatie unter Bedingungen
Wadephuls Forderung nach Deeskalation steht im Zusammenhang mit der deutschen Sorge vor einer Ausweitung russischer AktivitĂ€ten gegen europĂ€ische UnterstĂŒtzer der Ukraine. Zugleich folgt das GesprĂ€ch dem Grundsatz, dass Konflikte mit Gegnern nicht allein ĂŒber öffentliche ErklĂ€rungen bearbeitet werden können. FĂŒr Berlin bleibt dabei maĂgeblich, dass Entscheidungen ĂŒber die Ukraine nicht ohne die ukrainische Regierung getroffen werden.
Folgen fĂŒr Deutschland und Europa
Die Bedeutung des Treffens liegt daher weniger in einem unmittelbaren Ergebnis als in der Frage, ob der Kontakt fortgesetzt werden kann. GesprĂ€che könnten helfen, MissverstĂ€ndnisse zu begrenzen, Gefahrenlagen zu klĂ€ren und internationale Verhandlungen vorzubereiten. Solange Russland jedoch keine Bereitschaft zu einer konstruktiven Friedenslösung erkennen lĂ€sst, bleiben Sanktionen, UnterstĂŒtzung der Ukraine und die Abstimmung innerhalb Europas die bestimmenden politischen Instrumente. FĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger bedeutet das, dass der GesprĂ€chskanal die Sicherheitslage kurzfristig nicht entspannt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âLawrow und Wadephul reden in UN-Generalversammlungâ (26.09.2026)
Der Bericht bestĂ€tige das Treffen am Rande der UN-Generalversammlung und ordne es als direkten Austausch der beiden AuĂenminister ein. Einen vollstĂ€ndigen redaktionellen Schwerpunkt ĂŒber GesprĂ€chsinhalte und die unterschiedlichen Bewertungen der Minister setze der Audiobeitrag jedoch nicht.
Der Liveticker bestĂ€tige das erste bilaterale Treffen seit Jahren und verorte es am Rand der UN-Generaldebatte. Anders als die dpa-Meldung konzentriere sich der Beitrag auf die Einordnung in die anhaltenden militĂ€rischen Ereignisse und liefere zum GesprĂ€ch selbst nur knappe Angaben; offen bleibe dort, ob weitere Kontakte folgen wĂŒrden.
Beide BeitrÀge bestÀtigten den direkten Austausch in New York. Unterschiede lÀgen vor allem in der Gewichtung: WÀhrend der eine Bericht den diplomatischen Vorgang hervorhebe, stelle der andere ihn in den laufenden Krieg und die gegenseitigen Angriffe ein.
