Israelische, Hamas-Chef

Israelische Ärzte retteten Hamas-Chef Sinwar 2004 das Leben

28.10.2023 - 14:37:15

WÀhrend seiner Gefangenschaft in Israel musste der Hamas-Chef medizinisch behandelt werden. Ohne die Behandlung wÀre er gestorben, sagt der behandelnde Arzt heute - und bedauert den Einsatz.

Ein Arzt, der den Hamas-Chef Jihia al-Sinwar wÀhrend dessen Haft in Israel hÀufig behandelt hat, bedauert heute, dass israelische Mediziner ihm damals das Leben gerettet haben.

Juval Biton erzĂ€hlte dem israelischen TV-Sender Channel 12 am Freitagabend, er sei damals fĂŒr die Zahnbehandlung von Sinwar und anderen Hamas-HĂ€ftlingen zustĂ€ndig gewesen. Bei den Massakern von Hamas-Terroristen am 7. Oktober im israelischen Grenzgebiet sei sein Neffe aus dem Kibbutz Nir Oz in den Gazastreifen entfĂŒhrt worden.

«Israelische Ärzte retteten sein Leben»

Sinwar habe wĂ€hrend der Haft einen eitrigen Hirnabzess gehabt, erinnerte Biton sich. «Wenn er geplatzt wĂ€re, hĂ€tte er sich verabschieden können», sagte Biton, der damals auch Leiter der Geheimdienstabteilung der israelischen GefĂ€ngnisbehörde wurde. «Israelische Ärzte retteten sein Leben.» Heute bedauere er dies zutiefst. «Dass wir sein Leben gerettet haben, hat Hunderten von Kindern und alten Leuten das Leben gekostet», sagte Biton mit TrĂ€nen in den Augen. Israel habe sich lange Illusionen gemacht und die Gefahr durch den Feind im Gazastreifen unterschĂ€tzt.

Biton erzĂ€hlte, Sinwar habe bereits im GefĂ€ngnis seine FĂŒhrungsrolle innerhalb der Hamas aufgebaut. «Er war bereit, fĂŒr seine GrundsĂ€tze jeden Preis zu bezahlen.» Der heutige Hamas-Chef saß mehr als zwei Jahrzehnte in israelischer Haft und lernte im GefĂ€ngnis auch HebrĂ€isch.

Sinwar kam im Gefangenenaustausch frei

2011 war Sinwar als einer von mehr als 1000 palĂ€stinensischen HĂ€ftlingen, die im Rahmen eines Gefangenenaustauschs im Gegenzug fĂŒr den israelischen Soldaten Gilad Schalit freigekommen waren. Sinwar sei vor allem fĂŒr den Tod palĂ€stinensischer Kollaborateure verantwortlich gewesen, sagte Biton. Wer ihn damals gekannt habe, habe Sinwars Freilassung wegen seiner «zerstörerischen FĂ€higkeiten» fĂŒr sehr gefĂ€hrlich gehalten. Er habe damals auch selbst davor gewarnt. Der Inlandsgeheimdienst Schin Bet habe die GefĂ€ngnisbehörde aber nicht gefragt.

Israel habe Sinwar damals auch freigelassen, obwohl dieser sich geweigert habe, eine Verpflichtung zu unterzeichnen, dass er terroristischen AktivitÀten abschwöre, sagte Biton.

Auf die Frage, was er Sinwar sagen wĂŒrde, wenn er noch einmal in einem Raum mit ihm wĂ€re, sagte der Zahnarzt: «Dass er selbst das Ende der Hamas bestimmt hat.»

@ dpa.de