G7-Staaten schmieden Sicherheitspakt fĂŒr die Ukraine
12.07.2023 - 14:59:07Die G7-Gruppe westlicher WirtschaftsmĂ€chte will die Ukraine mit langfristiger militĂ€rischer und finanzieller Hilfe besser schĂŒtzen, solange sie noch kein Nato-Mitglied ist.
Die USA, Deutschland und die fĂŒnf anderen Staaten der G7 stellen der Ukraine unter anderem moderne AusrĂŒstung fĂŒr deren Luft- und SeestreitkrĂ€fte in Aussicht. Eine entsprechende ErklĂ€rung wurde zum Abschluss des Nato-Gipfels in der litauischen Hauptstadt Vilnius unterzeichnet. Sie bleibt aber weit hinter der Sicherheitsgarantie zurĂŒck, die zum Beispiel ein Nato-Beitritt bieten wĂŒrde. Dann wĂŒrde nĂ€mlich im Fall eines Angriffs die militĂ€rische Beistandspflicht aller Nato-Staaten gelten.
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj zeigte sich dennoch dankbar ĂŒber die ErklĂ€rung. «Die ukrainische Delegation bringt einen wichtigen Sieg der Sicherheit fĂŒr die Ukraine nach Hause, fĂŒr unser Land, fĂŒr unsere Menschen, fĂŒr unsere Kinder», sagte er bei einem Treffen mit den Staats- und Regierungschefs der G7-Gruppe. Nach der GrundsatzĂŒbereinkunft mit den G7 - den fĂŒhrenden westlichen Industriestaaten - wĂŒrden nun Abkommen mit den einzelnen LĂ€ndern sowie multinational ausgehandelt.
Bundeskanzler Olaf Scholz sagte, es gehe um eine «Sicherheitspartnerschaft», eingebettet in eine lĂ€ngerfristige Strategie, «auf die sich die Ukraine dann auch verlassen kann». Dies knĂŒpfe an die bisherige Hilfe an, die der Ukraine eine Verteidigung ermöglicht habe, die ihr aus eigener Wirtschaftskraft heraus nicht möglich gewesen wĂ€re.
Blockade und Kritik
FĂŒr die Ukraine endete der Nato-Gipfel mit der G7-ErklĂ€rung halbwegs versöhnlich. Am Dienstag hatte Selenskyj eine herbe Niederlage einstecken mĂŒssen, weil seinen Forderungen nach einer Einladung seines Landes in die Nato nicht nachgekommen wurde. Der 45-JĂ€hrige kritisierte das scharf und sprach von einer SchwĂ€che des Westens, die Russland in die HĂ€nde spiele.
Blockiert worden war die Einladung vor allem von den USA und Deutschland, den beiden wichtigsten Waffenlieferanten der Ukraine. Sie wollen dem von Russland angegriffenen Land einen Beitritt frĂŒhestens nach einem Ende des Kriegs und weiteren Reformen ermöglichen. Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace Ă€uĂerte Unmut ĂŒber die Kritik und Anspruchshaltung der Ukraine. «Ob man es mag oder nicht, die Leute wollen etwas Dankbarkeit sehen», sagte er.
Ziel ist eine starke ukrainische Verteidigung
Estlands Regierungschefin Kaja Kallas und US-PrĂ€sident Joe Biden lieĂen hingegen VerstĂ€ndnis erkennen. «Auf ukrainischer Seite herrschte natĂŒrlich Frust. VerstĂ€ndlicherweise. Die Ukraine möchte den Frieden haben, den der Nato-Schirm zum Beispiel unserem Land bringt», sagte Kallas. Biden erklĂ€rte, er wisse genau, dass Selenskyj oft frustriert sei, wenn die Dinge nicht schnell genug gingen. Er selbst freue sich auf den Tag, an dem man auf einem Gipfel offiziell die Mitgliedschaft der Ukraine in der Nato feiern werde.
Die G7-Vereinbarung zielt darauf ab, dass die ukrainischen StreitkrĂ€fte so ausgestattet werden, dass sie weiter ihr Heimatland verteidigen können und nach einem Ende des Kriegs so stark sind, dass Russland keine weiteren Angriffe mehr wagt. DafĂŒr soll dem Dokument zufolge moderne AusrĂŒstung auch in den Bereichen «Luft und See» geleistet werden. Als eine SchlĂŒsselfĂ€higkeit werden Luftkampfsysteme genannt - ohne dass sie konkrete Waffensysteme wie Kampfjets oder bewaffnete Drohnen nannten.
Weitere Punkte der G7-ErklÀrung
Welche Staaten welche bilaterale MilitĂ€rhilfe leisten wollten, blieb noch offen. Auch eine zeitliche Perspektive wurde nicht gegeben. Bislang unterstĂŒtzen Deutschland und die anderen G7-Staaten vor allem die LandstreitkrĂ€fte der Ukraine durch Waffenlieferungen. Westliche Kampfjets und Kriegsschiffe wurden bislang nicht geliefert.
Als weitere Punkte werden in der ErklĂ€rung die UnterstĂŒtzung der ukrainischen Verteidigungsindustrie, die Ausbildung von StreitkrĂ€ften und das zur VerfĂŒgung stellen von Geheimdienstinformationen genannt. Zudem wird unter anderem auch weitere finanzielle Hilfe in Aussicht gestellt. «Wir können nie zulassen, dass sich das, was in der Ukraine passiert ist, wiederholen wird, und diese ErklĂ€rung bekrĂ€ftigt unsere Verpflichtung, sicherzustellen, dass sie nie wieder der Art von BrutalitĂ€t ausgesetzt wird, die Russland ihr angetan hat», sagte der britische Premierminister Rishi Sunak zu der Vereinbarung.
Kreml sieht Sicherheitszusagen der G7 als Gefahr
Der Kreml bezeichnete die Sicherheitszusagen der G7 als Gefahr. «Wir halten dies fĂŒr einen extremen Fehler und potenziell fĂŒr sehr gefĂ€hrlich», sagte der Sprecher von PrĂ€sident Wladimir Putin, Dmitri Peskow, nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen in Moskau. Sollte der Plan so umgesetzt werden, machten diese LĂ€nder Europa «fĂŒr viele, viele Jahre noch viel gefĂ€hrlicher», sagte er.
Nato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg bezeichnete die Lieferung weiterer Waffen als wichtigste Aufgabe bei der UnterstĂŒtzung der Ukraine. «NatĂŒrlich ist die dringlichste Aufgabe dafĂŒr zu sorgen, dass die Ukraine sich durchsetzen kann. Denn sollte die Ukraine nicht fortbestehen, gibt es auch keine Frage einer Mitgliedschaft zu diskutieren», sagte er. Biden machte in einer Rede zum Abschluss des Gipfels deutlich: «Unser Engagement fĂŒr die Ukraine wird nicht nachlassen, wir werden fĂŒr Freiheit und UnabhĂ€ngigkeit eintreten, heute, morgen und so lange es dauert.»


