Mexikos Mega-Wahl: Zwei Frauen kÀmpfen um das PrÀsidentenamt
02.06.2024 - 06:45:51Wer in Mexiko politische StĂ€rke zeigen will, muss den ZĂłcalo-Platz im Zentrum der Hauptstadt mit Zehntausenden AnhĂ€ngern fĂŒllen. MĂ€chtig erheben sich dort der Nationalpalast und die Kathedrale neben den Ruinen des Azteken-Haupttempels.
Die obligatorische Kraftprobe vor der imposanten Kulisse haben die beiden PrÀsidentschaftskandidatinnen vor der Wahl am kommenden Sonntag gemeistert. Nun stehen die Regierungskandidatin Claudia Sheinbaum und die Oppositionelle Xóchitl Gålvez vor einem historischen Schlagabtausch: Eine von ihnen soll die erste PrÀsidentin des lateinamerikanischen Landes werden.
Mega-Wahl: 20.000 Ămter werden neu besetzt
«Die einzige Zukunftsoption liegt bei uns», sagte die Favoritin Sheinbaum, Ex-Regierungschefin von Mexiko-Stadt, bei ihrer Abschlussveranstaltung auf dem Zócalo. «Am 2. Juni werden wir Geschichte schreiben». Mit ihrem Wahlsieg werde zum ersten Mal in der 200-jÀhrigen Geschichte des unabhÀngigen Mexiko eine Frau das PrÀsidentenamt erlangen.
Die 61-jĂ€hrige Physikerin tritt fĂŒr das RegierungsbĂŒndnis um die Linkspartei Morena an. Sie plant den Kurs des nationalpopulistischen PrĂ€sidenten AndrĂ©s Manuel LĂłpez Obrador fortzusetzen. Trotz der ungebremsten Gewalt der Drogenkartelle genieĂt der Staatschef hohe Zustimmungswerte. Nach sechs Jahren Amtszeit darf er aber nicht wieder antreten. LĂłpez Obrador polarisiert Mexiko seit Jahrzehnten.
Nach Ansicht der Oppositionskandidatin GĂĄlvez steht bei den Wahlen im sĂŒdlichen Nachbarland der USA viel auf dem Spiel: «Es ist eine Entscheidung zwischen Demokratie und Autoritarismus». Die Ex-Senatorin und Tech-Unternehmerin mit indigenen Wurzeln ist die Kandidatin eines ZweckbĂŒndnisses aus den drei gröĂten Oppositionsparteien. Der dritte AnwĂ€rter auf das höchste Staatsamt, der 38 Jahre alte Jorge Ălvarez von einer kleineren Partei, hat laut Umfragen keine Chancen.
In der zweitgröĂten Volkswirtschaft Lateinamerikas stimmen fast 100 Millionen Wahlberechtigte ĂŒber das PrĂ€sidentenamt, beide Kammern des Kongresses sowie zahlreiche regionale und lokale Posten ab. Bei der Mega-Wahl werden 20.000 Ămter neu besetzt, darunter Gouverneursposten in acht Bundesstaaten und im Hauptstadtdistrikt. Die Drogenkartelle, die ihren Einfluss sichern wollen, mischten auch mit: Dutzende Lokalkandidaten wurden ermordet, einer sogar beim Abschluss-Event seiner Kampagne.
Zwischen LoyalitÀt und eigener Handschrift
In der prallen Sonne wartete die 84 Jahre alte Columba Cazares mit weiĂem Hut und einer Fahne der Morena-Partei auf den Beginn einer Kundgebung von Sheinbaum. Sie sei ein groĂer Fan der Kandidatin des Regierungslagers und natĂŒrlich auch des PrĂ€sidenten, sagt Cazares. «LĂłpez Obrador hat mir sehr geholfen, und Sheinbaum ist am besten qualifiziert». Sie sei seriös und kĂŒmmere sie sich um die alten Menschen.
Die Sozialpolitik des scheidenden PrĂ€sidenten mit Bargeldtransfers beispielsweise an Rentner ist sehr beliebt. Sheinbaum soll nun in dem bevölkerungsreichsten spanischsprachigen Land fĂŒr KontinuitĂ€t sorgen. Die Enkelin jĂŒdischer Einwanderer im ĂŒberwiegend katholischen Mexiko zeigte sich im Wahlkampf ganz auf der Linie ihres politischen Ziehvaters - ein schwieriger Balanceakt zwischen LoyalitĂ€t und eigener Handschrift.
Unternehmerin in traditionellem Huipil-Kleid
Ihre Rivalin GĂĄlvez stammt aus einfachen VerhĂ€ltnissen. Sie studierte Computertechnik mit einem Stipendium und grĂŒndete zwei Technologie-Unternehmen. Die Ex-Senatorin und frĂŒhere BĂŒrgermeisterin eines Hauptstadtbezirks, die gerne im traditionellen Huipil-Kleid auftritt, ist parteilos, steht aber der bĂŒrgerlichen PAN nahe. Mit einer Million UnterstĂŒtzungsunterschriften von BĂŒrgern zwang sie den diskreditierten Parteien PAN, PRD und der PRI, die ĂŒber 70 Jahre lang ununterbrochen regierte, ihre Kandidatur auf. Sie wirft Sheinbaum vor, sich staatlicher Ressourcen im Wahlkampf bedient zu haben.
Gålvez kritisiert die verfehlte Sicherheitspolitik, die DÀmonisierung Andersdenkender und die Erosion demokratischer Gegengewichte unter López Obrador. Die Regierungspartei will ihre Mehrheit im Kongress weiter ausbauen, um allein Verfassungsreformen wie die Direktwahl von Richtern durchzusetzen. «Es wurde ein polarisierendes und falsches Narrativ aufgestellt. Danach sind alle, die ihre Ideologie nicht akzeptieren, VaterlandsverrÀter», sagte Gålvez. Ob Sheinbaum oder Gålvez, eines steht vor den Wahlen fest: Die glÀserne Decke in der mexikanischen Politik wird durchbrochen.





