Chile: Kommunistin und Rechter ziehen in Stichwahl ein
17.11.2025 - 14:36:56Der kĂŒnftige Staatschef von Chile wird in einer Stichwahl zwischen einer Kommunistin und einem stramm Rechten entschieden. Regierungskandidatin Jeannette Jara kam in der ersten Wahlrunde auf 26,85 Prozent der Stimmen, der deutschstĂ€mmige Rechtspolitiker JosĂ© Antonio Kast auf 23,92 Prozent. Die beiden treffen in der Stichwahl am 14. Dezember aufeinander.Â
Sicherheit und Migration im Mittelpunkt des Wahlkampfes
WĂ€hrend der amtierende linke PrĂ€sident Gabriel Boric vor vier Jahren noch gewĂ€hlt wurde, um die starken sozialen Unterschiede zu beheben sowie das Bildungs- und Gesundheitswesen zu verbessern, hat sich der Fokus mittlerweile verschoben. Im Mittelpunkt des Wahlkampfes standen die Themen Sicherheit und Migration.Â
Obwohl Chile noch immer eines der sichersten LĂ€nder der Region ist, hat die KriminalitĂ€t in einigen Bereichen zuletzt zugenommen. In dem sĂŒdamerikanischen Land mit gut 18 Millionen Einwohnern leben SchĂ€tzungen zufolge mehr als 330.000 AuslĂ€nder ohne gĂŒltige Papiere - die groĂe Mehrheit stammt aus dem Krisenstaat Venezuela.Â
Jara will WĂ€hler unterlegener Kandidaten ansprechen
Regierungskandidatin Jara kĂŒndigte nach der Wahl vom Sonntag an, sich einige politische Projekte der unterlegenden Kandidaten zu eigen zu machen und um derer WĂ€hler zu werben. «Fast die HĂ€lfte der Chilenen hat weder fĂŒr mich noch fĂŒr Kast gestimmt. Ab morgen werden wir auf sie zugehen, mit ihnen sprechen und ihnen aufmerksam zuhören», sagte die ehemalige Arbeitsministerin vor ihren AnhĂ€ngern. «Wer Chile vertreten will, muss allen Chilenen und Chileninnen zuhören.»Â
Ultrakonservativer Kast geht als Favorit in die Stichwahl
Trotz des Siegs der Kommunistin Jara zieht der ultrakonservative Kast von der Republikanischen Partei als Favorit in die Stichwahl ein. Anders als seine Rivalin hat er die Chance, noch die Stimmen seiner unterlegenen Kontrahenten aus dem rechten Lager zu mobilisieren. «Chile ist wichtiger als die Parteien», sagte der neunfache Vater und strengglĂ€ubige Katholik.Â
Kast warb bereits am Wahlabend um die UnterstĂŒtzung seiner rechten Kontrahenten Kaiser und Matthei «Auch wenn wir im Wahlkampf unsere legitimen Differenzen hatten, so ist es doch mehr, was uns eint», sagte er. «Wir haben die gleiche Sichtweise auf die Probleme Chiles.»Â
Sein rechter Konkurrent Johannes Kaiser rĂ€umte seine Niederlage ein und rief seine AnhĂ€nger zur UnterstĂŒtzung von Kast auf. Auch die konservative Kandidatin Matthei gratulierte den Siegern der ersten Wahlrunde. «Unser Vaterland verlangt demokratische Verantwortung, echte Lösungen fĂŒr unsere groĂen Probleme und DialogfĂ€higkeit», sagte sie.Â
Der amtierende PrĂ€sident Boric, der aus verfassungsrechtlichen GrĂŒnden nicht erneut kandidieren konnte, gratulierte den Wahlsiegern der ersten Runde. «In einer Demokratie sollten die Kandidaten, die die BĂŒrger in den Gemeinden und Regionen vertreten wollen, öffentliche AmtstrĂ€ger mit Ehrlichkeit, IntegritĂ€t und Dienstbereitschaft sein», gab er seinen potenziellen Nachfolgern mit auf den Weg.Â
FĂŒr eine Ăberraschung bei der Wahl sorgte der Wirtschaftswissenschaftler Franco Parisi, der es entgegen der jĂŒngsten Umfragen auf den dritten Platz schaffte. Ihm folgten der ultrarechte Kaiser und die Konservative Evelyn Matthei.







