EU-Chefdiplomatin bringt Ukraine-Friedenstruppe ins Spiel
02.12.2024 - 05:00:41 | dpa.deDie neue EU-AuĂenbeauftragte Kaja Kallas hat vorgeschlagen, einen möglichen Waffenstillstand in der Ukraine durch Soldaten aus Mitgliedstaaten abzusichern. Die Soldaten fĂŒr eine solche Friedenstruppe könnten aus LĂ€ndern kommen, die sich bereits in der Vergangenheit offen fĂŒr GesprĂ€che ĂŒber eine Truppenentsendung geĂ€uĂert hĂ€tten, wie zum Beispiel Frankreich oder die baltischen Staaten, sagte die frĂŒhere estnische MinisterprĂ€sidentin am Rande von GesprĂ€chen mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj und Ministern in Kiew.Â
Die Frage, wie ein möglicher Waffenstillstand in der Ukraine abgesichert werden könnte, stellt sich vor dem Hintergrund des bevorstehenden Machtwechsels in den USA. So könnte Donald Trump als PrĂ€sident versuchen, die Ukraine und Russland zu Verhandlungen zu drĂ€ngen. DafĂŒr könnte er der Ukraine androhen, im Fall einer Verweigerungshaltung die MilitĂ€rhilfe einzustellen. Russlands PrĂ€sidenten Wladimir Putin könnte er hingegen an den Verhandlungstisch drĂ€ngen, indem er ankĂŒndigt, die MilitĂ€rhilfe fĂŒr Kiew auszubauen.
Symbolischer EU-Besuch zum Amtsantritt
Kallas und die ĂŒbrigen neuen auĂenpolitischen Spitzenvertreter der EU begannen ihre Amtszeit mit einem symboltrĂ€chtigen Besuch in der Ukraine. EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa und Chefdiplomatin Kallas sicherten in der Hauptstadt Kiew Selenskyj und mehreren Ministern ihnen ihren Beistand zu.Â
Konkret stellte Costa der Ukraine zĂŒgige Fortschritte im EU-Beitrittsprozess in Aussicht. Gemeinsam werde man daran arbeiten, im ersten Halbjahr des nĂ€chsten Jahres mindestens zwei Bereiche der Beitrittsverhandlungen zu eröffnen, sagte er. Zudem sicherte Costa der Ukraine weitere EU-Finanzhilfen und entschlossene Arbeiten am 15. Paket mit Russland-Sanktionen zu. Vom kommenden Jahr an wolle man aus Erlösen eingefrorener Vermögenswerte Russlands in der EU monatlich 1,5 Milliarden Euro an UnterstĂŒtzung leisten.
Situation an der Front ist fĂŒr Ukraine ernst
Der Besuch der beiden EU-Spitzenvertreter erfolgte in einer fĂŒr die Ukraine besonders schwierigen Zeit. Die ukrainischen Truppen geraten vor allem in der Ostukraine immer mehr unter Druck und mĂŒssen nahezu tĂ€glich Positionen aufgeben. Als Hauptgrund werden zunehmend fehlende Soldaten auf ukrainischer Seite angesehen.
Das russische MilitĂ€r startete am Abend erneut DrohnenschwĂ€rme in Richtung Ukraine. Nach Medienberichten flogen die Gruppen sogenannter Kamikaze-Drohnen aus verschiedenen Himmelsrichtungen ein. Ein klarer Kurs war nicht zu erkennen, da die Drohnen - wie auch bei frĂŒheren Angriffen - an verschiedenen Orten kreisen und dann neue Richtungen einschlagen, um die ukrainische Flugabwehr zu verwirren. An mehreren Orten nahm die Flugabwehr die Drohnen nach Medienberichten unter Beschuss.
Bericht: Fahnenflucht wird zum Problem fĂŒr KiewÂ
Nach einem Bericht der «Financial Times» wird Fahnenflucht zunehmend zum Problem fĂŒr das ukrainische MilitĂ€r. Die StaatsanwĂ€lte hĂ€tten allein in diesem Jahr bereits 60.000 FĂ€lle neu aufgenommen. Bei einer Verurteilung drohen Deserteuren bis zu zwölf Jahre Haft.Â
Junge MĂ€nner im wehrfĂ€higen Alter versuchten wiederholt, das Land heimlich zu verlassen. Andere versuchten, bei der Musterung Ărzte zu bestechen, um vom Wehrdienst freigestellt zu werden. Zuletzt sei auch direkte Fahnenflucht von der Front hinzugekommen, berichtete das Wirtschaftsblatt unter Berufung auf namentlich nicht genannte ukrainische MilitĂ€rs. Grund dafĂŒr sei das Fehlen von Reserven, mit denen Fronteinheiten regelmĂ€Ăig zur Auffrischung und Erholung abgelöst werden könnten.Â
Als neuestes PhÀnomen der Fahnenflucht nannte die FT das Desertieren von ukrainischen Soldaten, deren Einheiten sich in Polen zur Ausbildung aufhielten. Im monatlichen Schnitt verschwanden demnach zwölf Soldaten aus diesen Einheiten.
Ukraine: November war verlustreichster Monat fĂŒr Russland
Die russischen StreitkrĂ€fte mussten nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums im November den verlustreichsten Monat seit Kriegsbeginn vor ĂŒber zweieinhalb Jahren registrieren. Demnach wurden 45.720 russische Soldaten getötet oder verwundet, davon an einem Tag sogar 2.030 Soldaten. Die Gesamtverluste Russlands seit Kriegsbeginn belaufen sich nach einer tĂ€glich aktualisierten AufzĂ€hlung des ukrainischen MilitĂ€rs auf ĂŒber 742.000 Gefallene und Verwundete. Diese Angaben können nicht unabhĂ€ngig geprĂŒft werden.
Erst vor wenigen Wochen hatte Moskau die vermuteten Verluste Kiews mit ĂŒber 906.000 Toten und Verwundeten beziffert. Allein in diesem Jahr habe Kiew mehr Soldaten verloren als in den beiden ersten Kriegsjahren, behauptete das russische Verteidigungsministerium.Â
Opferzahlen in solchen Konflikten lassen sich in der Regel nicht unabhĂ€ngig verifizieren. Weder Moskau noch Kiew haben bisher genaue Zahlen zu ihren jeweiligen Verlusten bekanntgegeben. Zuletzt hatte die «New York Times» unter Berufung auf MilitĂ€r- und Geheimdienstquellen der USA berichtet, dass bisher bereits 57.000 ukrainische Soldaten gefallen seien. Die russischen Verluste wurden zuletzt von der Nato auf ĂŒber 600.000 Tote und Verwundete beziffert.
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