USA, Iran

Verhandlungen in der Schweiz - Trump droht aus Washington

21.06.2026 - 20:01:37 | dpa.de

WĂ€hrend die USA und der Iran in der Schweiz verhandeln, sorgen scharfe Warnungen von Donald Trump fĂŒr Spannungen. Wie reagieren die Delegationen auf die Drohungen aus Washington?

  • Ein Blick in das Verhandlungszimmer im BĂŒrgenstock Resort am VierwaldstĂ€ttersee. - Bild: Urs Flueeler/KEYSTONE/dpa
    Ein Blick in das Verhandlungszimmer im BĂŒrgenstock Resort am VierwaldstĂ€ttersee. - Bild: Urs Flueeler/KEYSTONE/dpa
  • Die US-Delegation fĂŒhrt VizeprĂ€sident JD Vance (l) an. - Bild: Nathan Howard/Pool Reuters/AP/dpa
    Die US-Delegation fĂŒhrt VizeprĂ€sident JD Vance (l) an. - Bild: Nathan Howard/Pool Reuters/AP/dpa
Ein Blick in das Verhandlungszimmer im BĂŒrgenstock Resort am VierwaldstĂ€ttersee. - Bild: Urs Flueeler/KEYSTONE/dpa Die US-Delegation fĂŒhrt VizeprĂ€sident JD Vance (l) an. - Bild: Nathan Howard/Pool Reuters/AP/dpa

WĂ€hrend der laufenden GesprĂ€che zwischen den USA und dem Iran schickt US-PrĂ€sident Donald Trump Drohungen in Richtung Teheran. Der Iran mĂŒsse seine «hoch bezahlten Stellvertreter» im Libanon - damit meinte er die Hisbollah - unverzĂŒglich daran hindern, Unruhe zu stiften, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. «Wenn sie das nicht tun, werden wir den Iran erneut sehr hart treffen», erklĂ€rte Trump. 

Dem Sender Fox News sagte Trump, er habe dem Iran wegen der Straße von Hormus eine dringende Warnung ĂŒbermittelt. «Wenn ihr sie schließt, habt ihr kein Land mehr», wurde Trump von Fox News zitiert. «Ihr werdet nicht einmal mehr in euer verdammtes Land zurĂŒckkehren können.»

Am Sonntagnachmittag begann nach Angaben des Vermittlers Katar die erste GesprĂ€chsrunde zur Beilegung des Iran-Konflikts im schweizerischen Luxusresort BĂŒrgenstock. Neben Vertretern der Konfliktparteien USA und Iran nahmen demnach auch ReprĂ€sentanten der Vermittlerstaaten Katar und Pakistan teil. Man habe die Hoffnung, dass die Treffen zu einer «umfassenden und dauerhaften Einigung fĂŒhren zu allen Punkten im Rahmenabkommen», auf das Washington und Teheran sich geeinigt haben, hieß es. 

US-VizeprĂ€sident JD Vance, der fĂŒr die USA teilnimmt, stellte in der Schweiz eine Neujustierung der Beziehungen zum Iran in Aussicht. «Der PrĂ€sident hat uns aufgefordert, ein neues Kapitel aufzuschlagen und unser VerhĂ€ltnis zum iranischen Volk neu auszurichten», sagte Vance unter Bezug auf Trump. «Allein in den vergangenen Stunden haben wir bereits große Fortschritte erzielt, und ich gehe davon aus, dass wir weitere Fortschritte machen werden.»

Laut dem iranischen Außenamtssprecher Ismail Baghai sollte es bei den GesprĂ€chen um eine Waffenruhe im Libanon, den ungestörten Ölexport und die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte gehen. Insgesamt ist das Ziel, binnen 60 Tagen eine finale Einigung zwischen den USA und dem Iran zu erzielen, die auch Bestimmungen zum Umgang mit Teherans umstrittenen Atomprogramm enthalten soll.

Anlaufschwierigkeiten nach Trump-Drohungen

Doch nach den zunĂ€chst versöhnlichen Worten von Vance sorgten Trumps Drohungen Berichten zufolge fĂŒr erste Verstimmungen. Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim legte die iranische Delegation in BĂŒrgenstock Protest gegen die Drohungen ein. Dem englischsprachigen Staatssender Press TV zufolge prĂŒfe die iranische Abordnung eine angemessene Reaktion darauf. 

Laut Tasnim gelten auch Drohungen im Rahmen des Abkommens zwischen den USA und dem Iran als Verstoß, der Teheran zu einer Reaktion berechtigt. TatsĂ€chlich verpflichten sich beide in der Vereinbarung, sowohl auf Angriffe als auch auf Drohungen zu verzichten. 

Dass allerdings auch der Iran an einer diplomatischen Lösung interessiert scheint, zeigte sich in der Reaktion des iranischen VerhandlungsfĂŒhrers auf die QuerschĂŒsse aus Washington. Die Amerikaner sollten sich bewusst sein, dass sie sich nicht in ihrer jetzigen ausweglosen Lage befĂ€nden, wenn solche Drohungen tatsĂ€chlich Wirkung hĂ€tten, schrieb Mohammed Bagher Ghalibaf auf X. «Wir nehmen diese Äußerungen nicht ernst, dennoch wĂ€re es ratsam, wenn sie mehr ZurĂŒckhaltung ĂŒbten.» Die iranischen StreitkrĂ€fte blieben bereit, auf andere Weise zu reagieren. «UnabhĂ€ngig davon, wie viel sie reden, wir sind diejenigen, die handeln», schrieb Ghalibaf weiter.

Auch der iranische PrĂ€sident Massud Peseschkian erklĂ€rte in einer Kabinettssitzung in Teheran, Diplomatie sei vorzuziehen. Man mĂŒsse den Dialog wĂ€hlen und nicht im Zustand des Kriegs verharren - «zumal die wirtschaftliche Sicherheit des Landes fĂŒr die Regierung oberste PrioritĂ€t hat», sagte Peseschkian laut PrĂ€sidialamt. Der Iran erhofft sich angesichts der massiven Wirtschaftskrise im Land in den Verhandlungen auch Sanktionserleichterungen.

Iran will zunÀchst keinen Verhandlungs-Kontakt zur IAEA

Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, wird unterdessen zunĂ€chst nicht an den Verhandlungen in der Schweiz teilnehmen. Seine Anwesenheit am Verhandlungsort BĂŒrgenstock sei auf Wunsch der USA erfolgt, doch das iranische Team habe seine Beteiligung strikt abgelehnt, zitierte die iranische Nachrichtenagentur Tasnim eine dem Verhandlungsteam nahestehende Quelle. Der Iran habe derzeit keine Absicht, GesprĂ€che mit dem IAEA-Chef zu fĂŒhren.

Im Zusammenhang mit den GesprĂ€chen traf der Schweizer Außenminister Ignazio Cassis seinen iranischen Amtskollegen Abbas Araghtschi. Allein die Tatsache, dass die Parteien anwesend seien, miteinander sprĂ€chen und diesen Dialog fortsetzten, sei ein wichtiger Beitrag zur Umsetzung des Rahmenabkommens, hieß es.

Neben Vance sind der Schwiegersohn von Trump, Jared Kushner, sowie der US-Sondergesandte Steve Witkoff in der Schweiz dabei. Sie kĂŒmmerten sich um technische Aspekte dieser Verhandlungen, so Vance. Der VizeprĂ€sident sagte vor seinem Abflug, er selbst werde nur ein oder zwei Tage in der Schweiz sein.

Dramaturgie der GesprÀche unklar

Von iranischer Seite nehmen unter anderem ParlamentsprĂ€sident Ghalibaf als VerhandlungsfĂŒhrer und Außenminister Abbas Araghtschi teil. FĂŒr den Vermittler Pakistan reiste unter anderem Premierminister Shehbaz Sharif an. Es war zunĂ€chst unklar, wie lange die GesprĂ€che auf Ebene der VerhandlungsfĂŒhrer dauern sollten. Denkbar schien zum Beispiel, dass nach einem Auftakt zunĂ€chst fĂŒr bestimmte Themen Arbeitsgruppen gebildet werden, die dann auf niedrigerer Ebene weiterverhandeln.

UrsprĂŒnglich hĂ€tte in der Schweiz bereits am Freitag eine erste GesprĂ€chsrunde stattfinden sollen, diese war aber wegen der gegenseitigen Angriffe der israelischen Armee und der proiranischen Hisbollah nicht zustande gekommen.

Katars MinisterprĂ€sident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani sagte laut einer Mitteilung des Außenministeriums vom Abend, dass die bisher erzielten Fortschritte erhalten und ausgebaut werden mĂŒssten. Die Arbeit sei mit der Unterzeichnung der AbsichtserklĂ€rung nicht abgeschlossen, sondern dieser Schritt stelle erst den Anfang dar.

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