Merz, Selenskyj

Merz und Selenskyj reden mit Trump ĂŒber Friedensbedingungen

13.08.2025 - 17:07:41

Was hat das Signal gebracht? Selenskyj reist auf Einladung von Kanzler Merz zu den Beratungen mit Trump nach Berlin. Der ukrainische PrÀsident spricht danach von einem Schritt nach vorn.

  • Kanzler Merz empfing den ukrainischen PrĂ€sidenten Selenskyj ausgesprochen herzlich.  - Foto: John Macdougall/POOL AFP/dpa

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  • Als besonderes Zeichen der SolidaritĂ€t war Selenskyj als einziger Gast am Nachmittag persönlich bei der Videoschalte mit US-PrĂ€sident Donald Trump zugegen. - Foto: John Macdougall/AFP Pool/dpa

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Kanzler Merz empfing den ukrainischen PrÀsidenten Selenskyj ausgesprochen herzlich.  - Foto: John Macdougall/POOL AFP/dpaAls besonderes Zeichen der SolidaritÀt war Selenskyj als einziger Gast am Nachmittag persönlich bei der Videoschalte mit US-PrÀsident Donald Trump zugegen. - Foto: John Macdougall/AFP Pool/dpa

Vor dem USA-Russland-Gipfel bestehen Kanzler Friedrich Merz (CDU) und der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj auf Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine. Beim Treffen von Trump und dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin am Freitag in Alaska mĂŒssten grundlegende europĂ€ische und ukrainische Sicherheitsinteressen gewahrt bleiben. 

«Das war die Botschaft, die wir heute als EuropÀerinnen und EuropÀer dem amerikanischen PrÀsidenten Trump mit auf den Weg gegeben haben», sagte Merz in Berlin nach Beratungen europÀischer Staats- und Regierungschefs mit Trump und Selenskyj. Merz betonte, «eine rechtliche Anerkennung russischer Besetzungen steht nicht zur Debatte».

Auch Selenskyj erhofft sich vor dem bevorstehenden Alaska-Gipfel einen sofortigen Waffenstillstand sowie robuste Sicherheitsgarantien fĂŒr sein Land. Bei allen Verhandlungen, bei denen es um die Zukunft seines Landes gehe, mĂŒsse die Ukraine mit am Tisch sitzen, betonte er.

EuropĂ€er bestehen auf fĂŒnf Punkten fĂŒr GesprĂ€che mit Russland

Merz bekrĂ€ftige fĂŒnf Grundvoraussetzungen fĂŒr eine Friedenslösung im Ukraine-Krieg. «Ein Waffenstillstand muss am Anfang stehen», sagte Merz. Wesentliche Elemente sollten dann anschließend in einem Rahmenabkommen vereinbart werden. 

Weiter nannte er: «Die Ukraine ist zu Verhandlungen ĂŒber territoriale Fragen bereit. Dann muss aber die sogenannte Kontaktlinie der Ausgangspunkt sein und eine rechtliche Anerkennung russischer Besetzungen steht nicht zur Debatte. Der Grundsatz, dass Grenzen nicht gewaltsam verĂ€ndert werden dĂŒrfen, muss fortgelten.»

Nötig seien zudem «robuste Sicherheitsgarantien fĂŒr Kiew» und die VerteidigungsfĂ€higkeit durch die ukrainischen StreitkrĂ€fte. Zudem mĂŒssten Verhandlungen Teil einer gemeinsamen transatlantischen Strategie sein.

Sollte es in Alaska keine Bewegung geben, mĂŒssten die USA und die EuropĂ€er den Druck erhöhen, betonte Merz. «PrĂ€sident Trump kennt diese Position, er teilt sie sehr weitgehend. Und deswegen kann ich sagen: Wir haben ein wirklich ausgesprochen konstruktives und gutes GesprĂ€ch miteinander gehabt.» Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte, der ebenfalls daran teilgenommen hatte, sprach auf X von einem «großartigen Telefonat».

EuropĂ€er hatten vorab mit Selenskyj ĂŒber gemeinsame Linie beraten 

Merz hatte Selenskyj am Mittag im Kanzleramt in Berlin ausgesprochen herzlich in Empfang genommen. Die Einladung galt als ein besonderes Zeichen der SolidaritÀt.

Der Kanzler hatte vor den Beratungen mit Trump enge europĂ€ische VerbĂŒndete der Ukraine zu einer Vorbesprechung eingeladen. Die Staats- und Regierungschefs aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Finnland, EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen, EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa, Nato-GeneralsekretĂ€r Rutte sowie Selenskyj sollten an den Beratungen teilnehmen. 

Im Anschluss an die Videoschalte mit Trump wollte Merz die Ergebnisse dann in der sogenannten Koalition der Willigen unter FederfĂŒhrung von Deutschland, Frankreich und Großbritannien nachbesprechen.

Trump versichert: «Ich werde keinen Deal machen»

Die EuropĂ€er und Selenskyj befĂŒrchten, dass sich Trump und Putin am Freitag auf Gebietsabtretungen beziehungsweise einen «Gebietstausch» der Ukraine mit Russland verstĂ€ndigen könnten, was Kiew strikt ablehnt. Nach US-Medienberichten unter Berufung auf Regierungskreise soll das EinzelgesprĂ€ch von Trump und Putin auf dem MilitĂ€rstĂŒtzpunkt Elmendorf-Richardson in der Stadt Anchorage in Alaska stattfinden. 

Trump hatte das geplante Treffen als Versuch dargestellt, einem Ende oder zumindest einer Unterbrechung des seit rund dreieinhalb Jahre andauernden russischen Angriffskriegs nÀherzukommen. Am Montag hatte er in Washington aber auch versichert: «Ich werde keinen Deal machen» - dies sei nicht seine Aufgabe. 

Was Trump entscheiden kann und was nicht 

TatsĂ€chlich kann Trump Putin ohne Zustimmung der Ukraine keinerlei verbindliche Zusagen machen. Die USA können der ukrainischen Armee weder eine Feuerpause noch einen RĂŒckzug aus eigenen Gebieten diktieren, zumal ein Territorialverzicht eine Änderung der ukrainischen Verfassung voraussetzen wĂŒrde. 

Trump verfĂŒgt allerdings ĂŒber erhebliche Druckmittel: Neben Waffenlieferungen könnte er auch die Bereitstellung von Satellitendaten oder Geheimdienstinformationen aus den USA stoppen, die fĂŒr die Ukraine im Krieg kaum zu ersetzen sind. Der US-PrĂ€sident betont immer wieder, dass die USA nicht weiter fĂŒr den ukrainischen Verteidigungskampf zahlen wollen.

Moskau: Russlands nationale Interessen bei Gipfel im Vordergrund

Zu der Möglichkeit einer Gebietsabtretung fĂŒr eine Beendigung des Krieges in der Ukraine hieß es vom russischen Außenministerium, territoriale Fragen seien in der russischen Verfassung geregelt. «Damit ist alles gesagt», sagte der stellvertretende Ministeriumssprecher Alexej Fadejew in Moskau.

Moskaus Annexionen ukrainischer Gebiete und deren Aufnahme in die russische Verfassung sind international nicht anerkannt. Zudem droht Russland mit der Einnahme weiterer Gebiete, sollte die Ukraine sich nicht auf einen Moskauer Diktatfrieden einlassen. Russland werde sich bei dem Gipfel mit den USA ausschließlich von seinen nationalen Interessen leiten lassen, sagte Fadejew.

@ dpa.de