VerlÀngerung, Feuerpause

VerlÀngerung der Feuerpause in Gaza ungewiss

01.12.2023 - 05:23:15

Wird die Feuerpause verlĂ€ngert? Die Verhandlungen im Gaza-Krieg werden zunehmend schwieriger. US-Außenminister Blinken hat fĂŒr Israel deutliche Worte, sollte der Krieg weitergehen. Der Überblick.

Israel hat kurz vor Ablauf der Frist fĂŒr die Feuerpause nach eigenen Angaben einen Angriff aus dem Gazastreifen abgewehrt. Wie die israelische Armee am Morgen bekanntgab, habe die Luftabwehr eine mutmaßliche Rakete aus dem Gazastreifen abgefangen.

Israel und die islamistische Hamas hatten eine bis zum Morgen befristete Feuerpause vereinbart. Die Frist ist nun verstrichen. Das «Wall Street Journal» berichtete unter Berufung auf Àgyptische Quellen, beide Seiten hÀtten sich auf eine nochmalige VerlÀngerung um einen Tag geeinigt. Eine BestÀtigung Israels gab es zunÀchst nicht.

Wenige Stunden vor Ablauf der Frist entließ die israelische GefĂ€ngnisbehörde nach palĂ€stinensischen Angaben als Teil des Abkommens erneut 30 palĂ€stinensische HĂ€ftlinge, nachdem die Hamas am Vortag weitere acht israelische Geiseln freigelassen hatte.

Blinken mahnt Israel

US-Außenminister Antony Blinken forderte Israels FĂŒhrung mit deutlichen Worten auf, die Zivilisten im Gazastreifen zu schĂŒtzen. Sollte Israel den Krieg wieder aufnehmen und gegen den sĂŒdlichen Gazastreifen vorrĂŒcken, um die Hamas zu verfolgen, sei es «zwingend erforderlich», dass sich Israel an das humanitĂ€re Völkerrecht und die Regeln der KriegsfĂŒhrung halte, sagte Blinken bei einem erneuten Besuch in Israel.

Die zahlreichen Todesopfer in der Zivilbevölkerung und die Vertreibung in dem Ausmaß, wie man sie im nördlichen Gazastreifen gesehen habe, dĂŒrfe sich im SĂŒden nicht wiederholen, mahnte er nach einem Treffen mit Regierungschef Benjamin Netanjahu.

Israel mĂŒsse vor der Wiederaufnahme grĂ¶ĂŸerer MilitĂ€reinsĂ€tze humanitĂ€re PlĂ€ne zum Schutz der Zivilbevölkerung vorlegen, die weitere Opfer auf ein Minimum reduzierten, forderte Blinken. In den PlĂ€nen sollte etwa genau festgelegt werden, in welchen Gebieten Zivilisten im sĂŒdlichen und zentralen Gazastreifen sicher seien. Die Zerstörung lebenswichtiger Infrastruktur wie von KrankenhĂ€usern, Kraftwerken und Wasserversorgungsanlagen mĂŒsse vermieden werden.

HilfsgĂŒter erreichen den Norden Gazas

Unterdessen berichtete der PalĂ€stinensische Rote Halbmond, dass seit Beginn der Waffenruhe 310 Lastwagen mit HilfsgĂŒtern erfolgreich den Norden des abgeriegelten KĂŒstenstreifens erreicht hĂ€tten. Auf diese Weise konnten wichtige GĂŒter wie Lebensmittel, Babynahrung und Decken fĂŒr Tausende Menschen in Not bereitgestellt werden, hieß es auf X (vormals Twitter). Allein am Vortag hĂ€tten 56 Lastwagen mit HilfsgĂŒtern die Stadt Gaza und die nördlichen Gebiete des KĂŒstengebiets erreicht. Insgesamt kamen demnach seit Beginn der Feuerpause mehr als 1000 Lkw mit HilfsgĂŒtern im gesamten Gebiet an.

Weitere Geiseln frei

Derweil ließ die Hamas aus dem Gazstreifen zunĂ€chst zwei israelische Frauen frei, am Donnerstagabend dann weitere sechs Israelis. Sie sollten medizinisch untersucht werden, bevor sie anschließend in KrankenhĂ€usern ihre Familien treffen, wie das MilitĂ€r mitteilte. Nach Angaben aus dem BĂŒro von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu handelte es sich um vier Frauen sowie eine 18-JĂ€hrige und ihren 17-jĂ€hrigen Bruder. Die beiden arabisch-israelischen Geschwister waren aus einer Beduinenstadt im SĂŒden des Landes entfĂŒhrt worden.

Auch weitere PalĂ€stinenser auf freiem Fuß

Die im Gegenzug von Israel auf freien Fuß gesetzten 30 PalĂ€stinenser seien in Ost-Jerusalem sowie im Westjordanland von ihren Familien empfangen worden, berichteten in der Nacht palĂ€stinensische Medien. Demnach handelte es sich um acht Frauen sowie 22 mĂ€nnliche Jugendliche unter 19 Jahren. Der Sprecher des katarischen Außenministeriums hatte zuvor auf der Plattform X von sieben Frauen sowie 23 mĂ€nnlichen Jugendlichen gesprochen.

Das Emirat Katar hatte gemeinsam mit Ägypten und den USA zwischen Israel und der Hamas die Feuerpause und den Austausch von zivilen Geiseln gegen palĂ€stinensische Gefangene vermittelt. Die ursprĂŒnglich fĂŒr vier Tage vereinbarte Feuerpause war um drei Tage verlĂ€ngert worden. Die in dem Konflikt vermittelnden LĂ€nder Ägypten und Katar bemĂŒhten sich um eine nochmalige VerlĂ€ngerung der Feuerpause.

Israel vermutet, dass sich noch rund 145 Geiseln in Gaza befinden. Darunter sollen sich allerdings nur noch 15 Frauen und Kindern befinden. Deshalb war es fraglich, wie lange das bisherige Prozedere, bei der Frauen und Kinder im Gegenzug fĂŒr eine VerlĂ€ngerung der Feuerpause freigelassen werden, noch fortgesetzt werden kann.

Couragierter Zivilist nach Hamas-Anschlag in Jerusalem tot

Unterdessen starb ein Zivilist, der bei dem Terroranschlag in Jerusalem die AttentÀter beherzt angriffen hatte und versehentlich von israelischen Soldaten beschossen worden war. Er sei einen Tag vor seinem 38. Geburtstag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen, berichteten mehrere israelische Medien am Donnerstagabend.

Der Mann habe gesehen, wie die AttentĂ€ter an einer Bushaltestelle auf Menschen schossen, sei aus dem Auto gesprungen und habe mit seiner eigenen Waffe auf die Angreifer geschossen. Auch die Soldaten eröffneten das Feuer auf die PalĂ€stinenser, hielten jedoch auch den Mann irrtĂŒmlicherweise fĂŒr einen AttentĂ€ter und schossen auf ihn, hieß es. Die Hamas reklamierte den Terroranschlag spĂ€ter fĂŒr sich.

Was heute wichtig wird

Gespannt wird abgewartet, ob die Feuerpause weiter verlÀngert wird.

@ dpa.de