Steinmeier beginnt Staatsbesuch in Kasachstan
20.06.2023 - 07:17:16Auf der Suche nach neuen Partnern: BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier beginnt einen viertĂ€gigen Besuch in Zentralasien mit Stationen in Kasachstan und Kirgistan. Er war am Montagabend in der kasachischen Hauptstadt Astana eingetroffen. Dort wird ihn StaatsprĂ€sident Kassym-Schomart Tokajew an diesem Dienstag (10.00 Uhr Ortszeit, 6.00 Uhr MESZ) mit militĂ€rischen Ehren begrĂŒĂen. Nach einem GesprĂ€ch wollen beide StaatsoberhĂ€upter spĂ€ter auch an einem deutsch-kasachischen Wirtschaftsforum teilnehmen. Steinmeier war als BundesprĂ€sident bereits 2017 in Kasachstan. Er kennt Zentralasien aber auch aus seiner Zeit als AuĂenminister gut.
Kasachstan ist wirtschaftlich fĂŒr Deutschland unter anderem wegen seines Ăl- und Gasreichtums interessant. So verarbeitet die Raffinerie PCK im brandenburgischen Schwedt jetzt Ăl unter anderem aus Kasachstan, nachdem seit Januar wegen des Ukraine-Kriegs der Bezug russischen Ăls ĂŒber die Pipeline Druschba gestoppt worden war. Auch Seltene Erden, bei denen Deutschland hochgradig von China abhĂ€ngig ist, gibt es dort.
Politisch ist Kasachstan ein eher schwieriges Land. Tokajews FĂŒhrungsstil gilt als autoritĂ€r. Im Januar vergangenen Jahres waren soziale und politische Proteste mit Ausschreitungen in der ehemaligen Sowjetrepublik gewaltsam niedergeschlagen worden - auch mit Hilfe russischer Soldaten. Nach Behördenangaben wurden mindestens 200 Menschen getötet. Aus deutscher Sicht positiv ist, dass anschlieĂend bei einer Verfassungsreform auch die Todesstrafe abgeschafft wurde. Andererseits kritisieren internationale Beobachter MĂ€ngel bei der Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit.
Kein guter Listenplatz
So steht Kasachstan zum Beispiel auf der Rangliste der Pressefreiheit 2023 der Organisation Reporter ohne Grenzen auf Platz 134 von 180 Staaten. Zum Vergleich: Deutschland belegt Platz 21.
Nicht viel besser schaut es in Kirgistan aus, wohin Steinmeier im Anschluss reisen will. Auch dieses Land wird autoritĂ€r regiert, auf der Rangliste der Pressefreiheit rangiert es auf Platz 122. Aber: Auch Kirgistan ist rohstoffreich, es gibt groĂe Vorkommen an Seltenen Erden und an Gold.
Steinmeier will laut BundesprĂ€sidialamt mit dem Besuch die groĂe geopolitische und geoökonomische Bedeutung der Region betonen, die mit dem Ukraine-Krieg noch gewachsen sei. Die Botschaft laute: «Deutschland und Europa stehen als Partner der zentralasiatischen Staaten bereit. Ihr seid nicht allein in der schwierigen Nachbarschaft Russlands und Chinas.» Es gebe aber auch ein wachsendes strategisches Interesse Deutschlands, die Beziehungen zu Zentralasien zu stĂ€rken, weil man sich - Stichwort Zeitenwende - politisch und wirtschaftlich breiter aufstellen wolle.
Allerdings haben die Staaten Zentralasiens - allesamt ehemalige Sowjetrepubliken - traditionell enge Bindungen an Russland. Zu ihnen zĂ€hlen neben Kasachstan und Kirgistan noch Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan. Die Hoffnung in Berlin ist, dass der Einmarsch Russlands in der Ukraine zu einem Umdenken und einer Suche nach neuen Partnern fĂŒhrt. Als solcher bietet sich aber auch China an. So wurde bei einem China-Zentralasien-Gipfel soeben die Förderung der Zusammenarbeit «auf ganzer Linie» vereinbart.
Kasachstan ist von der FlÀche her fast acht Mal so groà wie Deutschland, zÀhlt aber mit gut 19 Millionen Menschen noch nicht einmal ein Viertel der Einwohner. Die gemeinsame Grenze mit Russland ist rund 7600 Kilometer lang, die mit China fast 1800 Kilometer.


