Fortsetzung der russisch-ukrainischen GesprÀche offen
17.05.2025 - 05:00:42Nach den ersten direkten GesprĂ€chen zwischen Russland und der Ukraine seit drei Jahren ist offen, ob diese fortgesetzt werden. Konkrete PlĂ€ne fĂŒr weitere Treffen und einen möglichen Zeitpunkt dafĂŒr wurden von den Vertretern der Konfliktparteien nicht genannt. Allerdings gehen zumindest Russland sowie die vermittelnde TĂŒrkei von weiteren GesprĂ€chen aus. Die Ukraine Ă€uĂerte sich zunĂ€chst nicht dazu.Â
Derweil lieferten sich russische und ukrainische Truppen weiter erbitterte KÀmpfe. Im nordostukrainischen Gebiet Sumy wurden neun Menschen bei einem russischen Drohnenangriff getötet. Sieben seien verletzt worden, teilte die MilitÀrverwaltung der Region mit. Demnach traf eine Drohne einen Bus in der NÀhe der grenznahen Stadt Bilopillja.
Am Freitag hatten Vertreter Moskaus und Kiews unter tĂŒrkischer Vermittlung knapp eineinhalb Stunden ĂŒber ein mögliches Ende des russischen Angriffskrieges gesprochen. Ăber eine Waffenruhe wurde keine Einigkeit erzielt. Einzig greifbares Ergebnis war die Vereinbarung, jeweils 1.000 Kriegsgefangene auszutauschen. Das wĂ€re der bisher gröĂte Austausch dieser Art seit Kriegsbeginn im Februar 2022. Ein genauer Zeitpunkt wurde nicht öffentlich genannt. Der Austausch solle aber «in nĂ€chster Zeit» erfolgen, sagte der ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umjerow.Â
TĂŒrkischer Minister: Im Prinzip Einigung auf weitere GesprĂ€che
Der tĂŒrkische AuĂenminister Hakan Fidan verbreitete auf der Plattform X nach dem GesprĂ€ch die Ansicht, dass sich die russischen und ukrainischen Delegationen «im Prinzip» auf weitere GesprĂ€che geeinigt hatten. In Moskau machte der Leiter des AuĂenausschusses im russischen Parlament, Leonid Sluzki, deutlich, er rechne mit einer schnellen Entscheidung ĂŒber neue GesprĂ€chsrunden.Â
«Die Auswertung wird Stunden, höchstens Tage dauern», sagte Sluzki im russischen Staatsfernsehen. Dann könne mit der Gegenseite ĂŒber einen neuen Termin gesprochen werden. Dabei gebe es keinen Grund, Zeit zu verlieren. «Jede Stunde bedeutet Menschenleben», sagte er. Schon die zweite Verhandlungsrunde könnte «entscheidend» werden.
VerbĂŒndete der Ukraine reagieren nicht direkt
Von den VerbĂŒndeten der Ukraine gab es zunĂ€chst keine direkten öffentlichen Reaktionen auf das GesprĂ€ch. US-PrĂ€sident Donald Trump hatte schon am Donnerstag â nach Bekanntwerden des Fehlens von Kremlchef Wladimir Putin â gesagt, dass er keine groĂen Erwartungen an das Treffen habe. «Es wird nichts passieren, bis Putin und ich zusammenkommen», sagte er kĂŒrzlich wĂ€hrend seiner Golfstaaten-Reise. Er erklĂ€rte zudem erneut seine Bereitschaft, sich so bald wie möglich mit dem Kremlchef zu treffen, um den Krieg zu beenden.
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hatte Putin am vergangenen Wochenende öffentlich zu einem persönlichen Treffen in Istanbul aufgefordert. Putin hatte darauf nicht geantwortet und stattdessen eine rangniedrigere Delegation zu GesprĂ€chen in die TĂŒrkei geschickt.
Russische Delegation zufrieden
Der Leiter der russischen Delegation, Wladimir Medinski, zeigte sich zufrieden mit dem Treffen in Istanbul. Die beiden Seiten hĂ€tten vereinbart, vor einer nĂ€chsten GesprĂ€chsrunde ihre Vorstellungen von einer Waffenruhe im Detail auszuarbeiten und der Gegenseite zu ĂŒbermitteln. Die ukrainische Delegation habe zudem ein direktes Treffen der StaatsprĂ€sidenten Selenskyj und Putin gefordert. «Wir haben diese Bitte zur Kenntnis genommen», wurde Medinski von russischen Medien zitiert.Â
Ukrainische Delegation berichtet von DifferenzenÂ
Der ukrainische AuĂenamtssprecher Heorhij Tychyj bestĂ€tigte Medienberichte, wonach es harte Differenzen bei den GesprĂ€chen gegeben habe. «Bei den Verhandlungen gab es tatsĂ€chlich Forderungen, die wir fĂŒr unannehmbar halten», sagte Tychyj, nannte aber keine Details.Â
Zuvor hatten Berichte kursiert, wonach die russische Seite weiterhin einen vollstĂ€ndigen RĂŒckzug der Ukraine aus den von Russland beanspruchten Provinzen sowie eine Anerkennung der Annexionen fordere. Tychyj sagte: «Wir haben uns darauf vorbereitet. Die ukrainische Delegation wusste, dass das kommt. Daher hat sie einen sehr zurĂŒckhaltenden Ton eingehalten und ruhig ihre Linie verteidigt, ihre Position ausgesprochen. Wir finden, dass die ukrainische Delegation hinreichend effektiv gearbeitet hat.»
EuropĂ€er wollen sich mit Trump austauschenÂ
Der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron hatte am Abend nach den GesprĂ€chen in Istanbul gesagt, die Ukraine erwarte eine RĂŒckmeldung auf an Russland ĂŒbermittelte Forderungen. «Danach werden wir erneut die Gelegenheit haben, uns mit PrĂ€sident Trump auszutauschen», erklĂ€rte Macron nach dem Ende eines Treffens europĂ€ischer Staats- und Regierungschefs in der albanischen Hauptstadt Tirana.
Macron hatte bereits am Freitagnachmittag gemeinsam mit Selenskyj, Bundeskanzler Friedrich Merz sowie GroĂbritanniens Premier Keir Starmer und Polens Regierungschef Donald Tusk mit Trump telefoniert.
«Es ist klar, dass der Vorschlag fĂŒr einen bedingungslosen Waffenstillstand derzeit die einzige konkrete Initiative ist, die auf dem Tisch liegt», sagte Macron. FĂŒr den Fall, dass es keine positive Antwort gebe, bereite man in Abstimmung mit den Vereinigten Staaten weitere Sanktionen vor.
Polens AuĂenminister sieht China in der Verantwortung
Der polnische AuĂenminister Radek Sikorski ist der Ansicht, dass Putin nur auf Zeit spielt. «Er ist noch immer ĂŒberzeugt, dass er gewinnen kann», sagte Sikorski dem «Tagesspiegel». Die Anwesenheit Trumps sei fĂŒr einen Verhandlungserfolg nicht zwingend erforderlich.Â
«Das Land, das den Krieg beenden und Putin in die Schranken verweisen könnte, ist China», sagte Sikorski. «WĂŒrde China mit einem Handelsembargo drohen, wĂ€re Russland gezwungen, sich zu fĂŒgen.» China bezeichnet sich im Ukraine-Krieg offiziell als neutral. Das Land steht aber international in der Kritik, Russland bei der Invasion zu unterstĂŒtzen.Â
Weiter KĂ€mpfe in der Ukraine
Abseits der Verhandlungstische lieferten sich russische und ukrainische Truppen weiter erbitterte KĂ€mpfe. Der ukrainische Generalstab berichtete in seiner Tagesbilanz von 61 russischen Angriffen, die Mehrzahl rund um die Dauerbrennpunkte Torezk und Pokrowsk. Aus der sĂŒdukrainischen Stadt Cherson wurden russische Drohnenangriffe gemeldet, dabei wurden nach Angaben der Behörden zwei Menschen verletzt. In Kupjansk im Osten der Ukraine wurden bei russischen Artillerieangriffen nach offiziellen Angaben vier Menschen verletzt.











