Mark Rutte, Niederlande

Niederlande: Rutte berÀt nach Bruch der Regierung mit König

08.07.2023 - 16:03:41

Wenn der niederlÀndische König seinen Urlaub unterbricht, ist die Lage ernst: Im Streit um die Migrationspolitik ist die Regierung zerbrochen. MinisterprÀsident Rutte berÀt mit dem König die Lage.

Der niederlĂ€ndische Premierminister Mark Rutte hat am Samstag in Schloss Huis ten Bosch bei Den Haag König Willem-Alexander ĂŒber den Bruch der Regierung informiert. Am Vorabend war die Vier-Parteien-Koalition im Streit um die Migrationspolitik geplatzt. Bereits am Freitagabend hatte Rutte dem König schriftlich den RĂŒcktritt des Kabinetts angeboten. Vorangegangen war eine Krisensitzung, bei der die Spitzen der Regierungsparteien sich nicht auf einen Kompromiss bei der angestrebten VerschĂ€rfung der Asylpraxis hatten einigen können.

Beim Eintreffen am königlichen Schloss sowie nach Abschluss des rund einstĂŒndigen GesprĂ€chs gab Rutte sich Reporterfragen gegenĂŒber wortkarg. «Ich sage dazu nichts, das sind immer vertrauliche GesprĂ€che.» Das Staatsoberhaupt hatte seinen Urlaub abgebrochen und war kurzfristig in die Niederlande zurĂŒckgekehrt, um sich mit dem Premier zu beraten. Ob der König den RĂŒcktritt der Regierung annimmt, wurde noch nicht bekannt. Rutte ließ bislang offen, ob er erneut bei einer Neuwahl antreten werde. Diese wird nach EinschĂ€tzung von Beobachtern wohl erst im November stattfinden.

Die vierte Regierung des Rechtsliberalen war seit Anfang 2022 im Amt. Rutte selbst ist seit knapp 13 Jahren Regierungschef der Niederlande.

Die Unterschiede bei den Regierungsparteien in der Migrationsfrage seien unĂŒberbrĂŒckbar, hatte Rutte am Freitagabend gesagt. Er bedauerte diesen Schritt, aber dies sei «eine politische RealitĂ€t». Am Montag wird Rutte dem Parlament zum Fall der Regierung Rede und Antwort stehen.

Knackpunkt Familiennachzug

Knackpunkt bei der abendlichen Krisensitzung in Den Haag war eine BeschrĂ€nkung des Familiennachzugs von FlĂŒchtlingen, die sich bereits im Land aufhalten. Ruttes rechtsliberale Partei VVD hatte die BeschrĂ€nkung gefordert. Anderen Parteien ging die Forderung zu weit.

Die Niederlande kĂ€mpfen mit einer vor allem hausgemachten Asylkrise: Um zu sparen, hatte die Regierung Personal und PlĂ€tze in Aufnahmezentren gestrichen. Die Wartezeit fĂŒr die Bearbeitung von AsylantrĂ€gen wurde immer lĂ€nger. ZusĂ€tzlich sorgt die allgemeine Misere auf dem Wohnungsmarkt dafĂŒr, dass kaum PlĂ€tze in den Wohnheimen frei werden.

Inmitten einer großen Vertrauenskrise in der niederlĂ€ndischen Politik wird der Asylstreit aber auch als ein vorgeschobener Grund fĂŒr das Auseinanderbrechen der Regierung gesehen. Bei vielen wichtigen Themen, die den Menschen in den Niederlanden unter den NĂ€geln brennen, werden von der Vier-Parteien-Regierung kaum Entscheidungen getroffen, alles stockt.

Dieser Stillstand dĂŒrfte sich bis zu einer Neuwahl kaum auflösen - die BefĂŒrchtung wurde am Freitagabend bereits laut. Neben der Migrationspolitik sorgen sich die Menschen in den Niederlanden auch um die Wohnungsnot, die Energiewende sowie die Klimapolitik. Einer der großen Konflikte ist die Zukunft der Landwirtschaft angesichts angekĂŒndigter Umweltauflagen.

@ dpa.de