Westjordanland: Israel startet Operation bei Hebron
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 23:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWSHebron und die angekĂŒndigten MaĂnahmen
- Die israelische Armee durchsucht gemeinsam mit Schin Bet, Grenzpolizei und Zivilverwaltung das Gebiet im Raum Hebron.
- Die beiden mutmaĂlich palĂ€stinensischen TĂ€ter aus Hebron wurden nach dem Angriff getötet.
- Bewohner dĂŒrfen das betroffene Gebiet nur ĂŒber drei ausgewiesene AusgĂ€nge nach Befragung verlassen.
Israel startet Einsatz nach tödlichem Angriff bei Hebron
Israels Armee hat nach einem Angriff mit zwei getöteten Soldaten im Raum Hebron eine mehrtÀgige Anti-Terror-Operation im Westjordanland begonnen. Beteiligt sind Armee, Inlandgeheimdienst Schin Bet, Grenzpolizei und Zivilverwaltung.
Durchsuchungen und Abriegelungen
Die SicherheitskrÀfte wollen nach eigenen Angaben Terrorinfrastruktur und Waffen finden und beseitigen. Der Einsatz solle auf das Gebiet begrenzt bleiben, aus dem die Angreifer operierten.
Bei dem Schusswaffenangriff am Morgen waren nahe Hebron zwei israelische Soldaten getötet und drei weitere verletzt worden. Die zwei mutmaĂlich palĂ€stinensischen TĂ€ter aus Hebron wurden getötet.
Netanjahu stellt weitere Sperren in Aussicht
MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu sprach von einem verhinderten schweren Anschlag und stellte eine Abriegelung des PalĂ€stinensergebiets in Aussicht. Gemeint ist die SchlieĂung aller ĂbergĂ€nge zu dem Gebiet.
Die Armee teilte zudem mit, sie wolle illegale Bauwerke abreiĂen, die am Ort des Zwischenfalls eine Sicherheitsbedrohung darstellen könnten. Im Westjordanland laufen nach ihren Angaben derzeit in Dutzenden Orten Anti-Terror-Operationen.
AusgÀnge nach Befragung
Bewohnerinnen und Bewohner des betroffenen Gebiets können die Zone nach Angaben der Armee ĂŒber drei ausgewiesene AusgĂ€nge verlassen, sofern sie zuvor befragt wurden. Hebron und Halhul wurden abgeriegelt, auĂerdem errichteten die SicherheitskrĂ€fte StraĂensperren.
Die Operation beginnt wenige Tage vor der israelischen Parlamentswahl am Dienstag. Der Konflikt mit den PalÀstinensern ist ein wichtiges Wahlkampfthema; rechte Politiker werben insbesondere mit einem harten Vorgehen gegen palÀstinensische Gewalt.
VerschÀrfte Lage seit Oktober 2023
Israel eroberte das Westjordanland und Ost-Jerusalem im Sechstagekrieg 1967 und hÀlt das Gebiet seither besetzt. Heute leben dort rund 700.000 israelische Siedler inmitten von etwa drei Millionen PalÀstinensern.
Seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg hat sich die Lage weiter verschÀrft. Nach Angaben des palÀstinensischen Gesundheitsministeriums wurden seitdem mehr als 1.100 PalÀstinenser bei israelischen MilitÀreinsÀtzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen AnschlÀgen getötet.
Auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen PalÀstinenser nahm zu. Dem israelischen MilitÀr wird wiederholt vorgeworfen, nicht entschlossen genug gegen solche Angriffe vorzugehen oder mit Siedlern zu kooperieren.
Der Angriff bei Hebron fÀllt in eine Phase, in der sich die Sicherheitslage im Westjordanland seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem folgenden Gaza-Krieg deutlich verschÀrft hat. MilitÀrische Razzien, bewaffnete Angriffe und Gewalt radikaler Siedler prÀgen den Alltag vieler Menschen.
Die angekĂŒndigte Operation verbindet mehrere Instrumente: die Suche nach Waffen und VerdĂ€chtigen, StraĂensperren, die Abriegelung von Hebron und Halhul sowie mögliche Abrisse von Bauwerken. FĂŒr die palĂ€stinensische Bevölkerung bedeuten solche MaĂnahmen EinschrĂ€nkungen bei Bewegungsfreiheit, Arbeit, Versorgung und medizinischer Behandlung.
SicherheitsmaĂnahme vor der Wahl
Politisch erhĂ€lt der Einsatz zusĂ€tzliche Bedeutung, weil Israel am Dienstag ein neues Parlament wĂ€hlt. Der Konflikt mit den PalĂ€stinensern ist ein zentrales Wahlkampfthema, insbesondere fĂŒr rechte Parteien, die ein hartes Vorgehen gegen Angriffe versprechen. Eine mehrtĂ€gige Abriegelung kann deshalb nicht nur militĂ€rische Folgen haben, sondern auch die innenpolitische Debatte ĂŒber Sicherheit und den Umgang mit dem Westjordanland verschĂ€rfen.
Nach israelischen Angaben bleibt die Operation auf das Gebiet begrenzt, aus dem die Angreifer operierten. Zugleich zeigen Abriegelungen und Kontrollen, wie eng die Sicherheitspolitik mit der Bewegungsfreiheit von rund drei Millionen PalÀstinensern und dem Schutz israelischer Soldaten und Siedler verbunden ist.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âIsrael will Westjordanland nach Angriff in Hebron abriegelnâ (23.10.2026)
Der Beitrag bestĂ€tigt den Tod von zwei israelischen Soldaten und berichtet ĂŒber die Abriegelung Hebrons sowie die geplante Ausweitung auf das gesamte Westjordanland. Einen Schwerpunkt setzt er auf die Folgen der Sperren fĂŒr die palĂ€stinensische Bevölkerung und auf die NĂ€he zur Parlamentswahl.
Deutschlandfunk: âAngriff in Hebron - Israels Premier ordnet Abriegelung des Westjordanlands anâ (23.10.2026)
Der Deutschlandfunk ordnet den Angriff und die von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu angeordnete Abriegelung als zentrale Meldung des Tages ein. Der Beitrag konzentriert sich auf die politische Entscheidung und die angekĂŒndigten SicherheitsmaĂnahmen; offen bleibt, wie lange die EinschrĂ€nkungen tatsĂ€chlich andauern.
Beide BeitrĂ€ge bestĂ€tigen den Angriff, die getöteten Soldaten und die geplanten Abriegelungen. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung zwischen militĂ€rischen MaĂnahmen, politischen Reaktionen und den Folgen fĂŒr die Zivilbevölkerung.
