Gefechte im Sudan nach Waffenpause fortgesetzt
11.06.2023 - 14:39:55Nach einer weitgehend eingehaltenen 24-stĂŒndigen Waffenruhe sind in Sudans Hauptstadt Khartum erneut Gefechte ausgebrochen. Das berichteten Augenzeugen und mehrere Medien.
Demnach soll die sudanesische Armee bereits kurz nach Ende der Feuerpause um 6.00 Uhr Ortszeit unter anderem erneut Luftangriffe gegen Stellungen der gegnerischen ParamilitĂ€rs RSF in Khartums Vororten Bahri und Omdurman durchgefĂŒhrt haben. Auch Artillerie und Luftabwehrraketen seien zu hören gewesen.
Die Feuerpause war - wie bereits zuvor - von den USA und Saudi-Arabien vermittelt worden war. Ziel war es, humanitÀre Versorgung zu ermöglichen. Medien und Augenzeugen zufolge blieb es in Khartum tatsÀchlich ruhig.
Die Situation an anderen Orten im Land, vor allem in der teils von schwerer Gewalt betroffenen Region Darfur, war schwer zu ĂŒberprĂŒfen. Nachdem vorherige Feuerpausen wiederholt gescheitert waren, hatten die Vermittler gewarnt, ein VerstoĂ könne den Abbruch der Verhandlungen mit den Parteien im saudischen Dschidda bedeuten. Wann GesprĂ€che fortgesetzt werden, war zunĂ€chst offen.
Im Sudan kĂ€mpfen seit Mitte April die Rapid Support Forces (RSF) des frĂŒheren Vize-Machthabers Mohammed Hamdan Daglo, eine aus Milizen hervorgegangene Quasi-Armee mit Zehntausenden KĂ€mpfern, gegen die StreitkrĂ€fte unter der FĂŒhrung von De-facto-Staatschef Abdel Fattah al-Burhan.
Die beiden GenerĂ€le hatten sich 2019 und 2021 gemeinsam an die Macht geputscht, spĂ€ter aber zerstritten. Ein von der Zivilbevölkerung geforderter Ăbergang zur Demokratie in dem rund 46 Millionen Einwohner zĂ€hlenden Land im Nordosten Afrikas blieb aus.
Ărzte ohne Grenzen erklĂ€ren HintergrĂŒnde zum RSR-Video
Die Hilfsorganisation Ărzte ohne Grenzen berichtete am Samstag, dass ihre Mitarbeiter zu einem Propagandavideo zugunsten der RSF genötigt worden seien. Ihr Konvoi sei beim Verlassen eines Lagerhauses gestoppt worden. «Die RSF forderte uns auf, vor der Kamera eine ErklĂ€rung ĂŒber die Vorgehensweise der RSF in diesem Fall abzugeben und wir waren dazu verpflichtet, damit unser Konvoi seine Reise fortsetzen konnte.»
Die RSF hatten am Freitag ein Video veröffentlicht, das einen Uniformierten mit einer Gruppe von MSF-Mitarbeitern zeigt. «Wurden Sie Gegenstand illegaler Handlungen, Erpressungen, Drohungen oder Gewalt durch RSF-Personal?», fragt der Mann laut Untertiteln. Ein Mitarbeiter antwortet unter anderem, dass humanitĂ€re Gesetze eingehalten wĂŒrden und man ohne Einflussnahme jeglicher Partei arbeiten könne.
MSF und andere Helfer haben seit Ausbruch des Konflikts immer wieder PlĂŒnderungen und Angriffe beklagt. «Die MSF-Teams beantworteten die Fragen unter BestĂ€tigung der humanitĂ€ren GrundsĂ€tze von MSF: Wir sind mit keiner der Konfliktparteien verbĂŒndet und unser einziges Ziel ist es, die vom Konflikt betroffene Bevölkerung zu unterstĂŒtzen, die medizinische Hilfe benötigt», teilten MSF mit. «Lebensnotwendige humanitĂ€re Hilfe darf nicht instrumentalisiert werden.»
Die Weltgesundheitsorganisation zĂ€hlte bis Anfang Juni 48 bestĂ€tigte Angriffe auf Gesundheitspersonal. Nach Angaben des UN-NothilfebĂŒros OCHA unter Verweis auf Zahlen des Gesundheitsministeriums sind im Konflikt bis Anfang Juni mindestens 780 Menschen getötet und 5800 verletzt worden. Rund 1,6 Millionen Menschen sind auf der Flucht.


