Papst, Vatikan

Katholische Kirche berĂ€t bei Weltsynode in Rom ĂŒber Zukunft

04.10.2023 - 05:11:46

Zur Weltsynode in Rom kommen Hunderte KirchenmÀnner und einige Frauen zusammen. Die Erwartungen sind hoch. Doch bereits im Vorfeld gibt es Zweifel, dass sich konkret etwas Àndern wird.

In Rom treffen sich am Mittwoch ausgewĂ€hlte Teilnehmer zur Weltsynode der katholischen Kirche, um gemeinsam ĂŒber deren kĂŒnftigen Weg zu beraten. Hunderte Bischöfe, Laien und auch einige Frauen werden fĂŒr die Generalversammlung der Bischofssynode - so der offizielle Titel - im Vatikan erwartet. Sie sollen neue Wege fĂŒr die Mitwirkung der kirchlichen Basis bei kĂŒnftigen Entscheidungen erschließen. Es sollen aber auch Themen besprochen werden, die innerhalb der Kirche umstritten sind, etwa die Position von Frauen oder der Umgang mit Homosexuellen.

Die Weltsynode gilt als eines der wichtigsten Reformprojekte von Papst Franziskus (86) in seiner bisher gut zehnjĂ€hrigen Amtszeit. Der Pontifex stellt die Synode als großes Mitbestimmungsprojekt dar. An der Konferenz vom 4. bis zum 29. Oktober nehmen etwa 365 stimmberechtigte Mitglieder teil. Die große Mehrheit sind Bischöfe, es sind aber auch andere Geistliche und Laien - Nicht-Kleriker - dabei. Erstmals in der Geschichte der katholischen Kirche wurden auch 54 Frauen als stimmberechtigte Mitglieder zugelassen. Dazu kommen Experten, die nicht abstimmen dĂŒrfen.

Im vorbereitenden Teil der Weltsynode hatte der Papst alle Ortskirchen danach gefragt, welche Themen sie in den Prozess einbringen wollten. Die Ergebnisse wurden in einem Arbeitsdokument, dem «Instrumentum laboris», festgehalten, auf dessen Basis nun gesprochen wird.

Papst will offene Kirche fĂŒr alle

Bei dem bereits seit lĂ€ngerem mit Spannung erwarteten Treffen geht es im Kern um die Vision des Papstes von einer offenen Kirche fĂŒr alle. Der Argentinier hat immer wieder betont, in der katholischen Kirche dĂŒrfe sich niemand ausgeschlossen fĂŒhlen. Kritiker halten ihm allerdings vor, dass es mit solchen Bekundungen nicht getan sei: Wenn die Kirche offen fĂŒr alle sein solle, dann mĂŒssten auch die Strukturen dementsprechend verĂ€ndert werden. Zurzeit ist es aber so, dass zum Beispiel HomosexualitĂ€t nach katholischer Lehrmeinung eine SĂŒnde darstellt und der Vatikan die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare verboten hat. Das Priesteramt und damit auch alle BischofsĂ€mter sind allein MĂ€nnern vorbehalten.

Reformer kritisieren vielfach, auch die Weltsynode werde keine greifbaren VerĂ€nderungen bringen. Das Arbeitspapier sei dafĂŒr viel zu vage. Konservativen hingegen geht der gesamte Prozess schon viel zu weit. Sie fĂŒrchten jede VerĂ€nderung etwa mit Blick auf Themen wie HomosexualitĂ€t und Frauenordination - die Berufung von Frauen in WeiheĂ€mter.

BĂ€tzing Â«ĂŒberzeugt, dass alle Themen auf den Tisch kommen»

Bei der Versammlung sind auch sechs Teilnehmer aus Deutschland dabei. Die Deutsche Bischofskonferenz hat ihren Vorsitzenden Georg BĂ€tzing aus Limburg, Bertram Meier aus Augsburg und Franz-Josef Overbeck aus Essen berufen. Der Papst ernannte zusĂ€tzlich die Bischöfe von MĂŒnster, Felix Genn, und Passau, Stefan Oster, sowie den Ex-Leiter der vatikanischen Glaubensbehörde, Kardinal Gerhard Ludwig MĂŒller.

Der VizeprÀsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), der Theologieprofessor Thomas Söding, wurde als nicht stimmberechtigter Experte berufen. Vom Vatikan ignoriert wurde dagegen die ZdK-PrÀsidentin Irme Stetter-Karp. Sie forderte in einer Stellungnahme «mutige Debatten» bei der Weltsynode. «Es ist keine Zeit mehr zu zögern. Es ist Zeit zu handeln», so Stetter-Karp.

BĂ€tzing sagte in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur, er sei Â«ĂŒberzeugt, dass alle Themen auf den Tisch kommen». Es sei auch keineswegs so, dass die Themen, die den deutschen GlĂ€ubigen wichtig seien, in anderen LĂ€ndern keine Rolle spielten: «Die Fragen zu Reformen sind von vielen LĂ€ndern im Vorfeld eingebracht worden.»

Papst Franziskus und der Synoden-Koordinator Jean-Claude Hollerich haben immer wieder gesagt, es gehe bei der Weltsynode zunĂ€chst noch nicht um konkrete VerĂ€nderungen, sondern darum, wie Katholiken kĂŒnftig innerhalb der Kirche miteinander umgehen und Entscheidungen treffen wollten. Man wolle also eher ĂŒber das «wie» als ĂŒber das «was» reden. Das komme erst spĂ€ter in weiteren Schritten an die Reihe. Dementsprechend soll die Synode Ende Oktober mit einer «Roadmap» zu Ende gehen, die den Weg bis zum nĂ€chsten Treffen vorzeichnet. Denn Papst Franziskus hat die Generalversammlung der Weltsynode zweigeteilt: Im Herbst 2024 geht es weiter.

@ dpa.de