Leichen von Geiseln im Gazastreifen geborgen
17.11.2023 - 07:59:52Fast sechs Wochen nach dem Angriff der islamistischen Hamas auf Israel haben Soldaten nahe dem Schifa-Krankenhaus im Gazastreifen die Leichen von Geiseln geborgen.
Die Leiche der am 7. Oktober von Hamas-Terroristen im Grenzgebiet entfĂŒhrten jungen Soldatin sei in einem GebĂ€ude nahe dem gröĂten Krankenhaus in der Stadt Gaza gefunden worden, erklĂ€rte ein MilitĂ€rsprecher auf der Plattform X, vormals Twitter. Noa Marcianos Leiche sei von Experten in Israel identifiziert worden. Eine Todesursache wurde zunĂ€chst nicht mitgeteilt.
Der bewaffnete Arm der islamistischen Hamas, die Kassam-Brigaden, hatte zuvor ĂŒber Telegram ein Video der Frau veröffentlicht. Dabei war sie unter anderem mit schwersten Verletzungen zu sehen. Die Terrororganisation behauptete, die Soldatin sei am 9. November bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen getötet worden. Die Angaben konnten nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden.
Zweite tote Geisel
Das MilitĂ€r hatte zuvor in einem NachbargebĂ€ude des Krankenhauses die Leiche einer 65-jĂ€hrigen Geisel entdeckt. Die Frau war demnach am 7. Oktober bei dem Massaker der Hamas in Israel aus dem Grenzort Beeri entfĂŒhrt worden. In dem GebĂ€ude seien auch Waffen wie Maschinenpistolen und PanzerfĂ€uste gefunden worden.
Bei ihrem Einsatz in der gröĂten Klinik des KĂŒstenstreifens fanden die israelischen StreitkrĂ€fte nach eigenen Angaben auch Kommando- und Kontrollzentren. Was damit konkret gemeint ist, lieĂ ein MilitĂ€rvertreter offen. Es wurden dort demnach auch Waffen, Computer und militĂ€rische AusrĂŒstung gefunden.
Unklar blieb, ob es sich bei einem der entdeckten Zentren auch um die von der Armee unter dem Krankenhaus vermutete Kommandozentrale der palÀstinensischen Islamistenorganisation handelte. Die Hamas bestreitet die Existenz einer solchen Basis unter der Klinik.
KĂ€mpfer der islamistischen Terrororganisation Hamas aus dem Gazastreifen hatten Israel am 7. Oktober angegriffen und etwa 1200 Menschen brutal umgebracht. Zugleich wurden etwa 240 Menschen als Geiseln verschleppt. Daraufhin begann Israel Luftangriffe und Ende Oktober eine Bodenoffensive im Gazastreifen. Dabei wurden nach palĂ€stinensischen Angaben mehr als 11.000 Menschen getötet. Die Versorgungslage ist nach UN-Angaben katastrophal. Israel steht international wegen seiner KriegsfĂŒhrung unter Druck - vor allem seit dem Angriff auf die Schifa-Klinik.
Netanjahu: Gelingt nicht, Zahl ziviler Opfer zu minimieren
Der israelische Regierungschef rÀumte ein, dass die StreitkrÀfte bei ihrem Versuch, zivile Opfer zu vermeiden, nicht immer erfolgreich seien. Zwar versuche das MilitÀr, den MilitÀreinsatz im Gazastreifen mit einem Minimum an zivilen Opfern zu beenden, sagte MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu in einem Interview des US-Fernsehsenders CBS.
«Das versuchen wir, aber leider gelingt es uns nicht. Jeder Tod eines Zivilisten ist eine Tragödie. Wir versuchen alles in unserer Macht Stehende zu tun, um Zivilisten aus der Gefahrenzone zu bringen, wÀhrend die Hamas alles tut, um sie dort festzuhalten.»
MilitĂ€r: Tote bei SchieĂerei im Westjordanland
Bei einem Anschlag an einer israelischen MilitĂ€rsperre sĂŒdlich von Jerusalem wurden nach MilitĂ€rangaben ein Soldat und drei Angreifer getötet. MilitĂ€rsprecher Daniel Hagari bestĂ€tigte damit vorige Informationen von Polizei und israelischen Medien, die sich auf den Rettungsdienst beriefen. Der bewaffnete Arm der islamistischen Hamas im Gazastreifen, die Kassam-Brigaden, bekannte sich zu dem Anschlag.
Die Angreifer hatten an dem Checkpoint des MilitĂ€rs das Feuer eröffnet. Hagari zufolge hatten die AttentĂ€ter aus Hebron im Westjordanland PlĂ€ne, einen gröĂeren Anschlag zu verĂŒben. Medienberichten zufolge wollten sie nach Jerusalem gelangen.
Israel: Hamas-Tunnel auf GelÀnde der Schifa-Klinik entdeckt
Israelische Soldaten legten eigenen Angaben zufolge einen Tunnel der Hamas auf dem GelĂ€nde des Schifa-Krankenhauses frei. AuĂerdem sei auf dem GelĂ€nde ein mit Sprengfallen versehenes Fahrzeug mit einer groĂen Menge an Waffen, Munition und Handschellen entdeckt worden, teilte das MilitĂ€r mit.
Es sei fĂŒr das Massaker der Hamas am 7. Oktober in Israel und die Geiselnahmen vorbereitet worden, vermutet die Armee. Auch im Rantisi-Krankenhaus sei ein Tunnel entdeckt worden. Zudem seien im Al-Kuds-Krankenhaus Waffen und Munition aufgespĂŒrt worden.
Israel: Lieferung von Wasser und Essen fĂŒr Schifa-Klinik
Israels MilitĂ€r lieferte dem Schifa-Krankenhaus im Gazastreifen nach eigenen Angaben mehr als 4000 Liter Trinkwasser und 1500 Essensrationen. Das teilte das MilitĂ€r auf der Plattform X, vormals Twitter, mit. Fotos zeigten einen Lastwagen mit Wasserflaschen und das Abladen einer Palette durch einen Gabelstapler. Die Informationen des MilitĂ€rs lieĂen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig bestĂ€tigen.
Israels MilitĂ€r hatte am frĂŒhen Mittwochmorgen berichtet, Soldaten seien in das gröĂte Krankenhaus in der Stadt Gaza eingedrungen. Der Einsatz scheint weiter anzudauern - ungeachtet internationaler Proteste gegen den MilitĂ€reinsatz in einem Krankenhaus. Israel wirft der islamistischen Hamas vor, die Klinik als TerrorstĂŒtzpunkt zu missbrauchen.
Israels Regierungschef sieht einem US-Medienbericht zufolge zudem «starke Hinweise» darauf, dass Geiseln von der Hamas im gröĂten Krankenhaus des Gazastreifens festgehalten wurden. Das sei einer der GrĂŒnde fĂŒr den Einmarsch israelischer Soldaten in die Schifa-Klinik gewesen, sagte Netanjahu dem Fernsehsender CBS.
Israel ĂŒbernimmt Kontrolle ĂŒber Westen der Stadt Gaza
Israels Armee hat nach Angaben von Verteidigungsminister Joav Galant die Kontrolle ĂŒber den westlichen Teil der Stadt Gaza im nördlichen Gazastreifen erlangt. «Die nĂ€chste Phase hat begonnen», sagte Galant. Wie diese Phase konkret aussehen soll, lieĂ er offen.
Auch meldete die israelische Armee, sie habe die «operative Kontrolle» ĂŒber den Hafen der Stadt ĂŒbernommen, der vorher von der Hamas kontrolliert worden sei. Ărtliche Quellen bestĂ€tigten der dpa die Ăbernahme. Israels Armee forderte erneut Zivilisten in mehreren Vierteln der umkĂ€mpften Stadt Gaza zur Flucht auf. Hunderttausende sind bereits vom Norden in den SĂŒden des KĂŒstenstreifens geflohen. Allerdings gab es auch dort mehrfach israelische Luftangriffe.
MilitÀrchef in Gaza: «Werden in anderen Gebieten weitermachen»
Israels Generalstabschef Herzi Halevi kĂŒndigt indes eine Ausweitung der EinsĂ€tze im Gazastreifen an. «Wir sind kurz davor, das militĂ€rische System im nördlichen Gazastreifen zu zerschlagen (...) wir werden in anderen Gebieten weitermachen», sagte Halevi laut Mitteilung bei einem Truppenbesuch im Gazastreifen. «Es bleibt zwar noch einiges zu tun, aber wir sind auf dem besten Weg.»


