Ukraine, Russland

Schutztruppe fĂŒr Ukraine nimmt Form an - Deutschland dabei

07.01.2026 - 04:55:04 | dpa.de

Wer sorgt kĂŒnftig fĂŒr die Sicherheit der Ukraine, wenn die Waffen schweigen sollten? Viele Staaten wollen helfen - in der Ukraine oder von außen. Auch Berlin gibt seine bisherige ZurĂŒckhaltung auf.

  • Die westlichen PartnerlĂ€nder wollen der Ukraine Sicherheitsgarantien geben. - Bild: Tom Nicholson/PA Wire/dpa
    Die westlichen PartnerlÀnder wollen der Ukraine Sicherheitsgarantien geben. - Bild: Tom Nicholson/PA Wire/dpa
  • Premier Starmer geht von britischen und französischen Truppen in der Ukraine aus. - Bild: Ludovic Marin/Pool AFP/AP/dpa
    Premier Starmer geht von britischen und französischen Truppen in der Ukraine aus. - Bild: Ludovic Marin/Pool AFP/AP/dpa
  • Die Ukraine erhĂ€lt neue Sicherheitszusagen, aber fĂŒr Selenskyj sind nicht alle Probleme gelöst. - Bild: Ludovic Marin/Pool AFP/AP/dpa
    Die Ukraine erhĂ€lt neue Sicherheitszusagen, aber fĂŒr Selenskyj sind nicht alle Probleme gelöst. - Bild: Ludovic Marin/Pool AFP/AP/dpa
  • Merz stellt einen Bundeswehreinsatz zur Friedenssicherung in Aussicht. - Bild: Ludovic Marin/Pool AFP/AP/dpa
    Merz stellt einen Bundeswehreinsatz zur Friedenssicherung in Aussicht. - Bild: Ludovic Marin/Pool AFP/AP/dpa
Die westlichen PartnerlĂ€nder wollen der Ukraine Sicherheitsgarantien geben. - Bild: Tom Nicholson/PA Wire/dpa Premier Starmer geht von britischen und französischen Truppen in der Ukraine aus. - Bild: Ludovic Marin/Pool AFP/AP/dpa Die Ukraine erhĂ€lt neue Sicherheitszusagen, aber fĂŒr Selenskyj sind nicht alle Probleme gelöst. - Bild: Ludovic Marin/Pool AFP/AP/dpa Merz stellt einen Bundeswehreinsatz zur Friedenssicherung in Aussicht. - Bild: Ludovic Marin/Pool AFP/AP/dpa

Die internationale Schutztruppe zur militĂ€rischen Absicherung eines möglichen Waffenstillstands in der Ukraine nimmt Form an. Bei einem Treffen der sogenannten Koalition der Willigen in Paris unterzeichneten Frankreich, Großbritannien und die Ukraine eine ErklĂ€rung, die dem Einsatz auslĂ€ndischer Truppen in dem angegriffenen Land eine Grundlage gibt. Bei einem weiteren Treffen in Paris am Mittwoch zwischen Außenminister Johann Wadephul und seinen Amtskollegen aus Frankreich und Polen soll es ebenfalls um die UnterstĂŒtzung der von Russland angegriffenen Ukraine gehen. 

FĂŒr Deutschland stellte Bundeskanzler Friedrich Merz am Dienstag erstmals die Beteiligung der Bundeswehr an einer Friedenssicherung in Aussicht - nicht in der Ukraine selbst, aber auf Nato-Boden nahe der Grenze. Der britische Premier Keir Starmer sprach bereits von einem Einsatz britischer und französischer StreitkrĂ€fte auf ukrainischem Boden nach einem Waffenstillstand. Ein grundsĂ€tzliches Problem der europĂ€ischen Planungen bleibt: Moskau lehnt auslĂ€ndische Truppen, vor allem aus Nato-Staaten, in der Ukraine strikt ab.

An den Beratungen in Paris waren Vertreter aus 35 LĂ€ndern beteiligt, darunter 27 Staats- und Regierungschefs. Auch der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj und Nato-Chef Mark Rutte nahmen an dem Gipfel teil. FĂŒr die USA kamen der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner, Schwiegersohn von US-PrĂ€sident Donald Trump.

Paris und London wollen Truppen in die Ukraine schicken

Starmer erklĂ€rte zu seiner AnkĂŒndigung, Ziel sei es, «den ukrainischen Luft- und Seeraum zu sichern und die ukrainischen StreitkrĂ€fte fĂŒr die Zukunft wiederaufzubauen.» Auch weitere VerbĂŒndete wollen demnach ihre Einheiten in die Ukraine entsenden.

Dabei geht es nicht um einen Einsatz an der kĂŒnftigen Waffenstillstandslinie. Diese sollte den Planungen zufolge von den USA mit technischen Mitteln aus der Ferne ĂŒberwacht werden. Die auslĂ€ndischen Truppen sollten im RĂŒckraum oder außerhalb der Ukraine bei der Regenerierung der ukrainischen Armee helfen und zur Abschreckung beitragen. Neben Deutschland erklĂ€rten sich auch Spanien und Belgien zu solchen Missionen bereit.

Merz stellt deutsche Beteiligung in Aussicht

Merz knĂŒpfte eine Beteiligung der Bundeswehr an klare Vereinbarungen fĂŒr einen Waffenstillstand. «Deutschland wird sich weiter politisch, finanziell und eben auch militĂ€risch einbringen. Dazu kann zum Beispiel gehören, dass wir nach einem Waffenstillstand KrĂ€fte fĂŒr die Ukraine auf benachbartem Nato-Gebiet einmelden», sagte der CDU-Politiker in Paris. An die Ukraine grenzen die Nato-Staaten Polen, RumĂ€nien, Ungarn und die Slowakei. Diese LĂ€nder kĂ€men also als Einsatzorte infrage. 

Über Art und Umfang eines deutschen Beitrages mĂŒssen Bundesregierung und Bundestag entscheiden, sobald Bedingungen dafĂŒr geklĂ€rt seien, sagte Merz. «Ich will fĂŒr mich sagen und auch fĂŒr die Bundesregierung: Wir schließen dabei grundsĂ€tzlich nichts aus.» Das bedeutet, dass auch eine Entsendung von Bundeswehrsoldaten in die Ukraine nicht ausgeschlossen ist.

Verbindliche Sicherheitsgarantien mit MilitÀrhilfe

Neben UnterstĂŒtzung fĂŒr die ukrainische Armee stellte die Koalition der Willigen in einer gemeinsamen ErklĂ€rung Kiew erstmals verbindliche Sicherheitsgarantien in Aussicht, was als starkes Signal gilt. «Wir sind bereit, uns zu einem System politisch und rechtlich verbindlicher Garantien zu verpflichten, das in Kraft tritt, sobald eine Waffenruhe in Kraft tritt», teilte EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa nach den Beratungen mit.

Ein zentraler Punkt dabei ist der Plan, der Ukraine politisch und rechtlich verbindlich zuzusichern, sie im Fall eines erneuten russischen Angriffs nicht allein zu lassen. «Diese Verpflichtungen können den Einsatz militĂ€rischer KapazitĂ€ten umfassen», hieß es ausdrĂŒcklich in der gemeinsamen ErklĂ€rung. Die USA sicherten der Koalition bei dem Pariser Gipfel ihre UnterstĂŒtzung zu und werden laut der AbschlusserklĂ€rung bei der Überwachung eines Friedensabkommens eine SchlĂŒsselrolle einnehmen.

Selenskyj: Trotz Fortschritten bleibt Territorialfrage

Der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj sprach von großen Fortschritten in den FriedensgesprĂ€chen. Territorialfragen seien aber nicht zu 100 Prozent gelöst, sagte er. Ukrainische UnterhĂ€ndler sollten deshalb vor Ort bleiben und die GesprĂ€che fortsetzen. Auch US-UnterhĂ€ndler Witkoff sagte, dass diese Frage bislang nicht gelöst sei.

Bei diesem Streit geht es darum, ob die Ukraine - wie von Moskau gefordert - ihre Truppen vollstÀndig aus den Gebieten Donezk und Luhansk im Osten abzieht. Die USA drÀngen Kiew dazu, weil sonst ein Frieden mit Russland nicht zu erreichen sei. Die Ukraine lehnt dies ab. Moskau hat zuletzt erklÀrt, man werde diese Territorien ohnehin militÀrisch erobern.

Putin feiert orthodoxe Weihnachten 

Eine offizielle Moskauer Reaktion auf den Pariser Gipfel stand noch aus. Es sei aber kaum zu erwarten, dass der Kreml die Ergebnisse akzeptieren werde, kommentierte der russische Politologe Wladimir Frolow im Netzwerk X. 

In Russland wurde am Dienstag der Heiligabend des orthodoxen Weihnachtsfestes gefeiert. PrÀsident Wladimir Putin zeigte sich demonstrativ mit russischen Soldaten und deren Familien in einer Kirche bei Moskau.

Das wird heute wichtig

Bundesaußenminister Wadephul (CDU) trifft sich in Paris mit seinen Kollegen aus Frankreich und Polen, Jean-NoĂ«l Barrot und Radoslaw Sikorski. Auch bei diesem Treffen des sogenannten Weimarer Dreiecks soll es um die UnterstĂŒtzung der EuropĂ€er fĂŒr die von Russland angegriffene Ukraine gehen.

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