Putin, Pufferzone

Putin will Pufferzone bei Charkiw

17.05.2024 - 16:25:28 | dpa.de

Zum Ende seiner China-Reise lobt Kremlchef Putin Pekings Streben nach einer Lösung des Konflikts um die Ukraine. Erneut beteuert er, bereit zu Verhandlungen zu sein. Eine Basis dafĂŒr es gebe schon.

  • Nach dem Beschuss durch russische Truppen steigt eine RauchsĂ€ule hinter WohnhĂ€usern in Charkiw auf. - Foto: -/Ukrinform/dpa
  • Relativ schnell besetzten die russischen KrĂ€fte mehrere Dörfer nahe Charkiw an der Grenze. Ihr Vorstoß wurde dadurch begĂŒnstigt, dass die Ukraine ihre westlichen Waffen nicht gegen den Truppenaufmarsch jenseits der Grenze einsetzen durfte. - Foto: -/yonhap/dpa
Nach dem Beschuss durch russische Truppen steigt eine RauchsĂ€ule hinter WohnhĂ€usern in Charkiw auf. - Foto: -/Ukrinform/dpa Relativ schnell besetzten die russischen KrĂ€fte mehrere Dörfer nahe Charkiw an der Grenze. Ihr Vorstoß wurde dadurch begĂŒnstigt, dass die Ukraine ihre westlichen Waffen nicht gegen den Truppenaufmarsch jenseits der Grenze einsetzen durfte. - Foto: -/yonhap/dpa

Russland will die seit Wochen beschossene Stadt Charkiw im Osten der Ukraine nach den Worten von Kremlchef Wladimir Putin nicht besetzen und dort angeblich nur eine Pufferzone einrichten. Stand heute gebe es keine PlÀne, Charkiw einzunehmen, sagte Putin vor Vertretern russischer Staatsmedien zum Ende seines Besuches in China in der Stadt Harbin.

Ein Reporter hatte ihm die Frage gestellt, nachdem der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag die massiv angegriffene Region Charkiw besucht hatte. Selenskyj sprach von einer Stabilisierung der Lage dort. Die Russen hÀtten lediglich die erste von drei Verteidigungslinien erreicht, sagte Selenskyj vor Journalisten.

Putin gab an, dass Russland derzeit eine Pufferzone dort einrichte, weil von Charkiw aus die russische Region Belgorod massiv mit Drohnen und Raketen beschossen werde. Die jĂŒngsten massiven SchlĂ€ge gegen die Region Charkiw habe sich die Ukraine selbst zuzuschreiben, weil sie russisches Gebiet immer wieder attackiere.

Die Behörden in Belgorod meldeten erneut massiven Drohnenbeschuss von ukrainischer Seite. Unter anderem sei ein Auto getroffenen worden, eine Frau und ihre vier Jahre alter Sohn seien getötet worden, sagte Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow. Auch andere Regionen meldeten Drohnenattacken von ukrainischer Seite, es gab mehrere BrÀnde. Allerdings wird Charkiw bereits seit Kriegsbeginn von russischen Truppen massiv beschossen.

Die Lage um Charkiw gilt derzeit weiter als gespannt. Der frĂŒhere Kremlchef Dmitri Medwedew, der jetzt Vizechef im nationalen Sicherheitsrat ist, hatte Selenskyjs Reise nach Charkiw zuvor als Abschiedsbesuch bezeichnet. Weil die FĂŒhrung in Moskau immer wieder Charkiw als russische Stadt bezeichnet, gehen viele Experten davon aus, dass der Kreml auch die Region annektieren will. Putin dementierte dies erstmals mit der EinschrĂ€nkung, dass es derzeit nicht geplant sei.

Tote bei russischem Luftangriff auf Charkiw

Bei einem russischen Luftangriff auf Charkiw sind nach Behördenangaben mindestens zwei Menschen getötet worden. Außerdem seien 25 Menschen verletzt worden, teilte die Stadtverwaltung mit. Russische Flugzeuge hĂ€tten am Freitag zwei Gleitbomben auf die Stadt abgeworfen, schrieb Gebietsgouverneur Gouverneur Oleh Synjehubow auf Telegram.

Die sĂŒdukrainische Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer wurde am Freitag von Russland mit Raketen beschossen. Dabei sei ein Mensch getötet, acht weitere seien verletzt worden, teilte Gouverneur Oleh Kiper mit.

Zugleich setzten russische Bodentruppen ihre vor einer Woche begonnene Offensive in dem Grenzgebiet bei Charkiw fort, wie der ukrainische Oberbefehlshaber Olexander Syrskyj auf Telegram schrieb. Die russische Armee habe diese neue Front mittlerweile auf etwa 70 Kilometer verbreitert. Dies solle die Ukrainer zwingen, mehr Brigaden aus der Reserve einzusetzen. Es sei dem Gegner aber nicht gelungen, die ukrainischen Linien zu durchbrechen. Russland setze bei den Angriffen Luftwaffe, Raketen, Artillerie und Panzer ein. Einen Vorteil fĂŒr die Ukrainer sah Syrskyj bei Drohnen und dem prĂ€ziseren Artilleriefeuer.

Putin lobt China und kritisiert Friedensgipfel in der Schweiz

Putin lobte zum Ende seiner China-Reise ausdrĂŒcklich die Bestrebungen Pekings, den Konflikt um die Ukraine zu beenden. Er habe mit Partei- und Staatschef Xi Jinping ausfĂŒhrlich ĂŒber den Krieg gesprochen, sagte er. China bezeichnet sich als neutral in dem Konflikt, gilt aber als UnterstĂŒtzer Russlands. Zugleich kritisierte Putin den in der Schweiz geplanten Friedensgipfel der Ukraine. Die am 15. und 16. Juni in der NĂ€he von Luzern geplante Konferenz sei der Versuch, Russland Bedingungen fĂŒr eine Beendigung des Konflikts aufzuzwĂ€ngen, sagte er.

Die Ukraine und der Westen hoffen, dass China einen Vertreter zum Gipfel in die Schweiz schickt, um dem Treffen mehr Gewicht zu verleihen. In Kiew sagte Selenskyj im GesprĂ€ch mit den Journalisten, dass viele Staaten an dem Treffen teilnehmen wĂŒrden. Er erinnerte daran, dass auch China fĂŒr die territoriale Unversehrtheit der Ukraine eintrete und kein VerstĂ€ndnis habe fĂŒr Annexionen in dem Land. Ziel des Gipfels in der Schweiz sei ein KommuniquĂ© fĂŒr eine Lösung des Konflikts. Die Ukraine wolle etwa Energiesicherheit und einen Austausch aller Gefangenen erreichen, sagte Selenskyj.

Putin kritisierte, dass Russland nicht eingeladen sei zu dem Treffen, sich aber stĂ€ndig VorwĂŒrfe machen lassen mĂŒsse, daran nicht teilzunehmen. Auch VerbĂŒndete Russlands sehen keinen großen Sinn in dem Treffen, wenn nicht beide Kriegsparteien daran teilnehmen.

Putin betonte erneut, dass Russland bereit sei zu Verhandlungen. Er erinnerte noch einmal daran, dass es kurz nach Kriegsbeginn bereits in Istanbul eine Einigung mit der ukrainischen Seite zur Beilegung des Konflikts gegeben habe. Es habe ein fertiges Dokument gegeben, das nun weiter eine Grundlage fĂŒr neue Verhandlungen sein könne, sagte Putin. Aus dem Papier hatte Ende April auch die Zeitung «Welt» zitiert unter dem Titel: «Das geheime Dokument, das den Ukraine-Krieg hĂ€tte beenden können.» Nach Putins Aussage hĂ€tten damals Kiew und der Westen entschieden, den Kampf fortzusetzen.

Feuerpause zu Olympia? Selenskyj und Putin Ă€ußern sich

UnabhĂ€ngig voneinander Ă€ußerten sich Selenskyj und Putin zur französischen Idee einer Feuerpause wĂ€hrend der Olympischen Sommerspiele in Paris. Ihm seien die Details der Initiative nicht klar, zumal Russland die Gelegenheit nutzen könne, weiter MilitĂ€rtechnik in Richtung Ukraine zu bewegen, sagte Selenskyj der Internetzeitung «Ukrajinska Prawda» zufolge.

Der ukrainische Staatschef betonte erneut, dass es bereits eine Feuerpause gegeben habe, aber diese mit dem russischen Feind nicht funktioniere. Außerdem stelle sich die Frage, «wer sicherstellen wird, dass wĂ€hrend einer Feuerpause ihre StreitkrĂ€fte nicht zu uns vorrĂŒcken». Es sei möglich, in dieser Zeit Technik zu bewegen und dann einen Angriff zu starten, warnte der PrĂ€sident. «Also ich verstehe die Details nicht. FĂŒr mich klingt das bisher nach einer nicht lebensfĂ€higen Geschichte.»

Kremlchef Putin sagte, dass ihn Xi auf das Thema angesprochen habe. Putin selbst Ă€ußerte sich nicht weiter zu dem Inhalt seines GesprĂ€chs. Er kritisierte aber, dass der Westen von Russland die Einhaltung eines olympischen Friedens verlange, sich selbst aber mit dem Ausschluss russischer Athleten nicht an den olympischen Gedanken halte.

Der Kreml hatte schon zuvor Zweifel an einer der französischen Initiative geĂ€ußert, weil die Ukraine die Zeit der Spiele vom 26. Juli bis 11. August nutzen könnte, um die StreitkrĂ€fte weiter aufzurĂŒsten und neu zu gruppieren fĂŒr den Krieg. Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte erklĂ€rt, dass es keine konkreten offiziellen VorschlĂ€ge aus Paris gebe zum Vorgehen.

Die Idee des olympischen Friedens geht auf die Antike zurĂŒck, wurde aber auch bei der Wiederbelebung der Spiele in der Neuzeit als Gedanke aufgenommen. WĂ€hrend des Sportereignisses sollten alle Feindseligkeiten ruhen. In der Vergangenheit wurde aber bereits mehrfach gegen das Gebot verstoßen.

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