Anhörung, Trump-Attentat

Anhörung zu Trump-Attentat lÀsst Fragen offen

23.07.2024 - 01:28:22

Wie kam es dazu, dass ein 20-JĂ€hriger ungehindert SchĂŒsse auf Ex-PrĂ€sident Donald Trump abgeben konnte? Eine Anhörung der Chefin des Secret Service brachte wenig Klarheit.

  • Die Secret-Service-Chefin war viereinhalb Stunden einer zum Teil harschen Befragung ausgesetzt. - Foto: John McDonnell/FR172064 AP/AP/dpa

    John McDonnell/FR172064 AP/AP/dpa

  • Cheatle sieht das Attentat als schwerstes Versagen der Behörde seit Jahrzehnten. - Foto: Rod Lamkey/FR172078/AP/dpa

    Rod Lamkey/FR172078/AP/dpa

Die Secret-Service-Chefin war viereinhalb Stunden einer zum Teil harschen Befragung ausgesetzt. - Foto: John McDonnell/FR172064 AP/AP/dpaCheatle sieht das Attentat als schwerstes Versagen der Behörde seit Jahrzehnten. - Foto: Rod Lamkey/FR172078/AP/dpa

Nach dem Attentat auf Ex-PrĂ€sident Donald Trump rĂ€umt Secret-Service-Chefin Kimberly Cheatle ein Versagen des Dienstes ein - lĂ€sst aber viele Fragen unbeantwortet. In einer stundenlangen Anhörung im US-Kongress verwies sie hĂ€ufig auf laufende Ermittlungen. RĂŒcktrittsforderungen wies Cheatle zurĂŒck.

Vor allem blieb weiterhin unklar, wie es passieren konnte, dass ein Dach mit direkter Sicht zur BĂŒhne bei Trumps Wahlkampfevent unbesetzt blieb und der 20-jĂ€hrige AttentĂ€ter von dort mehrere SchĂŒsse abgeben konnte. Er wurde danach von einem ScharfschĂŒtzen des Secret Service getötet. Eine seiner Kugeln traf Trump am Ohr, ein Teilnehmer der Kundgebung wurde getötet und zwei weitere verletzt. Sie habe sich persönlich bei Trump entschuldigt, sagte Cheatle.

183 Meter mit freier Sicht zu Trumps BĂŒhne

Das GebĂ€ude, von dem die SchĂŒsse fielen, war rund 183 Meter von Trumps BĂŒhne entfernt, wie Cheatle sagte. Es lag außerhalb der vom Secret Service geschĂŒtzten Sperrzone.

Stattdessen seien im Inneren des flachen FirmengebĂ€udes Beamte der örtlichen Sicherheitsbehörden postiert worden, sagte Cheatle. Außerdem sollte es von oben beobachtet werden - auf welche Weise genau, ließ sie offen. Auch auf einem Wasserturm in der NĂ€he seien keine Mitarbeiter des Secret Service gewesen, rĂ€umte sie ein.

Zuvor hatte Cheatle in einem Interview gesagt, dass SchrĂ€gdach des FirmengebĂ€udes sei als zu steil eingestuft worden, um Beamte darauf zu positionieren. Abgeordnete verwiesen darauf, dass das Dach hinter Trumps BĂŒhne, auf dem Secret-Service-ScharfschĂŒtzen saßen, noch steiler gewesen sei.

Mehrere Hinweise auf den SchĂŒtzen

Die Secret-Service-Chefin rĂ€umte auch ein, dass es «zwei bis fĂŒnf» Hinweise auf den spĂ€teren SchĂŒtzen gegeben habe, der unter anderem mit einem Entfernungsmesser aufgefallen sei.

Sie betonte jedoch, dass der Dienst zwischen verdĂ€chtig wirkenden Personen und klaren Bedrohungen unterscheide. Ein Rucksack oder ein Entfernungsmesser machten jemanden nicht automatisch zur Gefahr. Der AttentĂ€ter sei erst wenige Sekunden vor den SchĂŒssen als Bedrohung eingestuft worden, sagte sie. Im Bereich außerhalb der Sicherheitssperrzone war wie vielerorts in den USA das offene Tragen von Waffen erlaubt.

Der Secret Service ist in den USA fĂŒr den Schutz ranghoher Politiker zustĂ€ndig, darunter amtierende und frĂŒhere PrĂ€sidenten. Aktuell werden 36 Personen von der Behörde bewacht - sie ist auch bei Besuchen von AmtstrĂ€gern aktiv.

«Was vertuschen sie?» 

Trump, der fĂŒr die Republikaner im November wieder ins Weiße Haus einziehen will, war am 13. Juli bei einem Wahlkampfauftritt im Bundesstaat Pennsylvania verletzt worden. Er sagte spĂ€ter, er habe kurz vor dem ersten Schuss den Kopf gedreht. Die Kugel streifte sein rechtes Ohr. Danach warfen sich LeibwĂ€chter des Secret Service auf ihn.

Einige Abgeordneten der Republikaner versuchten sich bei der Anhörung im Aufsichtsausschusses im ReprÀsentantenhaus am Montag in Verschwörungstheorien. «Was vertuschen sie?», fragte etwa Lisa McLain aus Michigan Cheatle. «Gab es eine Verschwörung, PrÀsident Trump zu töten?», wollte die rechte Republikanerin Marjorie Taylor Greene von ihr wissen. «Absolut nicht», antwortete die Secret-Service-Chefin.

Zugleich ließ Cheatle unter anderem Fragen dazu unbeantwortet, wie der SchĂŒtze aufs Dach kam - und wie viele PatronenhĂŒlsen dort gefunden wurden.

«Sie sollten wieder Doritos bewachen»

In dem oft entlang der politischen Trennlinien gespaltenen Ausschuss waren sich viele Republikaner und Demokraten diesmal einig, dass Cheatle nach dem Attentat zurĂŒcktreten mĂŒsse. Sie konterte, dass sie aus ihrer Sicht aktuell die beste Person sei, um den Dienst zu fĂŒhren. Es werde eine grĂŒndliche Untersuchung und Konsequenzen geben. Die Ermittlungen dĂŒrften allerdings um die zwei Monate dauern.

Abgeordnete beider Parteien zeigten sich ungemein frustriert von Cheatles Antworten. «Sie sollten sofort gefeuert werden und wieder Doritos bewachen», rief ihr der republikanische Abgeordnete Pat Fallon. Die ErwÀhnung der Chips-Marke war eine Anspielung auf Cheatles zwischenzeitlichen Job als Sicherheitschefin beim GetrÀnke- und Snackriesen PepsicCo. Sie war nach 27 Jahren beim Secret Service in die Wirtschaft gewechselt, bevor sie im September 2022 zur Chefin der Behörde berufen wurde. Die Republikanerin Anna Paulina Luna warf Cheatle vor, bei der Anhörung unter Eid nicht die Wahrheit gesagt zu haben.

«Schwerstes operatives Versagen seit Jahrzehnten»

Cheatle bezeichnete die Attacke als schwerstes operatives Versagen des Secret Service seit Jahrzehnten. Der Vorsitzende des Aufsichtsausschusses im ReprĂ€sentantenhaus, der Republikaner James Comer, sagte, dass der Angriff zu verhindern gewesen sei. Sein demokratischer Vize Jamie Raskin verwies unterdessen darauf, dass Schusswaffen-Angriffe in Amerika zu hĂ€ufig passierten. Man habe nur geglaubt, dass wenigstens die vom Secret Service BeschĂŒtzten vor Waffengewalt sicher seien, wĂ€hrend das die AlltagsrealitĂ€t fĂŒr gewöhnliche Amerikaner sei.

@ dpa.de