Westjordanland: Netanjahu ordnet Abriegelung nach Angriff an
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 14:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWSHebron und die angekĂŒndigten FolgemaĂnahmen
- MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu ordnete nach einer Lagebesprechung die Abriegelung Hebrons an.
- Bei dem Schusswaffenangriff nahe Hebron wurden zwei Soldaten getötet und drei weitere verletzt.
- Die zwei mutmaĂlichen TĂ€ter aus Hebron wurden getötet; ihre mögliche Mitgliedschaft in der Hamas war zunĂ€chst unklar.
Abriegelung folgt auf Angriff nahe Hebron
Nach einem Angriff mit zwei getöteten Soldaten nahe Hebron hat Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu die SicherheitskrĂ€fte auf eine mögliche Abriegelung des gesamten Westjordanlands vorbereitet. ZunĂ€chst wurde die Stadt Hebron abgeriegelt, wĂ€hrend israelische EinsatzkrĂ€fte nach den mutmaĂlich palĂ€stinensischen TĂ€tern suchten.
Zwei Soldaten sterben bei Schusswaffenangriff
Bei dem Angriff am Morgen wurden nach MilitĂ€rangaben zwei Soldaten getötet und drei weitere verletzt. Die beiden mutmaĂlichen TĂ€ter aus Hebron wurden getötet.
Netanjahu sprach von einem schweren Anschlag und kĂŒndigte umfangreiche Verhaftungswellen an. Ob die beiden MĂ€nner der Hamas angehörten, war zunĂ€chst unklar; die Organisation lobte die Tat, bekannte sich aber nicht ausdrĂŒcklich dazu.
MilitĂ€r kĂŒndigt Durchsuchungen an
Nach einer Lagebesprechung mit Verteidigungsminister Israel Katz und Generalstabschef Ejal Zamir ordnete Netanjahu nach Angaben seines BĂŒros an, die Viertel der mutmaĂlichen TĂ€ter zu durchsuchen. HĂ€user sollten durchsucht und Terrorinfrastruktur zerstört werden; Einwohner mĂŒssten die betroffenen Gegenden demnach verlassen.
PrĂ€sident Izchak Herzog bezeichnete den Angriff als abscheulichen Terroranschlag. Er erklĂ€rte ebenfalls, die Soldaten hĂ€tten einen gröĂeren Anschlag und eine weitaus gröĂere Tragödie verhindert.
Abriegelung erschwert Bewegungsfreiheit
Eine vollstĂ€ndige SchlieĂung der ĂbergĂ€nge wĂŒrde vielen PalĂ€stinensern die Einreise nach Israel verwehren. Betroffen wĂ€ren unter anderem Wege zur medizinischen Behandlung, zur Arbeit, zu religiösen StĂ€tten und zu Verwandten; grundsĂ€tzlich ist dafĂŒr bereits eine Genehmigung erforderlich.
Ein Lockdown des Westjordanlands vor einer israelischen Wahl ist nicht ungewöhnlich. Israel riegelt das Gebiet auch zu hohen jĂŒdischen Feiertagen ab, um nach eigenen Angaben AnschlĂ€ge zu verhindern.
Westjordanland bleibt politischer Brennpunkt
Israel eroberte das Westjordanland im Sechstagekrieg 1967 und hÀlt es seither besetzt. In dem Gebiet leben rund drei Millionen PalÀstinenser und etwa 700.000 israelische Siedler.
Seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem folgenden Gaza-Krieg hat sich die Gewalt im Westjordanland verschÀrft. Neben Angriffen und israelischen MilitÀreinsÀtzen nahm auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen PalÀstinenser zu.
Die israelische Parlamentswahl findet in vier Tagen statt. Der Konflikt mit den PalÀstinensern ist ein wichtiges Wahlkampfthema; Umfragen zufolge könnten sowohl Netanjahus Lager als auch die Opposition Schwierigkeiten haben, eine Mehrheit zu sichern.
Die angekĂŒndigte Abriegelung steht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem bewaffneten Angriff nahe Hebron und fĂ€llt zugleich in die Schlussphase des israelischen Wahlkampfs. Sicherheitsfragen gehören zu den zentralen Themen der Parlamentswahl; politische Forderungen nach einem hĂ€rteren Vorgehen im Westjordanland dĂŒrften dadurch zusĂ€tzlich an Gewicht gewinnen.
FĂŒr die palĂ€stinensische Bevölkerung hĂ€tte eine SchlieĂung der ĂbergĂ€nge konkrete Folgen. Der Zugang zu ArbeitsplĂ€tzen, medizinischer Behandlung, religiösen StĂ€tten und Familienangehörigen in Israel wĂŒrde fĂŒr viele Menschen erneut von Sondergenehmigungen und Sicherheitsentscheidungen abhĂ€ngen. Die Stadt Hebron und ihr Umland gelten seit Jahren als besonders konfliktbelastet.
Folgen fĂŒr die Sicherheitslage
Die angekĂŒndigten Durchsuchungen und möglichen Zerstörungen von HĂ€usern in den Vierteln der mutmaĂlichen TĂ€ter wĂŒrden die israelische Reaktion ĂŒber die unmittelbare Fahndung hinaus ausweiten. Solche MaĂnahmen können die Bewegungsfreiheit ganzer Stadtteile einschrĂ€nken und die Spannungen zwischen israelischen SicherheitskrĂ€ften und PalĂ€stinensern verschĂ€rfen.
Der Vorgang fĂŒgt sich in eine seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 deutlich verschĂ€rfte Lage im Westjordanland ein. Neben bewaffneten Angriffen und israelischen MilitĂ€reinsĂ€tzen ist auch die Gewalt radikaler Siedler ein anhaltendes Problem. Die weitere Entwicklung hĂ€ngt nun davon ab, wie lange die Abriegelung dauert, welche Gebiete sie tatsĂ€chlich umfasst und ob auf den Angriff zusĂ€tzliche MilitĂ€roperationen folgen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: âKurz vor der Wahl: Netanjahu ordnet nach Angriff 'Abriegelung' von Westjordanland anâ (23.10.2026)
Der Beitrag bestĂ€tige den Angriff, die Tötung der beiden mutmaĂlichen TĂ€ter und Netanjahus Anweisung zur vollstĂ€ndigen Abriegelung. Einen Schwerpunkt setze er auf den Wahlkampf, Forderungen rechtsextremer Minister und die Zahl der Verletzten.
ZDFheute: âIsrael bereitet "vollstĂ€ndige Abriegelung" von Westjordanland vorâ (23.10.2026)
Der Bericht bestĂ€tige die Abriegelung Hebrons und die Vorbereitung einer vollstĂ€ndigen SchlieĂung des Westjordanlands. Im Unterschied zum Stern-Beitrag konzentriere er sich auf die Anordnung und nenne weniger Einzelheiten zum Angriff sowie zum politischen Umfeld.
Beide BeitrĂ€ge stellten die Abriegelung als unmittelbare Reaktion auf den Angriff dar. Unterschiede gebe es vor allem beim Umfang der Darstellung; offen bleibe, wie lange die MaĂnahmen dauerten und welche ĂbergĂ€nge tatsĂ€chlich geschlossen wĂŒrden.
