Westjordanland: Israel sperrt am Dienstag alle ĂbergĂ€nge
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 02:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWSHebron bleibt militÀrisches Einsatzgebiet
- Israels Armee will am Dienstag wÀhrend der Parlamentswahl das besetzte Westjordanland abriegeln.
- PalÀstinensische Arbeiter erhalten heute und Montag nur in begrenzten Bereichen Zugang zu Siedlungen.
- Nach Angaben der Armee wurden bei EinsÀtzen in rund 40 Gebieten und an 400 Orten etwa 40 VerdÀchtige festgenommen.
Israel kĂŒndigt Abriegelung des Westjordanlands an
Israels Armee wird nach eigenen Angaben wĂ€hrend der Parlamentswahl am Dienstag das besetzte Westjordanland abriegeln. PalĂ€stinensische Arbeiter dĂŒrfen bereits heute und Montag nicht in israelische Siedlungen im Westjordanland und im Jordantal gelangen, abgesehen von Industriezonen und einer begrenzten Zahl genehmigter Bereiche.
MaĂnahme folgt auf tödlichen Angriff
Hintergrund ist ein andauernder israelischer MilitĂ€reinsatz nach einem tödlichen Angriff bewaffneter PalĂ€stinenser nahe Hebron am Freitag. Nach Angaben der Armee wurden dabei zwei Soldaten getötet und drei weitere verletzt; die zwei mutmaĂlichen palĂ€stinensischen Angreifer aus Hebron seien getötet worden.
Rund 2.000 Menschen aus Hebron vertrieben
Verteidigungsminister Israel Katz bestĂ€tigte, dass rund 2.000 PalĂ€stinenser aus ihren HĂ€usern in Hebron vertrieben wurden. Sie dĂŒrften nach seiner Aussage erst zurĂŒckkehren, wenn alle Probleme mit der Hamas in Hebron gelöst seien.
Der BĂŒrgermeister von Hebron, Jussef al-Dschabari, hatte zuvor von 2.200 Vertriebenen seit Beginn der Razzien am Freitag gesprochen. Die israelische Armee erklĂ€rte, Soldaten hĂ€tten gemeinsam mit Grenzpolizei und Geheimdienst Anti-Terror-EinsĂ€tze in rund 40 Gebieten und an 400 Orten im Westjordanland durchgefĂŒhrt.
Armee meldet etwa 40 Festnahmen
Nach Angaben der Armee wurden rund 40 VerdĂ€chtige festgenommen, darunter Mitglieder von Hamas und Islamischem Dschihad. Die politische FĂŒhrung billigte demnach die Empfehlung des Verteidigungsministeriums, palĂ€stinensischen Arbeitern am Wahltag die Einreise in alle Siedlungen und Industriegebiete zu untersagen.
Zudem sollen alle LandĂŒbergĂ€nge zwischen dem Westjordanland und Israel fĂŒr PalĂ€stinenser geschlossen werden. Die angekĂŒndigten MaĂnahmen gelten im Zusammenhang mit der Parlamentswahl am Dienstag.
Die angekĂŒndigte Abriegelung fĂ€llt in eine Phase deutlich verschĂ€rfter SicherheitsmaĂnahmen im Westjordanland. Auslöser ist der tödliche Angriff nahe Hebron, bei dem nach Angaben der israelischen Armee zwei Soldaten getötet und drei verletzt wurden. Die darauf folgenden Razzien konzentrieren sich nach israelischer Darstellung auf Gebiete, aus denen die mutmaĂlichen Angreifer stammen.
Hebron besitzt dabei eine besondere Bedeutung: Die Stadt ist zwischen palĂ€stinensisch verwalteten Bereichen und einem von Israel kontrollierten Teil mit israelischen Siedlern geteilt. MilitĂ€rische Sperren und der Entzug der Bewegungsfreiheit treffen deshalb nicht nur mutmaĂliche UnterstĂŒtzer bewaffneter Gruppen, sondern auch den Alltag von Anwohnern, BeschĂ€ftigten und GeschĂ€ftsleuten.
Folgen fĂŒr Bevölkerung und Wahlbetrieb
Die EinschrĂ€nkungen betreffen mehrere Ebenen. PalĂ€stinensische Arbeiter verlieren den Zugang zu vielen Siedlungen und Industriegebieten, wĂ€hrend die geplante SchlieĂung der ĂbergĂ€nge die Verbindung zwischen dem Westjordanland und Israel unterbricht. FĂŒr die rund 2.000 aus ihren HĂ€usern vertriebenen Menschen verschĂ€rft sich die Lage zusĂ€tzlich, weil eine RĂŒckkehr nach Aussage des Verteidigungsministers an das Ende des Einsatzes gegen die Hamas in Hebron geknĂŒpft wird.
Politisch verbindet die MaĂnahme Sicherheitslogik mit dem Termin der israelischen Parlamentswahl. Die Abriegelung soll den Wahlbetrieb aus israelischer Sicht absichern, erhöht aber zugleich den Druck auf die palĂ€stinensische Bevölkerung und kann die Spannungen ĂŒber Hebron hinaus verstĂ€rken. FĂŒr Reisende, BeschĂ€ftigte und Hilfsorganisationen sind kurzfristige Unterbrechungen von Verkehrswegen und ZugĂ€ngen zu erwarten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: âIsrael vertreibt 2000 PalĂ€stinenser aus Hebronâ (25.10.2026)
Der Beitrag bestĂ€tigt die Vertreibung von rund 2.000 Menschen und stellt sie in den Zusammenhang mit dem tödlichen Angriff sowie der bevorstehenden Parlamentswahl. ZusĂ€tzlich rĂŒckt er die angekĂŒndigte vollstĂ€ndige Abriegelung und die politische Reaktion der PalĂ€stinensischen Autonomiebehörde in den Mittelpunkt.
tagesschau: âHausdurchsuchungen und ZwangsrĂ€umungen in Hebronâ (24.10.2026)
Der Bericht bestĂ€tigt die HausrĂ€umungen, die Sperren und die militĂ€rische Suche nach den mutmaĂlichen Angreifern. Einen anderen Schwerpunkt setzt er auf die Aussagen betroffener Anwohner sowie die Folgen fĂŒr die humanitĂ€re Lage; die Dauer der Operation bleibt offen.
Beide BeitrĂ€ge stimmen beim militĂ€rischen Vorgehen, den Vertreibungen und dem Zusammenhang mit dem Angriff ĂŒberein. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: n-tv ordnet stĂ€rker politisch ein, wĂ€hrend die tagesschau die Perspektive der betroffenen Bevölkerung hervorhebt.
