LĂ€nder, Truppen

26 LĂ€nder wollen Truppen fĂŒr Ukraine-Frieden bereitstellen

04.09.2025 - 18:42:59

Wie weit will Europa bei der UnterstĂŒtzung der Ukraine gehen? In Paris geben 26 LĂ€nder Zusagen fĂŒr Sicherheitsgarantien, Deutschland hĂ€lt sich noch bedeckt. Aber sind die USA ĂŒberhaupt mit im Boot?

26 westliche LÀnder LÀnder sind bereit, Truppen zur Absicherung eines Waffenstillstands oder Friedens zwischen Russland und der Ukraine zu entsenden. Das teilten Frankreichs PrÀsident Emmanuel Macron und EU-KommissionsprÀsidentin Ursula von der Leyen nach Beratungen der sogenannten Koalition der Willigen in Paris mit. 

Die LĂ€nder hĂ€tten sich bereit erklĂ€rt, Bodentruppen oder KrĂ€fte in der Luft oder auf See zum RĂŒckhalt einzusetzen, sagte von der Leyen. Welche LĂ€nder sich konkret mit wie viel Soldaten und auf welche Weise beteiligen wollen, wurde in Paris nicht gesagt.

Deutschland hÀlt sich noch bedeckt

Deutschland wollte sich auf jeden Fall noch nicht auf eine Beteiligung festlegen. ZunĂ€chst mĂŒssten Finanzierung, Bewaffnung und Ausbildung der ukrainischen StreitkrĂ€fte im Mittelpunkt stehen, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der zu den Pariser Beratungen zugeschaltet war, nach Angaben seines Regierungssprechers. Die StĂ€rkung der ukrainischen Armee nach einem Kriegsende wurde auch bei dem Treffen in Paris als wichtigstes Element von Sicherheitsgarantien fĂŒr das Land bezeichnet, abseits einer Entsendung von Truppen.

«Diese Streitmacht hat weder den Willen noch das Ziel, Kriege gegen Russland zu fĂŒhren, sondern soll den Frieden sichern und ein klares strategisches Signal setzen», sagte Macron. «Sie wird im Rahmen eines Waffenstillstands eingesetzt werden, nicht an der Frontlinie, sondern in Gebieten, die derzeit festgelegt werden, aber sie soll jede neue grĂ¶ĂŸere Aggression verhindern und die 26 Staaten ganz klar in die dauerhafte Sicherheit der Ukraine einbeziehen.» 

Eine TruppenprĂ€senz europĂ€ischer Nato-Staaten in der Ukraine könnte nach Angaben aus MilitĂ€rkreisen vor allem ein groß angelegter Ausbildungseinsatz sein. Demnach geht es nicht um eine Friedenstruppe im klassischen Sinn.

Zusagen aus Washington lassen auf sich warten

Die Hauptlast eines Einsatzes wĂŒrden die europĂ€ischen Nato-Mitglieder tragen. Dabei hatten die EuropĂ€er immer wieder deutlich gemacht, dass es nicht ohne eine RĂŒckversicherung durch die USA gehen wird. Nach dem jĂŒngsten Besuch des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj in Washington, der die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten europĂ€ischen VerbĂŒndeten im Schlepptau hatte, sah es so aus, als ließe sich US-PrĂ€sident Donald Trump dazu bewegen. Doch konkrete Zusagen aus Washington ließen auf sich warten.

Zu dem Pariser Treffen reiste der US-Sondergesandte Steve Witkoff an, und im Anschluss wurde Trump wĂ€hrend eines eineinhalbstĂŒndigen Telefonats informiert. «Die Ergebnisse dieses Telefonats sind einfach. In den nĂ€chsten Tagen werden wir die UnterstĂŒtzung der USA fĂŒr diese Sicherheitsgarantien finalisieren», sagte Macron - ohne weiter auf die konkrete Rolle der USA einzugehen. 

Drohen Moskau neue Sanktionen?

35 Staats- und Regierungschefs - teils vor Ort und per Video zugeschaltet - hatten unter dem Vorsitz von Macron und des britischen Premiers Keir Starmer außer ĂŒber Sicherheitsgarantien auch ĂŒber politische und militĂ€rische Zusagen fĂŒr den Fall einer erneuten russischen Aggression beraten. WĂ€hrend des Telefonats mit Trump sei es auch um neue Sanktionen gegangen, um die Kriegsanstrengungen Russlands zu stoppen, wenn Moskau weiterhin konkrete FriedensgesprĂ€che ablehnt, sagte Macron. DiesbezĂŒglich werde es erneute Kontakte zwischen Amerikanern und Russen geben.

 

In der Diskussion um die Bereitstellung von Truppen haben die meisten Mitglieder der Koalition bislang eine abwartende Haltung eingenommen. Frankreich und Großbritannien erklĂ€rten sich zum Entsenden einiger Tausend Soldaten bereit. Eine Zusage gab es außerdem bereits aus DĂ€nemark, Estland und Litauen. Schweden zeigte sich bereit, den Frieden in der Ukraine durch LuftraumĂŒberwachung und vom Meer aus zu sichern. Die Niederlande erklĂ€rten, sie könnten sowohl in der Luft als auch zu Wasser und zu Lande Hilfe zu leisten.

Tschechien hĂ€lt die Diskussion ĂŒber einen Einsatz von Soldaten fĂŒr verfrĂŒht, Litauen Ă€ußerte sich zurĂŒckhaltend. Spanien und Portugal deuteten vor Monaten an, dass sie sich eventuell an einer Friedensmission beteiligen könnten. Dem Verlegen von Soldaten eine Absage erteilten Griechenland, die Slowakei, Italien, Zypern, Polen, Österreich, RumĂ€nien, Slowenien, Kroatien und Ungarn. Viele dieser LĂ€nder zeigten sich aber bereit, die Absicherung eines kĂŒnftigen Friedens in der Ukraine auf anderem Wege, etwa mit logistischer Hilfe oder der Ausbildung ukrainischer Soldaten, zu unterstĂŒtzen.

Putin bleibt bei alten Forderungen 

Ob es ĂŒberhaupt zu einer Friedenslösung kommt, bleibt aber weiter offen. Russland sei bereit, weiter Krieg zu fĂŒhren, sollte es nicht zu einer Einigung kommen, die Moskau genehm sei, sagte Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin am Mittwoch. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, sagte, Russland lehne die westlichen Überlegungen fĂŒr Sicherheitsgarantien einschließlich der Entsendung von Truppen aus Nato-Staaten in die Ukraine ab. «Russland wird nicht ĂŒber eine zutiefst unannehmbare und jede Sicherheit untergrabende auslĂ€ndische Intervention in der Ukraine diskutieren», sagte sie.

Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte verteidigte die laufenden Planungen fĂŒr europĂ€ische Truppen in der Ukraine nach einem möglichen Waffenstillstand mit Russland. Der NiederlĂ€nder machte deutlich, dass es aus seiner Sicht keine Rolle spielt, dass Moskau eine solche TruppenprĂ€senz ablehnt. «Warum sollten wir uns dafĂŒr interessieren, was Russland ĂŒber Truppen in der Ukraine denkt?», fragte er rhetorisch bei einer Veranstaltung in Prag. Die Ukraine sei ein souverĂ€nes Land. Und es sei nicht an Russland, ĂŒber eine TruppenprĂ€senz zu entscheiden.

@ dpa.de