William Ruto, Kenia

Afrika-Klimagipfel: Forderung nach gerechter Finanzierung

06.09.2023 - 17:55:07

Zum Abschluss des ersten Afrika-Klimagipfels stellen die Staatschefs des Kontinents klare Forderungen an die Weltgemeinschaft.

Afrikanische Staatschefs haben zum Abschluss des ersten Afrika-Klimagipfels den Umbau des weltweiten Finanzsystems fĂŒr mehr Fairness gefordert. Heute verkĂŒndeten die Teilnehmer des Gipfels in Kenias Hauptstadt den Beschluss der sogenannten Nairobi-ErklĂ€rung, mit der die afrikanischen Staaten als gemeinsame Verhandlungsgrundlage in die bevorstehenden Weltklimakonferenz im November in Dubai gehen wollen.

«Als Kontinent haben wir unseren gemeinsamen Standpunkt entwickelt, der unsere Ambitionen fĂŒr einen sozioökonomischen Wandel und unsere Klimaschutzagenda zusammenfasst», sagte Kenias PrĂ€sident William Ruto in seiner AbschlusserklĂ€rung.

Kontinent leidet stark unter der Klimakrise

An dem dreitÀgigen Spitzentreffen hatten afrikanische Staatschefs sowie Vertreter der Vereinten Nationen, von Regierungen aus anderen Regionen der Welt, Nichtregierungsorganisationen und der Privatwirtschaft teilgenommen. Es war der erste Klimagipfel, bei dem es in erster Linie um Afrika und seine rund 1,3 Milliarden Einwohner ging. Der Kontinent leidet stark unter den Folgen der Klimakrise, trÀgt aber wenig zu den klimaschÀdlichen Treibhausgasemissionen bei.

«Auf dem Gipfeltreffen haben wir deutlich gemacht, dass wir uns der ungerechten Konfiguration multilateraler institutioneller Rahmen bewusst sind, die die afrikanischen Nationen durch kostspielige Finanzierungen immer wieder in die Enge treiben ... und ihnen die Ressourcen vorenthalten, die sie zur EindĂ€mmung des Klimawandels und zur Anpassung daran benötigen», sagte Ruto. «Wir fordern faire Bedingungen fĂŒr unsere LĂ€nder, damit sie Zugang zu den Investitionen erhalten, die sie benötigen, um ihr Potenzial freizusetzen und in Chancen zu verwandeln.»

Die Nairobi-ErklÀrung wurde nach Angaben der Afrikanischen Union einstimmig unter den Staaten auf dem Gipfel angenommen. Wie viele Staatschefs der 54 Staaten Afrikas anwesend waren, war zunÀchst unklar. Der finale Wortlaut des Texts wurde am Nachmittag allerdings zunÀchst nicht veröffentlicht.

Erfolge des Gipfels

Der kenianische PrĂ€sident betonte auch weitere Erfolge des Gipfels: «WĂ€hrend dieses Aktionsgipfels haben verschiedene Akteure, darunter Regierungen, der Privatsektor, multilaterale Banken und Philanthropen, umfangreiche Zusagen in Höhe von insgesamt beachtlichen 23 Milliarden US-Dollar fĂŒr grĂŒnes Wachstum, Klimaschutz und AnpassungsbemĂŒhungen in ganz Afrika gemacht.»

Die Beauftragte fĂŒr internationale Klimapolitik im AuswĂ€rtigen Amt, Jennifer Morgan, sprach von einem wichtigen Schritt fĂŒr die bevorstehende Weltklimakonferenz. Die afrikanischen Staaten hĂ€tten ihre Position weiterentwickeln können, um möglichst mit einer Stimme zu sprechen und ihre Positionen auch an die internationalen GĂ€ste des Gipfels vermittelt. Zentral seien die Themen gewesen, wie sich eine grĂŒne Industrialisierung mit der nötigen Vermeidung des CO2-Ausstoßes schaffen lasse, sowie Finanzinstrumente, um die teils hoch verschuldeten Staaten bei den Kosten zu unterstĂŒtzen.

«Es ist gelungen, die Staaten des Kontinents zusammenzubringen und zu einer gemeinsamen Positionierung zu bringen», sagte die Parlamentarische StaatssekretÀrin im Entwicklungsministerium, BÀrbel Kofler, die wie Morgan ebenfalls in Nairobi war. «Es geht darum, dass afrikanische Staaten hier ihre LösungsansÀtze diskutiert und prÀsentiert haben und wir von den afrikanischen Staaten afrikanische LösungsansÀtze gehört haben», sagte Kofler. «Wir begreifen das als ausgestreckte Hand der Staaten des afrikanischen Kontinents und möchten diese Hand gerne ergreifen.»

Gelder von den Industriestaaten nötig

Zu diesen LösungsansĂ€tzen gehören Forderungen nach einer Schuldenumwandlung, mit der hoch verschuldeten Staaten Teile ihrer Schulden erlassen werden können zugunsten der Finanzierung von Klimawandelprojekten. Gefordert wird auch die Reform der Weltbank sowie eine globale Steuer auf Kohlendioxid. «Es ist etwas, was sich auch durch die GesprĂ€che durchgezogen hat, zu sehen, dass viele Staaten aufgrund der Folgen des Klimawandels und einerseits von der Verschuldungssituation und andererseits nicht finanziell in der Lage sind, adĂ€quate Maßnahmen zu ergreifen, die nötig wĂ€ren, den Klimawandel zu bekĂ€mpfen», betonte Kofler.

Nach Angaben der Organisation One sind die LĂ€nder Afrikas so hoch verschuldet wie noch nie. Aktuell seien 21 LĂ€nder des Kontinents entweder bankrott oder liefen Gefahr, in eine Schuldenkrise zu schlittern. FĂŒr die Folgen des Klimawandels fordern afrikanische Staaten Gelder von den Industriestaaten, die massiv zur ErderwĂ€rmung beigetragen haben.

Afrika, so das Argument, sei statistisch fĂŒr nicht einmal vier Prozent der ErderwĂ€rmung verantwortlich, zahle aber den höchsten Preis. Nach SchĂ€tzungen der Afrikanische Entwicklungsbank kosten klimabedingte Naturkatastrophen die LĂ€nder zwischen 7 und 15 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Bis 2030 könnten diese Verluste auf jĂ€hrlich 50 Milliarden US-Dollar ansteigen.

Laut einem Bericht des Think Tanks PowerShift Africa ist Afrikas Potential zur Herstellung erneuerbarer Energien 50 Mal grĂ¶ĂŸer als der fĂŒr das Jahr 2040 erwartete weltweite Strombedarf. Afrika habe «saubere, erneuerbare Energie im Überfluss», so Direktor Mohamed Adow. «Aber um diese freizusetzen, braucht Afrika Mittel von LĂ€ndern, die durch unser Leiden reich geworden sind.»

@ dpa.de