Macron-Staatsbesuch, Merz

Macron-Staatsbesuch: Merz fordert europapolitisches Signal

24.05.2024 - 18:54:50

Zum ersten Mal seit 24 Jahren wird wieder ein französischer PrÀsident zum Staatsbesuch erwartet. Der Unionsfraktionschef erhöht vorher den Druck auf Kanzler Scholz.

Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz hat vom Besuch des französischen PrÀsidenten Emmanuel Macron in Deutschland ein klares europapolitisches Signal verlangt.

«Gerade in diesen schwierigen Zeiten muss von diesem Staatsbesuch ein klares Signal ausgehen - und zwar mehr als (eine) AbsichtserklĂ€rung. Es muss konkret werden», sagte Merz, der auch Chef der Unionsfraktion im Bundestag ist, dem Sender rbb24 Inforadio. «Deutschland und Frankreich sind aufeinander angewiesen. Deutschland und Frankreich sind die Motoren der europĂ€ischen Einigung», fĂŒgte Merz hinzu.

Macron wird an diesem Sonntag zum ersten Staatsbesuch eines französischen PrÀsidenten seit 24 Jahren erwartet. Der Besuch war schon im vergangenen Jahr geplant, wurde damals aber von französischer Seite kurzfristig abgesagt. Macron wird zunÀchst von BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier empfangen. Am Dienstag werden Macron und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zum deutsch-französischen Ministerrat im GÀstehaus der Bundesregierung, Schloss Meseberg nördlich von Berlin, erwartet.

Merz im «Economist»: EuropÀische Lebensart bewahren

In einem Beitrag fĂŒr den britischen «Economist» warnte Merz, eine Achse von Autokratien bedrohe die regelbasierte internationale Ordnung und versuche, weltweit Demokratie und Freiheit zurĂŒckzudrĂ€ngen. Der globale Machtwettbewerb zwischen Amerika und China drohe die Welt erneut in zwei geopolitische HemisphĂ€ren zu spalten. Die Bewahrung einer «europĂ€ischen Lebensart» mĂŒsse nun im Mittelpunkt der BemĂŒhungen stehen, forderte Merz.

Man könne aber nur fĂŒr die Demokratie auf der ganzen Welt kĂ€mpfen, wenn die Demokratie zu Hause geschĂŒtzt werde, schrieb Merz weiter. Das europĂ€ische Projekt brauche die UnterstĂŒtzung seiner BĂŒrger, und dafĂŒr sei es wichtig, die Kontrolle ĂŒber die irregulĂ€re Migration zurĂŒckzugewinnen. «Der Aufstieg des Rechtspopulismus ist vor allem auf den unkontrollierten Zustrom von Migranten und die UnfĂ€higkeit Europas zurĂŒckzufĂŒhren, zwischen SchutzbedĂŒrftigen und Schutzlosen zu unterscheiden», kritisierte Merz.

Der Migrationsdruck werde weiter zunehmen, warnte der Unionsfraktionschef. Daher sei es von entscheidender Bedeutung, die Außengrenzen zu sichern und das GeschĂ€ftsmodell der Menschenschmuggler zu brechen. Zu diesem Zweck sollten Europas Staats- und Regierungschefs es der EU-Grenzschutzagentur Frontex ermöglichen, die Grenzen als vollwertige Grenzpolizei und KĂŒstenwache zu ĂŒberwachen, mit Durchsetzungsbefugnissen, die derzeit den Mitgliedstaaten vorbehalten seien.

«Europa hat keine Zeit zu sterben»

Die aktuellen Schwierigkeiten in den deutsch-französischen Beziehungen, die grĂ¶ĂŸtenteils auf Streitigkeiten innerhalb der Koalitionsregierung in Berlin zurĂŒckzufĂŒhren seien, sorgten auf dem gesamten Kontinent fĂŒr Frustration, schrieb Merz. «Wir mĂŒssen eine neue goldene Ära in den deutsch-französischen Beziehungen anstreben, vorzugsweise mit enger Anbindung an Polen im Rahmen des Weimarer Dreiecks.» Merz schloss mit den Worten: «Die Zeit zum Handeln ist jetzt. Europa hat keine Zeit zu sterben.»

Macron hatte Ende April an der Pariser Sorbonne-UniversitĂ€t einen Ruck in Europa fĂŒr mehr UnabhĂ€ngigkeit, wirtschaftliche StĂ€rke und Sicherheit gefordert. Er sagte damals: «Wir mĂŒssen uns heute darĂŒber im Klaren sein, dass unser Europa sterblich ist, es kann sterben.»

@ dpa.de