Alain Berset, Minister

Schweizer BundesprÀsident Berset verlÀsst Regierung

21.06.2023 - 13:45:05

Zum Jahresende wird Alain Berset seine derzeitige Position aufgeben. Rechte Parteien hatten wegen Skandalen öfter den RĂŒcktritt des Sozialdemokraten gefordert. Er nennt andere GrĂŒnde.

Der derzeitige Schweizer BundesprĂ€sident Alain Berset (51) tritt Ende des Jahres zurĂŒck. Er werde sich nicht mehr zur Wahl in den Bundesrat stellen, sagte der Sozialdemokrat ĂŒberraschend in Bern vor der Presse. Der Bundesrat ist die Regierung der Schweiz. «Ich habe immer versucht, alles zu geben», sagte Berset.

Berset war seit 2012 im Bundesrat. GewĂ€hlt werden die Mitglieder von beiden Parlamentskammern. Die sieben BundesrĂ€te wechseln sich jedes Jahr in der Rolle des PrĂ€sidenten ab, die sie zusĂ€tzlich zu ihrem Ministerposten ausĂŒben. Berset ist Innen- und Gesundheitsminister. In der Regel entscheiden Ministerinnen und Minister selbst, wann sie zurĂŒcktreten. Eine Amtszeit von zehn und mehr Jahren ist ĂŒblich.

Die BegrĂŒndung

Berset verwies zum einen auf seine lange Amtszeit von zwölf Jahren als Beweggrund. Er sei noch nie zwölf Jahre in demselben Job gewesen, sagte er. Ausschlaggebend fĂŒr den Zeitpunkt der AnkĂŒndigung sei aber die Volksabstimmung am vergangenen Sonntag gewesen.

Dabei hatten die Schweizer zum dritten Mal die Corona-Gesetzgebung gestĂŒtzt und die gesetzliche Grundlage fĂŒr einige Pandemiemaßnahmen bis Mitte 2024 verlĂ€ngert. Das sei fĂŒr ihn ein erfolgreicher Abschluss gewesen.

Seine Karriere

Zu seinen Erfolgen zĂ€hlte Berset eine gewonnene Volksabstimmung ĂŒber eine Heraufsetzung des Frauen-Rentenalters von 64 auf 65. MĂ€nner gehen schon lange mit 65 Jahren in Rente. Als Misserfolg bezeichnete er eine Abstimmung, bei der das Volk die von seinem Ministerium geplante Zusatzfinanzierung der staatlichen Rentenkasse ablehnte.

Skandale, ĂŒber die immer wieder berichtet wurde und wegen der Vertreter anderer Parteien mehrfach den RĂŒcktritt des Sozialdemokraten gefordert hatten, hĂ€tten keine Rolle bei seiner Entscheidung gespielt, sagte Berset. Unter anderem soll sein Kommunikationschef vertrauliche Corona-Informationen an Medien weitergereicht haben. Schlagzeilen machte Berset auch, als er in Frankreich als Privatpilot nahe an militĂ€risches Sperrgebiet flog.

Nach Schweizer Tradition sind Minister unabhĂ€ngig von den Parlamentswahlen im Amt. Sie vertreten die vier grĂ¶ĂŸten Parteien. Die wĂ€hlerstĂ€rkste Partei, die SVP, sowie die Sozialdemokraten (SP) und die Freidemokraten (FDP) sind mit zwei BundesrĂ€ten vertreten. Einen Sitz hat die Mitte-Partei, die bis 2021 Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) hieß. Stimmverschiebungen bei den Wahlen werden oft erst Jahre spĂ€ter in der Zusammensetzung der Regierung umgesetzt. Die nĂ€chste Parlamentswahl findet diesen Oktober statt.

@ dpa.de