Pipeline, Balticconnector

Mutmaßliche Explosion vor Pipeline-BeschĂ€digung verzeichnet

11.10.2023 - 11:42:43

War es Sabotage oder doch etwas ganz anderes, das die Ostsee-Pipeline Balticconnector beschĂ€digt hat? Seismologen sehen Anzeichen fĂŒr eine mögliche Explosion.

  • Laut dem finnischen MinisterprĂ€sidenten Petteri Orpo ist es wahrscheinlich, dass das Leck an der Ostsee-Pipeline Balticconnector auf Ă€ußere Einwirkungen zurĂŒckgeht. - Foto: Jussi Nukari/Lehtikuva/dpa

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  • Offshore-Schiff Turva des finnischen Grenzschutzes auf Patrouille auf der Ostsee in der NĂ€he der Stelle zu sehen, an der die beschĂ€digte Balticconnector-Gaspipeline im Finnischen Meerbusen geortet wurde. - Foto: Finnish Border Guard/Rajavartiolaitos/Lehtikuva/dpa

    Finnish Border Guard/Rajavartiolaitos/Lehtikuva/dpa

  • Das Offshore-Schiff Turva des finnischen Grenzschutzes ist auf Patrouille auf der Ostsee in der NĂ€he der Stelle, an der die beschĂ€digte Balticconnector-Gaspipeline im Finnischen Meerbusen geortet wurde. - Foto: Finnish Border Guard/Rajavartiolaitos/Lehtikuva/dpa

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Laut dem finnischen MinisterprĂ€sidenten Petteri Orpo ist es wahrscheinlich, dass das Leck an der Ostsee-Pipeline Balticconnector auf Ă€ußere Einwirkungen zurĂŒckgeht. - Foto: Jussi Nukari/Lehtikuva/dpaOffshore-Schiff Turva des finnischen Grenzschutzes auf Patrouille auf der Ostsee in der NĂ€he der Stelle zu sehen, an der die beschĂ€digte Balticconnector-Gaspipeline im Finnischen Meerbusen geortet wurde. - Foto: Finnish Border Guard/Rajavartiolaitos/Lehtikuva/dpaDas Offshore-Schiff Turva des finnischen Grenzschutzes ist auf Patrouille auf der Ostsee in der NĂ€he der Stelle, an der die beschĂ€digte Balticconnector-Gaspipeline im Finnischen Meerbusen geortet wurde. - Foto: Finnish Border Guard/Rajavartiolaitos/Lehtikuva/dpa

Nach der wahrscheinlich durch Ă€ußere Einwirkung verursachten BeschĂ€digung der Ostsee-Pipeline Balticconnector haben Seismologen Anzeichen fĂŒr eine mögliche Explosion verzeichnet. Analysierte Daten deuteten klar auf einen Vorfall hin, der sich in der Nacht zum Sonntag gegen 1.20 Uhr finnischer Ortszeit ereignet habe, erklĂ€rte die norwegische seismologische Forschungseinrichtung Norsar am Mittwoch.

Diese Uhrzeit stimme mit dem etwaigen Zeitpunkt ĂŒberein, an dem ein Druckabfall in der Gasleitung gemeldet worden sei, schrieb das Institut. Es merkte jedoch an: «Wir können nicht feststellen, ob der Vorfall durch einen plötzlichen Austritt von Gas unter Hochdruck, durch einen Bruch der Pipeline oder durch die Detonation eines Sprengstoffs verursacht wurde.»

Es sei eine StÀrke von schÀtzungsweise 1,0 verzeichnet worden, was deutlich geringer sei als bei den Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines im September 2022. Man sei immer noch dabei, abzuschÀtzen, was dies im Hinblick auf die Sprengkraft bedeute, gehe aber davon aus, dass sie weniger als 100 Kilogramm TNT entspreche.

In der NĂ€he kreuzt Balticconnector Nord Stream 1

Die Gas-Pipeline Balticconnector verlÀuft zwischen Inkoo in Finnland und Paldiski in Estland durch den Finnischen Meerbusen im östlichen Teil der Ostsee. Nach Norsar-Angaben wurde die mögliche Explosion ungefÀhr 40 Kilometer nördlich von Paldiski lokalisiert. Ganz in der NÀhe kreuzt Balticconnector demnach Nord Stream 1.

Die Betreibergesellschaften Gasgrid (Finnland) und Elering (Estland) hatten am frĂŒhen Sonntagmorgen einen plötzlichen Druckabfall in der Leitung bemerkt. Der Gastransport wurde daraufhin unterbrochen, seitdem ist die Leitung außer Betrieb. Das Gasleck wurde mit der Isolierung des Teilabschnitts und dem Schließen der Ventile gestoppt. Die Reparatur dĂŒrfte Monate dauern. Finnische und estnische Behörden leiteten eng miteinander abgestimmte Untersuchungen ein.

Finnlands PrĂ€sident Sauli Niinistö und MinisterprĂ€sident Petteri Orpo hatten am Dienstag mitgeteilt, dass es wahrscheinlich sei, dass die Pipeline durch «Àußere AktivitĂ€t» beschĂ€digt worden sei. Die SchĂ€den könnten nach einer vorlĂ€ufigen Beurteilung weder durch die normale Nutzung der Pipeline noch durch Druckschwankungen entstanden sein, sagte Orpo. Auch ein Kommunikationskabel zwischen den beiden EU- und Nato-LĂ€ndern ist nach Regierungsangaben betroffen.

Wer oder was die Infrastruktur in den Tiefen der Ostsee beschĂ€digte, ist unklar. «Mittlerweile wissen wir, dass die Ursache nicht in der Natur, sondern vermutlich in menschlichem Handeln begrĂŒndet liegt», schrieb der estnische PrĂ€sident Alar Karis auf Facebook. «Wer, warum und wie? FahrlĂ€ssigkeit oder Vorsatz? Diese Fragen mĂŒssen noch beantwortet werden.» Die Verantwortlichen mĂŒssten identifiziert und ans Licht gebracht werden, unabhĂ€ngig von ihren Motiven, betonte er.

Die Regierungen in Helsinki und Tallinn vermieden es, konkret von Sabotage zu sprechen oder VerdĂ€chtigungen in Richtung Russland von sich zu geben. Die finnische Zeitung «Helsingin Sanomat» berichtete jedoch unter Verweis auf Schiffsdaten davon, dass sich ein russisches Frachtschiff das ganze Wochenende ĂŒber in der NĂ€he des Ortes befunden habe, an dem die SchĂ€den entstanden seien. Auch BeschĂ€digungen durch einen Anker wurden in Medienberichten als Theorie genannt.

Auch der Kreml Ă€ußert sich

Russland bezeichnete die Berichte ĂŒber die BeschĂ€digung als «alarmierend». «Ich habe keine technischen Informationen (...), aber das ist natĂŒrlich eine ziemlich alarmierende Neuigkeit, denn wir wissen, dass es bei der AusfĂŒhrung von TerroranschlĂ€gen gegen kritische Infrastruktur bereits PrĂ€zedenzfĂ€lle im Baltikum gegeben hat», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge. Er spiele damit auf die aufsehenerregende Sabotage an den Nord-Stream-Gasleitungen vor rund einem Jahr an, so Peskow.

Nato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg sagte in BrĂŒssel, es komme nun darauf an, herauszufinden, was genau passiert sei und wie dies habe passieren können. Wenn sich herausstellen sollte, dass es sich um einen vorsĂ€tzlichen Angriff auf kritische Infrastruktur der Nato gehandelt habe, wĂ€re dies ernst. In dem Fall werde es eine vereinte und entschlossenen Reaktion der Nato geben, sagte er.

Nach Angaben des estnischen Marine-Chefs JĂŒri Saska lassen erste Untersuchungen der SchĂ€den darauf schließen, dass die Leitung an der Seite beschĂ€digt ist. «Das Rohr selbst ist mit Beton ummantelt, und es sieht dabei genauso aus, als wĂ€re es an der Seite eingerissen und der Beton wĂ€re genau an der Bruchstelle gebrochen oder abgeblĂ€ttert», sagte er dem estnischen Rundfunk.

Fragen nach möglichen Ursachen wich Saska aus. Ob das Leck in der Gasleitung und der Kabelausfall miteinander in Verbindung stehen, sei bislang noch unklar. «Das ist möglich, aber zum jetzigen Stand der Ermittlungen handelt es sich um reine Spekulation, da wir noch nicht genau wissen, wo das Kabel beschÀdigt ist», sagte er. Zeitlich seien die SchÀden mehr oder weniger im gleichen Zeitraum von etwa zwei Stunden aufgetreten.

@ dpa.de