Selenskyj, UnterhÀndler

Selenskyj schickt UnterhÀndler nach New York

28.08.2025 - 03:55:08

WĂ€hrend Russland die Ukraine erneut mit Luftangriffen ĂŒberzieht, bemĂŒhen sich die Verteidiger um internationale UnterstĂŒtzung. Können GesprĂ€che in den USA die Lage beeinflussen?

  • Wird der Westen neue Sanktionen gegen Russland verhĂ€ngen? (Archivbild) - Foto: Ulf Mauder/dpa

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  • In drei Kriegswintern hat Russland versucht, die ukrainische Energieversorgung zu zerstören. (Archivbild) - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

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  • Die Ukraine hofft auf wirksame Sicherheitsgarantien ihrer VerbĂŒndeten. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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Wird der Westen neue Sanktionen gegen Russland verhĂ€ngen? (Archivbild) - Foto: Ulf Mauder/dpaIn drei Kriegswintern hat Russland versucht, die ukrainische Energieversorgung zu zerstören. (Archivbild) - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpaDie Ukraine hofft auf wirksame Sicherheitsgarantien ihrer VerbĂŒndeten. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpa

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj schickt seine ChefunterhĂ€ndler zu GesprĂ€chen ĂŒber Sicherheitsgarantien fĂŒr sein von Russland angegriffenes Land in die USA. PrĂ€sidialamtschef Andrij Jermak und Ex-Verteidigungsminister Rustem Umjerow sollen am Freitag in New York mit Vertretern der Regierung von US-PrĂ€sident Donald Trump sprechen, wie Selenskyj in Kiew ankĂŒndigte. Seitens der Amerikaner bestĂ€tigte Trumps Russland-UnterhĂ€ndler Steve Witkoff das Treffen. Derweil ĂŒberzieht das russische MilitĂ€r die Ukraine einmal mehr großflĂ€chig mit Luftangriffen. 

«Alle, die an den Sicherheitsgarantien arbeiten – an den militĂ€rischen, politischen und wirtschaftlichen Komponenten der Sicherheitsgarantien –, werden einbezogen», sagte Selenskyj in einer Videoansprache. Man mĂŒsse so rasch wie möglich vorankommen: «Die Russen mĂŒssen sehen, wie ernst es der Welt ist und wie schlimm die Folgen fĂŒr Russland sein werden, wenn der Krieg weitergeht.»

Selenskyj: Moskau will nicht verhandeln 

Der ukrainische PrĂ€sident warf Moskau vor, nicht verhandlungsbereit zu sein und damit ein Trump gegebenes Versprechen zu brechen. Bei den Sicherheitsgarantien geht es darum, die Ukraine nach einem Ende des Krieges vor einem Wiederaufflammen russischer Aggression zu schĂŒtzen. Die USA planen sich zu beteiligen, die militĂ€rische Hauptlast soll aber bei den EuropĂ€ern liegen. Russland lehnt Truppen aus Nato-LĂ€ndern in der Ukraine strikt ab.

Jermak und Umjerow fĂŒhren von ukrainischer Seite auch die laufenden GesprĂ€che der Kriegsparteien in Istanbul. Nach Angaben Selenskyjs erkunden sie außerdem mögliche Orte fĂŒr ein Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin. Dabei waren die ukrainischen Vertreter am Dienstag zu Besuch im Golfstaat Katar, am Mittwoch in Saudi-Arabien. FĂŒr Donnerstag sind GesprĂ€che in der Schweiz geplant. Putin will indes erst dann mit einem Vertreter der Ukraine sprechen, wenn es eine fertig ausgehandelte Lösung fĂŒr ein Ende des Krieges gibt.

Außenminister Wadephul: Neue Sanktionen gegen Moskau

Auch der deutsche Außenminister Johann Wadephul sieht Moskaus angebliche Verhandlungsbereitschaft skeptisch. «Ich habe allergrĂ¶ĂŸte Zweifel, dass es in absehbarer Zeit ĂŒberhaupt zu Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine kommt», sagte er dem Nachrichtenmagazin «Focus». Putin bewege sich trotz Trumps BemĂŒhungen ĂŒberhaupt nicht. «Ich rate dringend, den Druck auf Russland aufrechtzuerhalten. Es ist doch wahrscheinlicher, dass es in der nĂ€chsten Zeit neue Sanktionen gegen Russland gibt, als dass Putin in Verhandlungen in eine Waffenruhe einlenkt», sagte Wadephul.

GroßflĂ€chiger Luftangriff auf die Ukraine

Russland fĂŒhrt seit mehr als dreieinhalb Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. In der Nacht kam es zu neuen Attacken aus der Luft. Über der Hauptstadt Kiew waren Explosionen zu hören, nach Angaben von BĂŒrgermeister Vitali Klitschko war die Flugabwehr im Einsatz. Explosionen wurden auch aus den StĂ€dten Sumy im Norden sowie Dnipro und Saporischschja im SĂŒden gemeldet.

Mit dem Vordringen der Drohnen weitete sich der Luftalarm von Osten nach Westen aus, wie die staatliche ukrainische Warn-App anzeigte. Laut dem Nachrichtenportal «Kyiv Independent» wurden Bewohner fast aller Landesteile in SchutzrĂ€ume beordert, auch fernab der Frontlinie. Demnach schickten die Angreifer mehrere Wellen von Kampfdrohnen los und feuerten auch Überschallraketen sowie mindestens einen Marschflugkörper ab. Mehrere Kampfjets der russischen Luftwaffe seien im Einsatz.

Allein in Kiew gab es den Angaben zufolge es mindestens einen Toten und fĂŒnf Verletzte. WohnhĂ€user, Schulen und BĂŒros im ganzen Stadtgebiet seien beschĂ€digt worden, ein fĂŒnfstöckiges GebĂ€ude sei eingestĂŒrzt.

Luftalarm auch in Russland

Gleichzeitig gab es in Russland im Gebiet Lipezk zeitweise Luftalarm wegen anfliegender ukrainischer Drohnen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass berichtete. Das russische MilitĂ€r meldete den Abschuss ukrainischer Drohnen ĂŒber den Gebieten Rostow, Belgorod, Smolensk und ĂŒber der Schwarzmeer-Halbinsel Krim. Der Flughafen der Stadt Wolgograd musste den Betrieb sicherheitshalber einschrĂ€nken.

Energieanlagen unter Beschuss 

Tags zuvor hatten die russischen Luftangriffe nach offiziellen ukrainischen Angaben gezielt das Energiesystem der Ukraine beschÀdigt. Im nordukrainischen Gebiet Sumy sei nachts ein Umspannwerk getroffen worden, teilte das Energieministerium in Kiew auf Telegram mit. Im ostukrainischen Gebiet Poltawa wurde demnach das Gastransportsystem erheblich beschÀdigt. Weitere Treffer habe es in den Gebieten Tschernihiw, Charkiw und Donezk gegeben. 

Die Angriffe sollten das ukrainische Energiesystem vor Beginn der Heizperiode schwĂ€chen, hieß es. Schon in den vergangenen drei Kriegswintern hatte Russland immer wieder gezielt Energieanlagen beschossen. 

Allerdings könnten die russischen Angriffe auch eine Antwort auf erfolgreiche ukrainische Attacken gegen die Öl- und Gasindustrie in Russland sein. Durch Drohnentreffer auf russische Raffinerien hat Russland nach Medienberichten 17 Prozent der KapazitĂ€ten zur Ölverarbeitung verloren. In vielen Regionen herrscht Treibstoffmangel.

@ dpa.de